The Project Gutenberg EBook of Arnold Bcklin, by Heinrich Alfred Schmid

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Title: Arnold Bcklin

Author: Heinrich Alfred Schmid

Illustrator: Arnold Bcklin

Release Date: May 23, 2006 [EBook #18436]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK ARNOLD BCKLIN ***




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           A R N O L D   B  C K L I N

           VON HEINRICH ALFRED SCHMID


            97 Tafeln in Farbendruck,
                Kupferdruck und
                 Mattautotypie


                 Zweite Auflage

 [Illustration: Publisher's Logo / Verlagssigle]

     Verlegt bei F. Bruckmann A.-G. Mnchen
                      1922


       *       *       *       *       *

      DRUCK VON F. BRUCKMANN A.G., MNCHEN

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INHALT

Titelbild Selbstbildnis 1875/76

Biographie

Tafel  1: Tannenbewachsene Felsschlucht.                 1848 bis 1849
  "    2: Heroische Landschaft.                             Um 1850/52
  "    3: Kentaur und Nymphe.                                     1855
  "    4: Bildnis der Frau Bcklin.                    Vielleicht 1862
  "    5: Diana an der Quelle.                                 Um 1855
  "    6: Pan im Schilf.                                       1857/59
  "    7: Zeit der Kultur, rechte Hlfte.                         1858
  "    8: Zeit der Kultur, linke Hlfte.                          1858
  "    9: Die Gtter Griechenlands.                               1859
  "   10: Pan erschreckt einen Hirten.                            1860
  "   11: Der Mord im Schlogarten.                               1859
  "   12: Venus und Amor.                                         1860
  "   13: Hirtin bei ihrer Herde.                                 1860
  "   14: Jagd der Diana.                                         1862
  "   15: Villa am Meer. 1. Fassung.                              1864
  "   16: Villa am Meer. 2. Fassung.                           1864/65
  "   17: Anachoret. 2. Fassung.                               Um 1863
  "   18: Altrmische Weinschenke.                                1865
  "   19: Frhlingslandschaft mit Kindern,
              welche Maipfeifen schnitzen.                        1865
  "   20: Signorina Clara.                                        1863
  "   21: Die Klage des Hirten.                                   1866
  "   22: Magdalenas Trauer an der Leiche Christi.                1867
  "   23: Knig David.                                            1868
  "   24: Der Gang nach Emmaus.                                   1868
  "   25: Rast auf der Flucht nach gypten.                       1868
  "   26: Liebesfrhling.                                         1868
  "   27: Frhlingsreigen (Wiesenquelle).                         1869
  "   28: Magna Mater.                                       Ende 1868
  "   29: Flora.                                                  1869
  "   30: Die Geburt der Venus
              (Venus Anadyomene. 1. Fassung).                     1869
  "   31: Ideale Frhlingslandschaft.                             1870
  "   32: Die Felsenschlucht.                                     1870
  "   33: Der Ritt des Todes.                                     1871
  "   34: Bergschlo.                                             1871
  "   35: berfall von Seerubern.                                1872
  "   36: Altrmische Maifeier.                                   1872
  "   37: Selbstbildnis.                                          1872
  "   38: Venus Anadyomene. 2. Fassung.                           1873
  "   39: Kentaurenkampf.
              Erste als Bild ganz vollendete Fassung.             1873
  "   40: Kentaurenkampf. 2. Fassung.                             1878
  "   41: Piet.                                                  1873
  "   42: Landschaft mit maurischen Reitern.                      1873
  "   43: Die Muse des Anakreon.                                  1873
  "   44: Quellnymphe.                                            1874
  "   45: Triton und Nereide. 1. Fassung.                1873 bis 1874
  "   46: Triton und Nereide. 3. Fassung.                         1875
  "   47: Ceres und Bacchus.                                      1874
  "   48: Flora, Blumen streuend.                                 1875
  "   49: Klio.                                                   1875
  "   50: Hochzeitsreise.                                      Um 1876
  "   51: Kreuzabnahme.                                           1876
  "   52: Flora, die Blumen weckend.                              1876
  "   53: Die Gefilde der Seligen.                                1878
  "   54: Rckblick auf Italien
              (Hochzeitsreise. Letzte Fassung).                   1878
  "   55: Meeresbrandung.                                         1879
  "   56: Frhlingsabend.                                         1879
  "   57: Tritonenfamilie.                                        1880
  "   58: Die Insel der Toten. 2. Fassung.                        1880
  "   59: Die Insel der Toten. 3. Fassung.                        1883
  "   60: Fltende Nymphe.                                        1881
  "   61: Sommertag.                                              1881
  "   62: Der Abenteurer.                                         1882
  "   63: Frhlings Erwachen.                                     1880
  "   64: Quell in einer Felsschlucht.                            1881
  "   65: Heiliger Hain.                                          1882
  "   66: Gotenzug.                                               1881
  "   67: Malerei und Dichtung.                                   1882
  "   68: Ruine am Meer.                                          1883
  "   69: Prometheus.                                             1882
  "   70: Im Spiel der Wellen.                                    1883
  "   71: Frhlingstag (Die drei Lebensalter).                    1883
  "   72: Odysseus und Kalypso.                                   1883
  "   73: Heiligtum des Herakles. 2. Fassung.                     1884
  "   74: Faune, eine schlafende Nymphe belauschend.              1884
  "   75: Der Eremit.                                             1884
  "   76: Das Schweigen des Waldes.                               1885
  "   77: Selbstbildnis.                                          1885
  "   78: Burgruine mit zwei kreisenden Adlern.                Um 1886
  "   79: Herbstgedanken.                                         1886
  "   80: Spiel der Najaden.                                      1886
  "   81: Meeresidylle.                                           1887
  "   82: Meeresstille.                                           1887
  "   83: Die Heimkehr.                                           1888
  "   84: Sieh, es lacht die Au.                                  1887
  "   85: Frhlingshymne.                                         1888
  "   86: Kentaur in der Dorfschmiede.                            1888
  "   87: Kampf auf der Brcke (Rmerschlacht).                   1889
  "   88: Vita somnium breve.                                     1888
  "   89: Der Gang zum Bacchustempel.                             1890
  "   90: In der Gartenlaube.                                     1891
  "   91: Mariensage.                                             1890
  "   92: Der heilige Antonius predigt den Fischen.               1892
  "   93: Francesca da Rimini. 1. Fassung.                        1893
  "   94: Venus Genitrix.    Bezeichnet 1895,
                               im wesentlichen vollendet Frhjahr 1892
  "   95: Der Krieg. 2. Fassung.                                  1896
  "   96: Pan mit tanzenden Kindern.                         1898/1900


[Illustration:
SANDSTEINMASKE AN DER BASLER KUNSTHALLE]




[Illustration:
PUTTO  1859]

Arnold Bcklin gehrt zu jenen Malern, die in den zwanziger und
dreiiger Jahren des 19. Jahrhunderts geboren, in den fnfziger und
sechziger Jahren mit den Traditionen der Corneliusschule gebrochen und
in Deutschland eine neue Kunst heraufgefhrt haben, eine Bltezeit der
Malerei, wie sie seit den Tagen Drers und Holbeins nicht mehr gewesen
war. Er ist ein Altersgenosse von Anselm Feuerbach, Viktor Mller (auch
von Piloty, Knaus und Vautier) und ging Lenbach, Hans von Mares, Hans
Thoma, Toni Stadler, Karl Haider, Gabriel Max und Makart um ein
Jahrzehnt oder wenig mehr voraus. Als er sich der Malerei zuwandte,
hat Cornelius den Karton der apokalyptischen Reiter geschaffen, begann
Rethel die Fresken im Aachener Rathause und die Holzschnitte des
Totentanzes und es folgten die duftigsten Werke von Schwind, wie das
Aschenbrdel und die Wartburgfresken, und die reifsten Holzschnittfolgen
von Ludwig Richter bald nach.

Die fhrenden Geister aber der in dieser Zeit heranwachsenden Generation
haben im Kolorit ihr krftigstes Ausdrucksmittel gefunden. Sie begannen
die Koloristen unter den Meistern der frheren Jahrhunderte zu
studieren. Es richtete sich das neue Interesse hauptschlich auf
die Farbenkomposition, die Kunstmittel, mit denen die koloristische
Gesamthaltung in frheren Zeiten erzielt worden war, aber auch auf
die Malmittel, die technischen Verfahren, die handwerkliche Praxis,
welche die vorausgehende Zeit vernachlssigt hatte. Bcklin meinte
gelegentlich: Wer heute in der Kunst noch etwas erreichen wolle, msse
die Malerei von neuem erfinden. Die heranwachsende Generation wandte
sich nach Belgien und nach Paris, hauptschlich zu Couture, sie lernte
von Delacroix und den Meistern von Barbizon. Die Mehrzahl aber,
wenigstens gerade die Bedeutendsten und Einflureichsten, haben
schlielich nicht in Frankreich, sondern in Italien im Umgang mit den
Werken der alten Kunst die entscheidende Richtung fr ihr ganzes Leben
gefunden und diese im Umgang mit Kollegen und Schlern weitergebildet.

Bcklin ist einer der ltesten, selbstndigsten und eigenartigsten unter
diesen Knstlern. Er ist noch mehr als alle brigen seine eigenen Wege
gegangen, am meisten verschrieen und verhhnt worden, war whrend der
grten Zeit seines Wirkens wie Feuerbach, Thoma, Hans von Mares, nur
von wenigen erkannt, abseits gestanden und hat schlielich die grte
Flle von Beifall geerntet.

Er gehrt zur deutschen Kunst, so gut wie die anderen, obwohl er in
Basel geboren und aufgewachsen ist und auch von schweizerischen Eltern
stammt, obwohl auch fr seine Kunst ein Aufenthalt in Paris von einiger
Bedeutung, und der erste siebenjhrige in Italien entscheidend war. Der
einzige Lehrer und der einzige Studiengenosse, der auf seine Richtung
von tieferem Einflu war, waren Deutsche ihrer Kunst und Herkunft
nach, ebenso die Mehrzahl der Freunde und Kollegen, die er in den
entscheidenden Jahren um sich sah. Er ist, was gewhnlich bersehen
wird, aus der heroischen Landschaftsmalerei herausgewachsen, die seit
Asmus Carstens und Jos. Anton Koch in Deutschland gepflegt wurde und
immer Verstndnis gefunden hat. Er ist der Sohn und Erbe dieser ganzen
Richtung. Er hat auch fast nur in deutschen Landen zuerst Verstndnis
und spter allgemeinen Beifall gefunden, und die Erfolge, die er in
Deutschland errungen hat, haben sein Ansehen in seiner Vaterstadt erst
recht befestigt. Von franzsischer Seite sind einzelne Stimmen schon
frh laut geworden, die Bcklins Bedeutung anerkannten, aber sie blieben
ganz vereinzelt. In England ist der Meister so gut wie unbekannt. Noch
heute befindet sich das Werk des Knstlers mit ganz wenigen Ausnahmen
in deutschem, deutsch-schweizerischem und sterreichischem Besitz.
Bezeichnend ist auch, da die Polemik, die sich vor dem Kriege in
Deutschland gegen Bcklin erhob und ihm jedes wahre Knstlertum
absprach, aus den Kreisen derer stammt, die fr die unbedingte
berlegenheit der Franzosen in der bildenden Kunst eintraten.

Dies alles war nur zum kleineren Teile Zufall. Seine Art ist im letzten
Grunde deutsch. Immer strker treten in seinem Stil gewisse Neigungen
hervor, die fr die Kunst der Festlandgermanen von jeher bezeichnend
gewesen sind, und sie von der der latinisierten Vlker unterscheiden. Er
steht diesseits der Kulturgrenze, die vom Jura bis zur Nordsee reicht.
Sein Ideal ist im letzten Grunde nicht die regelnde Ordnung und das
Ebenma, sondern das sprhende Leben, die Wucht des Ausdrucks und die
Macht der Stimmung.




DIE VATERSTADT UND DIE ELTERN


Die Vaterstadt Basel ist noch in der zweiten Hlfte des 19. Jahrhunderts
einem Bewunderer Bcklins, der hingewallfahrtet war, um die Heimat
des Propheten kennen zu lernen, unsglich eng und muffig erschienen und
von ihm danach verlstert worden. Da mgen unangenehme Reiseerlebnisse
das Urteil getrbt haben, aber frher, in Bcklins Jugend, htte
ein flchtiger Besucher wirklich nicht ahnen knnen, da ein
enthusiastischer Knstler in den Mauern heranwuchs, der die Faune und
Nymphen, Tritonen und Nereiden und die schaumgeborene Aphrodite aus dem
Orkus heraufholen werde.

Die Stadt war freilich zur Zeit des Humanismus und der Reformation der
Mittelpunkt geistigen Lebens fr ganz Sdwestdeutschland gewesen. Sie
hatte gleichzeitig auch ein blhendes Kunstleben gehabt. Drer hatte auf
der Wanderschaft hier Arbeit gefunden und zwanzig Jahre spter Holbein
eine zweite Heimat und groe und lohnende Auftrge. Die Buchdrucker
datierten damals ihre Drucke aus der weitberhmten Stadt Basel und in
den kleinen Randleisten, mit denen Holbein die Titel schmckte, spielten
sogar schon damals die Tritonen und Nereiden eine Rolle. Es galt die
Stadt auch als eine der frhlichsten am Rhein, der Frau Venus besonders
hold. Aber mit der Reformation war ein puritanischer Geist eingezogen,
der sich bis ins 19. Jahrhundert erhalten hat, und ein groer Teil der
angesehensten alten Familien geht sogar, wie schon die Namen andeuten,
auf Flchtlinge zurck, die ihres Glaubens wegen aus Italien, Frankreich
und auch aus Deutschland eingewandert waren. Diese haben nun allerdings
fremde Industrien hierher verpflanzt und damit den Reichtum gefrdert
und es wurde dem alemannischen Stamme der Bevlkerung durch sie auch ein
fremdes und gutes Reis aufgepfropft. Aber seit dem 17. Jahrhundert war
der Zustrom von auen nur ein sehr schwacher und das Gemeinwesen hat
sich nicht mehr vergrert. Die Bevlkerung erhielt dadurch ein scharf
ausgesprochenes Gesicht, wie es in heutigen Stdten gar nicht mehr
mglich ist und dies Gesicht sah etwas anders aus als im Anfange des
16. Jahrhunderts.

Die Stadt war sprichwrtlich fr ihren Erwerbssinn und ihren Reichtum,
aber auch fr die altvterischen Gepflogenheiten, den Familiensinn,
die Frmmigkeit, den Gemeinsinn und ihre Wohlttigkeit. Kaufmnnische
Tugenden gaben neben der pietistisch gefrbten Religiositt der
Physiognomie der Bewohner ihre charakteristischen Zge.

Allein es fehlte durchaus nicht an geistigem Leben, nur kam der
Wohlstand mehr der Wissenschaft als der Kunst, und unter den Knsten
am meisten der Musik und der Baukunst zugute. Durch alle Zeiten des
Stillstandes und des Niederganges hatte sich die Universitt erhalten
und so haben neben Bcklin in den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts
auch ein Jakob Burckhardt und ein Nietzsche gewirkt. Aber auch die
Gemlde und Zeichnungen Holbeins, die sich aus den Tagen des Glanzes
im Besitze der Stadt erhalten haben, waren immer geschtzt, wenn auch
vielleicht nicht hufig besichtigt worden und bten ihre stille Wirkung
aus. In der zweiten Hlfte des 18. Jahrhunderts begann ferner das
Interesse fr das Mnster und die brigen mittelalterlichen Kirchen
der Stadt zu erwachen. Namentlich aber ist schon seit dem Beginn des
18. Jahrhunderts eine aufsteigende Entwicklung auf dem Gebiete der
Architektur zu beobachten. Diese brachte spter, in der Rokokozeit,
die groe Zahl von schnen, zum Teil sogar prunkvollen Patrizierhusern
hervor, die dem Innern der Stadt noch heute ihr Geprge verleihen.
Nebenher kam auch das Sammeln von Bildern auf. Der Malerberuf war zu
Beginn des 19. Jahrhunderts in dieser Stadt der Kaufherren und der
frommen Sitte an sich durchaus nicht gerade verachtet, wenn man auch dem
Erbauer komfortabler Familienhuser jedenfalls mehr Verstndnis und
sicher weit grere persnliche Achtung entgegengebracht haben wird,
als den Jngern der leichter geschrzten Muse der Malerei. Was den
frsichtigen und bedchtigen Baslern damals wirklich zu einem Kunstleben
fehlte, war vielleicht nur der Sinn fr naiven Lebensgenu und schnen
Schein und jener Leichtsinn, der zu groen Taten schlielich nun einmal
ntig ist. Wenigstens vermit man in vielen uerungen der damaligen und
noch einer spteren Zeit das Gefhl fr das Heroische im Verhalten eines
Mannes, der ohne finanzielle Sicherheiten, nur im Bewutsein eigener
Kraft, eine Bahn betrat, die den Winden und Wogen ein so sicheres Ziel
bot wie der Knstlerberuf, und der auch noch auf dieser an sich schon
gefhrlichen Bahn, lediglich der eigenen Vernunft gehorchend, alles
Hergebrachte und Anerkannte in den Wind schlug.

Die Maler, die in Bcklins Jugend in Basel den Stand vertraten, waren
nicht dazu angetan, diese Anschauungen zu ndern. Sie waren keine
Gesetzgeber sondern Diener des Zeitgeschmackes. Fast alle sind sie zwar
von der deutschen Bewegung, die von Carstens, Koch und den Nazarenern
ausging, berhrt worden. In Basel aber kamen sie dem Bedrfnis nach
Alpenlandschaften und Veduten nach und unterrichteten die Jugend in
einer Zeichenschule, die im 18. Jahrhundert gegrndet worden war. Einer
von ihnen, der genial veranlagte Hieronymus He, ist in der Enge der
Heimat, verbittert und versauert, als Mensch und Knstler zugrunde
gegangen, ein anderer, Miville, einer der Lehrer Bcklins an der
Zeichenschule, hat auf vielen Reisen in zahlreichen Skizzenbchern
dieselben Gegenden und hnliche Motive wie spter sein Schler verewigt,
wenn auch ohne alle tiefere Originalitt und ohne den feineren Natursinn
des greren Nachfahren.

Nicht der Glanz, mit dem Bcklin etwa als Knabe den Maler umgeben sah,
hat ihn auf seine Bahn gelockt, sondern innere Notwendigkeit und das
Gefhl, da das, was er in sich trug, etwas Strkeres und Besseres sei
als die Triebkrfte, die seine knstlerische Umgebung beherrschten.

Bcklin ist der Sohn eines Kaufmanns, dessen Groeltern aus Beggingen im
Kanton Schaffhausen eingewandert waren. Der Urgrovater des Malers war
offenbar ein verarmter Landwirt, der in einer Basler Fabrik sein Brot
suchte und fand, auch der Grovater war Fabrikarbeiter; mit dem Vater
aber begann der Aufstieg. Er war ein erfinderischer Kopf, hatte sich
schon in ganz jungen Jahren durch die Verbesserung eines roten
Farbstoffes die Wertschtzung seines Brotherrn erworben, dann mit
zweiundzwanzig Jahren eine Tochter aus gebildeter und auch etwas
wohlhabender Familie geheiratet und sich spter selbstndig gemacht. Das
Vermgen der Frau ging freilich in seinem eigenen Unternehmen zugrunde.
Er mute dann wieder die technische Leitung einer fremden Fabrik
bernehmen, und gerade in den Jahren, als die Shne heranwuchsen, hatten
sich die Eltern sehr einzuschrnken. Die Mutter gehrte einer alten
Basler Familie an, die schon seit Jahrhunderten von stdtischer Kultur
verfeinert worden sein mag. Ihre Mutter war eine Werenfels und
Mitglieder dieser Familie haben sich verschiedentlich ausgezeichnet. Ein
Werenfels, wenn auch nicht ein Vorfahr Bcklins, ist der Schpfer der
glanzvollen Rokokobauten aus den fnfziger Jahren des 18. Jahrhunderts.
Die erhaltenen Bilder von Bcklins Mutter zeigen eine Physiognomie von
merkwrdig groem Schnitt; sie war eine feine, gebildete, begabte, wohl
direkt bedeutende Frau, die Vertraute ihrer Kinder. Bcklins Jugend ist
keine unglckliche gewesen; er erinnerte sich spter gerne manch
drolliger Geschichte aus seinen Knabenjahren. Er hat auch am stdtischen
Gymnasium eine tchtige Schulbildung erhalten und wenigstens den Julius
Csar noch im Originaltext gelesen. Einen wirklich bedeutenden Menschen
lernte er hier in dem Germanisten und Dichter Wilhelm Wackernagel
kennen, der neben seiner Ttigkeit an der Universitt auch am Gymnasium
Unterricht erteilen mute, doch hatte derselbe die Schler nicht etwa
in die Literaturgeschichte einzufhren, der Unterricht ging lediglich
darauf aus, ihnen ein mglichst gutes Deutsch beizubringen. Bcklin hat
auch mit seinen Brdern die Zeichenschule besuchen drfen; nur davon
wollte der Vater nichts wissen, da er Maler werden sollte. Es gebe
schon hungernde Maler genug. Ein Calame werde er doch noch lange nicht.
Der Widerstand des Vaters war angesichts der eigenen Geldsorgen und
angesichts der Knstlerschicksale, die er vor sich sah, begreiflich.
Aber auch der Sohn hatte etwas von dem Wagemut der alten Eidgenossen und
noch etwas mehr als einst der Vater; er glich ihm berhaupt sehr und
vielleicht am meisten da, wo er ihm unbequem wurde, und der Entschlu,
Maler zu werden, stand bei ihm fest. Die Mutter trat in ihrer ruhigen
und stillen Weise auf des Sohnes Seite und fand eine Untersttzung bei
seinem Lehrer Wackernagel. Sie durfte sich spter wenigstens noch ber
die ersten ueren Erfolge des Sohnes, die Berufung nach Weimar, freuen.
Der Vater aber ist erst in dem Jahre gestorben, als Bcklin seine
Toteninsel schuf; er hat also die glnzendste Schpferttigkeit des
Sohnes noch miterlebt, indessen er gerade allem Anschein nach ohne
zu ahnen, da er einen der bedeutendsten und einflureichsten Geister
des damaligen Europa zum Sohne hatte; wenigstens uerte er sich an
seinem Lebensabend noch zu einem jungen Maler, der sich dem Meister
angeschlossen hatte, es sei das Verhngnis seines Sohnes, da er keinen
Rat annehmen wolle.

An Anregungen hat es dem Maler in seiner Jugend nicht gefehlt. Die
Familie wohnte, als er heranwuchs, in einem hchst malerisch gelegenen
skularisierten Kloster St. Alban, dicht an den grnen Fluten des
Rheins. Kirche und Friedhof des Klosters werden heute noch gerne gemalt.
Bei Basel umgeben die weite Ebene des Rheintals drei Gebirge, alle drei
reich an Naturschnheiten. Offenbar hat der Jura am strksten auf
Bcklin gewirkt. Die langgezogenen Hhenrcken, die steil aufragenden
Felswnde, die malerischen Schluchten, die wundervollen Buchen- und
Tannenwlder und die Burgruinen, die von Berg zu Berg hinbergren und
an eine kriegerische Vergangenheit erinnern, all das war dazu angetan,
die Phantasie des Knaben mchtig anzuregen. Das Schlichte wirkt oft
nachhaltiger als das Glanzvolle. Gewisse Grundzge dieser Landschaft
scheinen denn auch in berhmten Schpfungen der Sptzeit, die im
glnzenden Talare sdlicher Vegetation auftreten, wiederzukehren.

Die Gemlde Holbeins, die den stolzen Kunstbesitz der Stadt bildeten,
hingen damals noch in einem Raume der Bibliothek, der nicht gengend
Licht hatte, wie Briefmarken in einem Album dicht beisammen bis unter
die Decke; aber ich hatte gute Augen, meinte der Meister. Freilich
befinden sich unter diesen Meisterwerken nur wenige, die auf
Unvorbereitete tiefen Eindruck zu machen pflegen und auch das Wenige
war--wie man glauben sollte--nicht dazu angetan, einen geborenen
Landschafter anzuregen. Was die Arbeiten auszeichnete, war die Klarheit
der Form und die Feinheit und Schrfe der Beobachtung, und dennoch, sie
haben ihm sehr gefallen, haben ihn sehr interessiert, obwohl, wie er
selber hervorhob, Holbeins Richtung eine andere als die seine gewesen
ist.

Von starkem, wenn auch heute im einzelnen gar nicht mehr abzuschtzendem
Einflu auf das Denken und Fhlen des heranwachsenden Knstlers war
endlich zweifellos die literarische Bewegung der Zeit (schon sein
Zeichenlehrer klagte, Bcklin lese zu viel), waren auch die mchtigen
Wogen der patriotischen Begeisterung, die in den vierziger Jahren durch
die Schweiz gegangen sind. Die Zeit, in der Bcklin es durchsetzte,
Maler werden zu drfen, fllt zusammen mit der, da Gottfried Keller
erkannte, da er zum Dichter berufen war.

[Illustration:
LANDSCHAFT MIT GEWITTERWOLKEN  1846]




DIE ANFNGE SEINER KUNST


Der Beginn der Malerlaufbahn fllt in das Jahr 1845. Im Frhjahr verlie
Bcklin die Schule, im Sommer machte er noch Studien, wie es scheint,
sowohl in den Alpen wie im Jura; im Oktober trat er in die Dsseldorfer
Akademie ein. Vom November sind die ersten Aktzeichnungen datiert.

Er war damals ein schlank gewachsener Mensch mit langem Haar, das fast
bis auf die Schultern herabfiel, und mit stechenden blaugrauen Augen.
Er verfgte ber einen ungewhnlich krftigen Krper, der durch
systematische bung gesthlt, geschmeidig gemacht und geschmeidig
erhalten wurde. Das war die Grundlage fr seine Lebenslust und seinen
Humor, seine Ausdauer und die bewundernswrdige Elastizitt, mit der er
nach den schwersten Katastrophen immer wieder emporschnellte. Die Gtter
hatten ihm aber mit der Kraft auch die Feinfhligkeit und Verwundbarkeit
der Seele verliehen, ohne die ein genialer Knstler nicht denkbar ist.
Er konnte in lauten Jubel ausbrechen, wenn er an einem schnen Morgen in
die Campagna fuhr, aber er empfand auch tiefer als andere die Schlge
des Schicksals, und es ist ihm ein vollgerttelt Ma davon zuteil
geworden. Der auergewhnlichen Empfnglichkeit und Reizbarkeit
entsprach ein erstaunliches Gedchtnis: was entzckt oder verwundet,
wird von dem Menschen festgehalten. Sein Gedchtnis kannte wie seine
Aufnahmefhigkeit keine Grenzen. Er hatte bei aller Zielsicherheit des
Wollens die Vielseitigkeit der Anlagen und Interessen, die an Richard
Wagner und selbst an Goethe erinnern und sagte selbst, da in seinem
Kopfe vieles Platz habe.

Er war zunchst fr alle bildenden Knste veranlagt und weit davon
entfernt, etwa nur ein Kolorist zu sein. Die frheste Leistung, mit
der er in die ffentlichkeit getreten ist, war nach A. Frey der
Entwurf eines Stadttores fr die Eisenbahn von Straburg nach Basel.
Architektonisches Verstndnis verraten auch seine Gemlde. Als Maler ist
er von der Landschaft ausgegangen; er hat aber vereinzelte Bildnisse und
Skulpturen geschaffen, die zu den populrsten des Jahrhunderts gehren
und schlielich in figurenreichen Wand- und Staffeleibildern sein
Hchstes geleistet. Er hat auch Gemmen geschnitten und Mbel entworfen.

Bcklin hat im Laufe der Jahre, hnlich wie einst Rubens fr seine
Zwecke, die gesamte Kunst der Vergangenheit, soweit sie ihm erreichbar
war, studiert. Seine grte Bewunderung galt der Architektur, Plastik
und Malerei der Antike. Die romanische Kunst und die Gotik liebte er
nicht, aber es finden sich in einem Baseler Skizzenbuch zwei Statuen des
Freiburger Mnsters und er rhmte dem Verfasser dieser Zeilen die alten
Glasgemlde von Sta. Croce in Florenz. Seine besondere Liebe war lange
Zeit das italienische Quattrocento bis auf den jungen Lionardo; noch
weit mehr, und je lnger je mehr, schtzte er aber die Niederlnder seit
van Eyck und die alten Deutschen, namentlich Matthias Grnewald. Es
finden sich in seinem Werke ferner Reminiszenzen an Raffael, Tizian und
Rubens. Michelangelo war ihm unsympathisch, aber als das Gesprch
gelegentlich auf diesen kam, konnte er unvorbereitet aus dem Gedchtnis
eine charakteristische Figur dieses Meisters, fr alle kenntlich, auf
dem Marmortisch entwerfen. Aus Tizians Himmlischer und irdischer Liebe
ist die nackte Figur eines kleinen Bildchens herbergenommen. An die
Amazonenschlacht von Rubens in Mnchen lehnt sich die erste seiner
Rmerschlachten (Taf. 87) an. Es finden sich aber in seinem Werke auch
die unverkennbaren Zeugnisse, da er sich selbst einen Michelangelo da
Caravaggio und einen Guido Reni genau angesehen hat. Von diesem hat er
die Gestalt der Venus in Dresden bei seiner eigenen Venus (Taf. 12)
verwertet. Ganz anders freilich war sein Verhltnis zu den Landschaftern
des 17. Jahrhunderts, die, wie er aus dem Norden kommend, in Italien
ihre zweite Heimat gefunden haben, so vor allem zu Gaspard Dughet und
Poussin. Manche seiner Schpfungen aus der ersten rmischen Zeit sehen
aus, als ob diese beiden neben Tizian seine eigentlichen Lehrmeister
gewesen seien. Vor allem aber war Rubens neben Grnewald fr ihn der
Maler aller Maler.

Ablehnend verhielt er sich, in spteren Jahren wenigstens, gegen
Lionardo, Velazquez und Rembrandt, namentlich gegen Rembrandt.

Schon in Dsseldorf fiel er durch seine grndliche literarische
Bildung auf. Damals las er unter anderem Moliere und Voltaire. Seine
Lieblingsdichter waren aber Griechen, Italiener und Deutsche: Homer,
Dante, Ariost, Goethe und Gottfried Keller. Auf den Klippen von Ischia
pflegte Bcklin Homer und Ariost zu lesen. Die Snger der vterlichen
Familie aber sind Schiller und Peter Hebel, ein Zeitgenosse der groen
Klassiker, der in der Mundart des nahen Wiesentales gedichtet hat,
gewesen.

Er las indessen nicht nur schne Literatur. Er las auch sonst viel,
es haben ihn namentlich kulturhistorische Werke, Bcher ber Reisen,
Ausgrabungen und Erfindungen interessiert. Er war nicht nur Poet,
sondern auch Denker und Grbler, und seine Leidenschaft galt nicht nur
den knstlerischen, sondern auch den technischen Problemen und der
Technik nicht allein in seiner Kunst. Durch das ganze Leben geht neben
dem Bestreben, die Technik der Griechen und die ltechnik der Brder van
Eyck wieder zu entdecken, das andere, ein Flugzeug zu erfinden. Eine
Nachricht, die seine Hoffnungen auf diesem Gebiete begrub, scheint der
unmittelbare Anla fr den ersten Schlaganfall gewesen zu sein. Er
scheint als Konstruktionstechniker Dilettant geblieben zu sein und
geradezu pathologisch konnte sein Mangel an Geldsinn anmuten.

Er war aber nicht nur ein reichbegabter und krftiger, sondern auch ein
groer und guter Mensch, der unverdorbene Sohn einer anstndigen Familie
und einer sittlich wie geistig hochstehenden Mutter. Fr die Schnheit
des Weibes war er sehr empfnglich, huldigte aber, wie es scheint, in
keiner Zeit seines Lebens dem bei Knstlern so hufigen Libertinismus.
Dem Weine war er sehr ergeben, er trank viel, aber er vertrug noch mehr.

Bcklin war auch eine grundehrliche Natur. Zwar scheute er sich nie,
einem zudringlichen Frager einen Bren aufzubinden, doch hate er die
schlimmeren Arten der Lge, die halben Wahrheiten, die Phrasen; er hat
sich nicht selber belogen, sich nicht knstlich in eine Stimmung
hinaufgesteigert. Er war ehrlich vor allem in seinem Beruf.

Das Kunstwerk aber war fr ihn nicht blo ein Stck Natur im Affekt
gesehen. Als der Verfasser dieser Zeilen ihm eine Anzahl Lichtdrucke
nach Zeichnungen von Matthias Grnewald vorlegte, geriet er bei den
Entwrfen in Aufregung, whrend ihn die Studien ganz kalt lieen, obwohl
sich doch schon bei diesen die Subjektivitt des Meisters deutlich genug
geuert hatte. Mit der ganzen vorausgegangenen Generation und auch mit
den Altersgenossen war er darin einig, etwas erzhlen und nicht nur
durch Auswahl, Auffassung und Stilisierung etwas Eigenes geben zu
wollen. Er war auerdem persnlich schon zu vielseitig veranlagt und zu
vielseitig gebildet, als da nicht Musik und Poesie in irgendeiner Weise
in seinen Bildern htte mitspielen mssen. Ein literarischer Maler war
er sicher und es kann sich bei ihm nur fragen, ob seine Gemlde nur
davon leben, da sie Geschichten erzhlen und an Gefhle anspielen, die
das Publikum liebt, oder ob es gute Werke bildender Kunst sind, die
auer dem Sichtbaren noch anderes bieten. Er war auch ein musikalischer
Maler, zunchst in demselben Sinne wie er ein literarischer war. Aber er
war es noch in einem bertragenen Sinne. Die Musik war nicht nur eine
Anregerin und Begleiterin seiner Kunst. Die Eigenart dieser Kunst wirkte
vielmehr auch auf seinen Willen, das Naturbild umzugestalten, wirkte auf
seinen Stil. Er trachtete, je lter er wurde, je mehr darnach, durch
seine Bilder das Gemt so zu packen wie die Musik es tut. Ein Bildwerk
soll etwas erzhlen und dem Beschauer zu denken geben, so gut wie eine
Dichtung, und ihm einen Eindruck machen wie ein Tonstck. Er fand
deshalb auch: Alles was einem aus dem Kopf von innen heraus gert, ist
mit samt seinen Zeichenfehlern und anderen Fehlern tausendmal mehr wert,
als eine noch so fleiig und noch so richtig nach der Natur gemachte
Studie.

Die Art, wie er sich in der Malerei ausspricht, nhert sich in der Tat
mehr als bei andern Malern seiner Zeit, der Ausdrucksweise von Musik und
Architektur. Wohl singt er von seinen Leiden, indem er rauschende Bume
und brandende Wogen darstellt, aber die Elemente der Malerei, Linien
und Linienfolgen, Farben und Farbenfolgen bestimmen fast ebenso wie der
Rhythmus von Sulen und Geblk, Mauer und ffnung, von Tonfolgen und
Akkorden den Gesamteindruck. Das war das Neue bei ihm und das Uralte,
das, womit er dem Expressionismus vorgriff und mit Grnewald und Giotto
sich verwandt zeigt.

Fast scheint es aber, als ob er das hchste Glck der Erdenkinder in der
Musik gesehen htte. Es musizieren auf seinen Bildern Andchtige und
Verliebte, die Gtter der Flur und der See, betrunkene Soldaten und die
Seligen im Elysium. Er fand sich auch ohne systematischen Unterricht auf
mehreren Instrumenten zurecht und konnte jede Melodie, die er einmal
gehrt hatte, fehlerlos wiedergeben, wenn sie ihm gefallen hatte. Unter
den Komponisten standen ihm auer den frhen Italienern Haydn, Bach,
Mozart, Beethoven und Schubert am nchsten. Gegen Richard Wagner hatte
er einen unberwindlichen Widerwillen.

Je mehr elegische Stimmung eines seiner Bilder ausstrmt, um so
dunkler wird die Stunde gewesen sein, aus deren Grnden heraus es spter
sich kristallisierte. Aber in einer Zeit, wo sonst die aufdringliche
psychologische Zergliederung grassierte, versetzt er die eigenen Leiden
und Freuden in altersgraue Vorzeit, in den Bereich der Gtter und
Heroen. Denn sicher ist alles Erlebnis, das Verhltnis von Triton und
Najade so gut wie das der Alten in der Gartenlaube, die Tatenlust des
Abenteurers so gut wie die Leiden des Prometheus, die Sehnsucht des
Odysseus wie die Heimkehr des Landsknechts. Da aber so viel mit
blutendem Herzen gemalt war, lehnte er jedes Reden ber die Stimmung
seiner Werke ab, auer ber die lustigen. Die Stilisierung seiner
Erlebnisse ins Heroische erlaubte dem zurckhaltenden Alemannen und
Basler mehr zu sagen, als er sonstwie bers Herz gebracht htte. Sollen
wir diese Art der Maskerade verdammen? Wre es besser gewesen, er htte
geschwiegen?


In Dsseldorf fand Bcklin einen Lehrer, der ihn verstand und der in den
Grundzgen des knstlerischen Wollens mit dem einig war, was ihm dunkel
vorschwebte, in Joh. Wilh. Schirmer, dem Schpfer von Landschaften mit
biblischer oder heroischer Staffage, die noch in den sechziger und
siebziger Jahren groe Bewunderung in ganz Deutschland gefunden haben.
Dieser Lehrer war nur der begabte und feinsinnige Vertreter einer jetzt
lngst veralteten Richtung und ist von seinem Schler nach wenigen
Jahren berholt worden, aber Bcklin ist ihm sein ganzes Leben dankbar
geblieben. Seine eigene Kunst ist von dem ausgegangen, was er bei
Schirmer vorfand; freilich hat er spter aus den Quellen geschpft,
die Riviera, die Campagna, das Poussintal bewundert und die Vter und
Vorvter der deutschen heroischen Landschaft studiert und hat alles
berkommene selbstndig umgestaltet. So gleicht das Ende nicht dem
Anfang; aber ohne pltzlichen Ruck, langsam und stetig wchst er aus
jener Wurzel empor.

Er blieb bis zum Frhjahr 1847 an der Akademie, da er aber auch
den Sommer 1846, wie den von 1845 und 1847, in der Schweiz zu
Studienfahrten bentzte, so hat er im ganzen nicht mehr als etwa ein
Jahr systematischen Unterricht genossen.

Seine Malerei ist in dieser Zeit geschickter, die Gesamtwirkung
schlagender, es ist aber namentlich auch die Naturbeobachtung feiner
geworden, so da es nicht schwer ist, die undatierten Studien dieser
Jahre mit groer Wahrscheinlichkeit chronologisch einzuordnen. Aus
dieser Zeit stammen nun auch einige Kompositionen, die in ihren
Vorwrfen an die Romantik eines Lessing, im Kolorit an Schirmer
erinnern, wie die Burgruine in der Berliner Nationalgalerie und ein
Hnengrab im Basler Museum. Diese Bilder drften das Endresultat der
Dsseldorfer Lehrjahre vorstellen.

Im Mrz 1847 begab er sich mit dem schweizerischen Tiermaler Rud. Koller
nach Brssel, der Stadt, die damals das Ziel aller heranwachsenden
Koloristen in Deutschland war, und nach Antwerpen. Die beiden
bewunderten einen Rembrandt, namentlich aber Rubens und van Dyck.
Bcklin suchte indessen vergebens nach Landschaften, die ihm zusagten.
Den Sommer darauf soll er die Alpen von Graubnden bis an den Genfer
See durchstreift haben. Im August war er in der Tat in Evian und Thonon,
und im September in Genf. Es ist auch eine Reihe reizvoller Studien
und Kompositionen erhalten, die die Alpen darstellen und wohl aus
diesem Jahre stammen, weil sie wieder um einen Grad frischer und
naturalistischer als frher datierte sind. Er war auf dem besten Wege,
ein Maler seiner Heimat zu werden, wie Diday und Alexander Calame und
trat auch wirklich noch bei Calame als Schler ein. Dieser, siebzehn
Jahre lter als Bcklin, stand schon auf der Hhe seines Ansehens und
zog die heranwachsende schweizerische Maljugend an sich. Aber Bcklin
fhlte sich wenig befriedigt, so sehr auch einige seiner Zeichnungen und
Gemlde an Calame erinnern, setzte es durch, nach Paris zu drfen und
traf dort im Februar 1848 bei seinem Freunde Koller, der vorausgezogen
war, ein.

Es begann jetzt noch einmal ein fleiiges Studium von morgens frh bis
abends spt in einem privaten Aktsaal, im Louvre und wieder im Aktsaal.
Von den Modernen haben nach Kollers Bericht dem jungen Landschafter
Couture's Dcadence des Romains ebenso wie seinem spteren rmischen
Genossen Feuerbach gefallen, noch mehr aber die Werke von Corot, Jules
Dupr und dem Orientmaler Prosper Marilhat. Nach dem Zeugnis seines
Schlers Zurhelle hat Bcklin auch Delacroix bewundert.

Aber die Studien wurden kurz nach der Ankunft unterbrochen durch die
Februarrevolution. Die beiden Freunde, von Neugier, nicht von blasser
Furcht geplagt, haben sich die Ereignisse als Maler angesehen, und die
ungewohnten Bilder, die sich ergaben, auch als Maler bewundert. Sie sind
sogar mit einem Volkshaufen in die kniglichen Gemcher eingedrungen.
Noch im Alter gedachte Bcklin gerne dieser strmischen Tage. Aber
spter hat er Dinge mitansehen mssen, ber die er lieber hinwegzugehen
pflegte. Er ist nmlich nach der Abreise Kollers noch monatelang allein
in einem kleinen Dachstbchen am Luxembourggarten zurckgeblieben und
hat dort die Arbeiterschlacht im Juni miterlebt. Was er in der Zeit nach
Kollers Weggang gemalt hat, wissen wir nicht; ber das, was ihm sonst
zugestoen ist, sind nur einzelne Anekdoten und zum Teil widersprechende
Nachrichten erhalten. Angeekelt und flgellahm kehrte er gegen den
September nach Hause zurck, aber reifer als Mensch und als Knstler.

Er arbeitet nun anderthalb Jahre (bis Februar 1850) in heiem Ringen
mit seiner Kunst und oft der Verzweiflung nahe in Basel und es ist eine
stattliche Reihe von Landschaften, meist dstere, melancholische oder
doch ernste Stimmungsbilder aus diesen Monaten erhalten. Sie sprechen
aber nicht dafr, da ihm Delacroix oder die Schule von Barbizon neue
Lichter aufgesetzt htten, erinnern berhaupt nicht an einzelne groe
Franzosen, sie zeigen ein Vorwrtsschreiten auf dem bisherigen Wege.
Aber es tritt der dmonische Unterton in seinem Werke auf, eine Note,
die fr Bcklin im besonderen charakteristisch ist, und wir spren die
ersten Funken echter Genialitt.

Die Tannenbewachsene Felsschlucht mit Wasserfall (Tafel 1), die schon
als sein frhestes Bild ausgegeben worden ist, gehrt in diese Monate
und scheint uns das frheste Bild zu sein, das diesen Funken verrt.
Eine Schwester erinnerte sich noch, da sie als kleines Mdchen vom
lteren Bruder vor die Arbeit gefhrt und nach ihrem Eindruck gefragt
wurde. Als sie dann zaghaft mit der Antwort herausrckte, es erscheine
ihr so unheimlich, lchelte der Bruder, denn das hatte er gewollt.

Der Vater soll nochmals versucht haben, den Sohn zu einem Beruf zu
bestimmen, der ihm erlaubte, seine Talente lohnender als im Malerberuf
zu verwenden. Zu der Unzufriedenheit mit seinen Beratern und mit sich
selbst kam aber noch eine Liebe, die tragisch enden sollte. Bcklin
pflegte seine Arbeit mit Fltenspiel zu unterbrechen, dann erschien am
gegenberliegenden Fenster ein junges und eigenartiges Mdchen, das den
Klngen zuhrte. Sie war auch nicht ganz unbemittelt, aber der Vater
Bcklin war emprt, da der Sohn, der seinen eigenen Unterhalt noch
nicht verdiente, an eine Heirat dachte. Als schlielich eine Verlobung
doch stattgefunden hatte, wollten die Eltern der Braut die rmste nicht
mit in die Fremde ziehen lassen. Bcklin strebte damals nach Rom. Als
er dann Abschied genommen hatte, ahnte er, da er die Braut nicht
wiedersehen werde. Sie starb kurz nachher; er erhielt die Nachricht erst
in Rom und seine Wirtin fand den fremden Pittore mit einem Briefe in der
Hand ohnmchtig am Boden liegen. In den Bildern des Meisters aber, in
frhen und in spten, erscheint oft ein anmutiges Mdchen, das dem
Fltenspiel eines Jnglings oder eines Halbgottes lauscht, und Jakob
Burckhardt hat den Tod des Mdchens besungen.




ROM 1850-1857


Rom war damals noch das Ziel aller Maler; die Lehrer, bei denen Bcklin
an der Zeichenschule in Basel seinen ersten Unterricht genossen, und
fast alle anderen Knstler der Stadt waren dort gewesen. Sein Freund
Jakob Burckhardt hatte 1846 eine lngere Reise nach Italien gemacht.
Seither war das Revolutionsjahr auch ber Italien hinweggegangen. Aber
1849 war die Ruhe allmhlich berall wieder hergestellt worden. So lie
man den Sohn endlich ziehen. Ende Februar oder Anfang Mrz 1850 brach
Bcklin auf. Einem jungen Maler, der ihn spter nach dem richtigen Wege
zur Kunst gefragt hat, soll er geantwortet haben: Trinken Sie kein Bier
sondern Wein, besuchen Sie keine Akademie und gehen Sie sobald wie
mglich nach Italien. Auch Jakob Burckhardt vertrat noch spt die
Ansicht, man knne nicht frh genug nach Italien gehen.

Das Rom der fnfziger Jahre sah dem zu Goethes, vielleicht sogar dem
zu Poussins Zeit noch viel hnlicher als dem heutigen. Thermen, Tempel,
Amphitheater, Brcken waren malerisch mit ppiger Vegetation berwuchert
und das Forum sah noch nicht aus wie eine sauber gefegte Brandsttte;
eine Allee lief hoch ber den jetzt blogelegten Resten des alten
Straenpflasters vom Forum nach dem Titusbogen. In Gegenden, wo heute
Fabriken, Werksttten und Zinskasernen oder unzugngliche Sperrforts
stehen, hat Bcklin die herrlichsten Motive gefunden. Die
Straenbeleuchtung freilich war schlecht und die Unsicherheit war
gro innerhalb der Mauern und auerhalb. Die Fieberepidemien und die
ppstliche Polizei belstigten den Fremdling und den Einheimischen;
aber trotzdem hatte man den Eindruck, als ob alle Tage Sonntag sei, und
Gregorovius rhmt die Stille und Ruhe der Ewigen Stadt, Das Leben war
auch erstaunlich billig und selbst die Bettler schienen keine Not zu
leiden.

Bcklin ist von der Kste her in die Ewige Stadt eingezogen, durch
die Porta Cavallegieri beim Janiculus und sah im Mondschein zuerst die
Kolonnaden und die Springbrunnen von St. Peter. Es strmten nun
Eindrcke auf ihn ein, die seiner Kunst die Richtung frs Leben geben
sollten, und die Freude an der neuen Welt scheint aus allen seinen
Bildern zu leuchten. Gewi ist der melancholische Unterton in den Tiefen
seiner Seele geblieben, und hat spter in Schpfungen, in denen sdliche
Landschaften dargestellt sind, die entscheidende Note gegeben. Aber
vorerst scheint ihn das Interesse an der strahlenden Schnheit der
Natur, die ihn umgab, so sehr gefangen genommen zu haben, da er nicht
mit der Entschiedenheit wie bisher auf den Ausdruck einer Stimmung,
jedenfalls nicht einer melancholischen, hinarbeitet.

Seiner spteren Gattin, die nicht weit von der Strae wohnte, wo Bcklin
ein Unterkommen gefunden hatte, ist er in dieser ersten rmischen Zeit
aufgefallen als ein schlanker junger Fremdling mit wettergebruntem
Gesicht, hellen Augen und langen Locken, der jeden Morgen schon in der
Frhe mutterseelenallein mit dem Skizzenbuch unter dem Arm nach der
Porta del Popolo zu ging, um drauen Studien zu machen. Er scheint auch
wirklich die Gegend unmittelbar vor diesem Tore bis zum Ponte Molle und
dann auch die weitere Umgegend im Norden und Nordwesten von Rom, das
Poussintal, Isola Farnese, Formello und den Lago Bracciano besonders
bevorzugt zu haben. Im Sden von Rom hat er offenbar viel und gerne beim
Hain der Egeria gezeichnet.

Gleich zu Anfang lernte er den Historienmaler Ludwig Thiersch und den
Landschafter Franz-Dreber kennen. Thiersch trug am 27. Mrz in sein
Tagebuch ein, da er abends einen Landschaftsmaler Bcklin in der Kneipe
getroffen, der sehr viel von der Pariser Revolution erzhlte. Am 3.
April gingen die beiden zusammen, Bcklin vielleicht zum ersten Male, in
den Vatikan. Thiersch hatte damals den Eindruck eines Kameraden, der nur
uerlich gefat, innerlich durch den Tod seiner Braut ganz zerrissen
war. Franz-Dreber war etwas lter als Bcklin und schon etliche Jahre
lnger in Rom, er war ein Schler Ludwig Richters gewesen und hatte
noch den alten Koch und Reinhardt gekannt. Er hat damals einen starken
Einflu auf Bcklin gewonnen. Nach dessen eigenem Zeugnis ist die
Landschaft (Taf. 2) unter Drebers Einflu entstanden.

Bald mu auch der jngere Poussin, Gaspard Dughet, in seinen
Gesichtskreis getreten sein. Dies geschah aber vermutlich etwas spter,
zur Zeit als Jakob Burckhardt seine Studien fr den Cicerone machte,
also um 1853. Burckhardt schtzte Dughet sehr und mag den Freund auf
dessen Werke, die, weit zerstreut in Galerien und Kirchen, nicht jedem
auffallen, erst aufmerksam gemacht haben. Schon einem Paul Heyse aber,
der Bcklin Herbst 1852 in Rom besuchte, fiel das erstaunliche
Gedchtnis auf, das Bcklin erlaubte, umfangreiche Kompositionen aus
dem Kopfe zu malen. Die groe Zahl von Studien, die aus dieser Zeit
erhalten sind, dienten also kaum dazu, die Durchfhrung der Gemlde
zu erleichtern, sondern das Gedchtnis zu ben und dadurch das freie
Schaffen zu ermglichen.

Im Sommer dieses Jahres 1852 war Bcklin fr einige Monate in Basel
gewesen. Er hatte damals vergeblich um die anmutige und vielgefeierte
Antonia Schermar geworben, der auch Jakob Burckhardt gehuldigt hat.
Nach Rom zurckgekehrt, fand er endlich das Weib, das fr ein halbes
Jahrhundert seine Gattin werden sollte. Sie war, als er um sie freite,
siebzehnjhrig, rassig und sehr schn, und er hat sie, da er keinen
andern Ausweg wute, sich ihr zu nhern, auf der Strae angesprochen und
sie gebeten, ihm die Verwandten zu nennen, bei denen er um ihre Hand
anhalten knne. Denn sie war alles eher als, wie die Sage geht, ein
Berufsmodell. Sie war eine Waise, die wohlbehtet bei einer Verwandten
wohnte und bei frommen Nonnen ihren Schulunterricht genossen hatte.
Es stand ihr auch ein hbsches Vermgen in Aussicht. Nur das hat ihren
Lebensweg in eine gewagte Bahn gebracht, da sie statt eines dicken
Konditors einen fremden schlanken Maler haben wollte, der Protestant
und zu allem Unglck auch noch ein selbstherrliches Genie war. Sie hie
Angela Pascucci. Nun gab es in den sechziger Jahren, zur Zeit, da sie
als Frau Professor von Weimar nach Rom zurckgekehrt war, dort wirklich
ein Modell, das wegen toller Streiche von sich reden machte, Angela mit
Vornamen hie, und allgemein die Pascuccia genannt wurde.

Die Hochzeit Bcklins fand 1853 statt und Jakob Burckhardt, der damals
in Italien weilte, war Trauzeuge. Anfangs schien auch alles gut zu
gehen. Als jedoch die Priester merkten, da der Mann nie einen guten
Katholiken abgeben werde, bekam die Gattin von dem Vermgen, das ihr
htte zufallen sollen, nichts mehr zu sehen; es wurde ihr jede
Untersttzung von Seiten ihrer wohlhabenden Verwandten versagt, und
die Not stieg schon im zweiten Jahre der Ehe einmal aufs hchste, als
auch noch die Verkufe ausblieben. Aber obgleich die Unterschiede in
Erziehung, Lebensanschauung und Bildung zwischen den beiden Eheleuten
gro waren und in spteren Jahren nicht ohne Folgen geblieben sind, so
hielten die beiden doch fest zusammen. Die Frau hatte heroisch fr ihren
Mann eine bequeme Zukunft geopfert, wie einst der Mann fr seinen Beruf,
und mit der Ehe dieser entschlossenen und wagemutigen Naturen begann
erst recht der Aufstieg.

Als das zweite Kind kam--und Frau Bcklin neunzehn Jahre alt
wurde--ging es uns besser, meinte die Gattin spter. Die tonigen
Gemlde, die der Mann Mitte der fnfziger Jahre schuf, begannen in
dem Kreise von deutschen Knstlern und Kunstfreunden, der sich in Rom
zusammengefunden hatte, sehr groes Aufsehen zu erregen und fanden
Kufer, wenn auch zu sehr bescheidenen Preisen. Der Maler August Riedel,
der schon lngere Zeit in Rom ansssig war und ein groes Ansehen geno,
hat sich namentlich durch seine Frsprache ein Verdienst um Bcklin
erworben. Begas freundete sich damals fr das Leben mit ihm an, und
Feuerbach erhielt, wie Allgeyer erzhlt, jenen an Schrecken grenzenden
Eindruck von der Kunst eines aufstrebenden Genius, der noch mehr wie
er selber verkannt war, und schlo sich ebenfalls an ihn an. In der
Erinnerung der Frau ist der Verkauf des Bildes Kentaur und Nymphe, das
sich jetzt in der Berliner Nationalgalerie befindet (Taf. 3), der erste
groe Erfolg ihres Gatten gewesen.

Was Bcklin zunchst an der italienischen Landschaft begeistert hatte,
war nicht nur der ppige Reichtum der Vegetation, sondern vielleicht
viel mehr noch die Klarheit aller Formen. Die Linien der heimatlichen
Berge hatten wohl einen groen Zug, aber die Profile sind doch immer
mit dem Flaum der Wlder, Obstgrten, Kornfelder und Wiesen berzogen.
Baum zerfliet da in Baum. In der Campagna waren noch weite Flchen
unkultiviert. Herrliche Baumgruppen standen auf kahlem Erdreich, antike
Ruinen, Felsen und Abhnge, ja jede Falte des Bodens schon, alles hob
sich durch scharfe Schatten klar und plastisch gezeichnet, auf weite
Strecken sichtbar, scharf und bestimmt von glatten Flchen ab. Und
Bcklin war Plastiker, nicht nur Kolorist. Schon frh zeichnen sich
seine Studien und Gemlde vor denen Drebers aus durch die bersichtliche
Klarheit des Gesamteindrucks und, was eng damit zusammenhngt, durch den
greren Wurf. So auch das Bild aus den Pontinischen Smpfen, das er
selbst als unter Drebers Einflu entstanden erklrt hat.

Allmhlich hatte sich aber auch das Interesse am Spiel des Lichts, am
Helldunkel, strker geltend gemacht. Er liebte es damals sehr, wenn
die Wolken ihre Schatten ber die Landschaft warfen und gegen den
Hintergrund zu helle und dunkle Partien wechselten. Er beobachtete das
Flimmern des Lichts in schwler Mittagsglut, das Spiel der Sonnenflecken
im Schatten der Haine und gab die Farbe eingetaucht und schwimmend in
der dunstigen Atmosphre. Er rhmte auch spter in einem Gesprche mit
Schick die vielen blauen Schattentne der rmischen Landschaft. Wenn
jegliche Malerei auer der impressionistischen verboten wre, so knnte
man wirklich die Bilder vom Ende dieses ersten rmischen Aufenthaltes
fr die besten seines Lebens erklren, wie ein Bemkler des groen
Mannes es getan hat.

Zu einer damals ganz modernen Auffassung der Natur gesellten sich
die Erinnerungen an die graue Vorzeit. Er hatte sich angesichts der
Denkmler des alten Rom aus seinem sprlichen Reisegeld eine lateinische
Grammatik erstanden, um seine Sprachkenntnisse aufzufrischen. Das mag
vielleicht nicht viel geholfen haben, aber es ist bezeichnend. Jetzt
tauchen neben den Hirten der Campagna in seinen Landschaften die
Gestalten der antiken Sagen auf. Badende Nymphen, allein oder von Faunen
belauscht, von Faunen geraubt, und schon jetzt: die Diana auf der Jagd
und sich erfrischend an khlen Quellen (Taf. 5), das sind die Stoffe,
die er darstellt. Auch ein Pan im Walde und eine frhere Fassung jenes
Pan im Schilf (Taf. 6), der spter so groes Aufsehen erregt hat,
ist schon 1856 in Rom entstanden. Vielleicht geht auch der Panische
Schrecken der Schackgalerie (Taf. 10) in seinen Anfngen auf Studien
zurck, die er auf der Hochzeitsreise an den Abhngen oberhalb von
Palstrina gemacht hat. Die Faune und Nymphen geben seinen Zauberwldern
Stimmung, aber sie sind noch nicht in dem Grade, wie spter etwa der
Drache in der Felsenschlucht (Taf. 32), der Ausdruck der
Naturgewalten.

Whrend in den Bildern der letzten Basler Jahre die verzweifelte
Gemtsverfassung der damaligen Zeit deutlich zum Ausdruck kam, ist in
den Gemlden dieser Zeit kein Niederschlag der vielen Nte zu verspren,
die der junge Ehemann zu berstehen hatte.

[Illustration:
CAMPAGNALANDSCHAFT VON 1860
NATIONALGALERIE IN BERLIN]




[Illustration:
BADENDE MDCHEN  UM 1866]


DIE ZEIT VON 1857-1866

(Basel, Hannover, Mnchen, Weimar, Rom)


Im Sommer 1857 siedelte Bcklin nach seiner Vaterstadt ber; er hatte
geglaubt, da es ihm nun im Norden nicht mehr an Verkufen fehlen werde,
dabei aber mehr noch als auf die Heimat auf den Deutschen Kunstverein
gehofft. Aber seine Mittel wurden durch die mhsame Reise nach dem
Norden aufgezehrt und er erschien den Baslern als der verlorene Sohn,
der bettelarm in das Vaterhaus zurckgekehrt war. Die Ausstellung
eines hbschen und anmutigen Bildchens aus den Albaner Bergen, das
fr schweres Geld spter von Hand zu Hand ging, soll zu einer wahren
Katastrophe fr den Maler geworden sein. Mit Freuden nahm er deshalb den
Vorschlag des Konsuls Wedekind an, ihm in Hannover einen Speisesaal,
wenngleich fr krgliche Bezahlung, auszumalen. Er schuf dort auch
wirklich im Sommer 1858 seine ersten Wandbilder, ein Werk ohnegleichen
in jener Zeit (Taf. 7 und 8), duftige Landschaften von der genuesischen
Kste und aus dem Sabinergebirge, so frisch und berzeugend, als ob er
das Land seiner Sehnsucht vor den Toren von Hannover gehabt htte. Der
erste Prometheus, das erste Schlo, das von Piraten ausgeraubt wird
(Vorstufen zu den Bildern auf Taf. 69 und 35), sind damals entstanden,
alles sehr schn in den Raum komponiert. Aber er mute die Bezahlung auf
dem Prozewege erst erkmpfen, siedelte im Herbst dann nach Mnchen
ber, geriet hier erst recht vom Regen in die Traufe, indem er mit
zweien seiner Kinder am Typhus erkrankte, so da die ganze Familie in
tiefste Not geriet. Es gab aber auch Leute, denen das Unglck zu Herzen
ging. Es hat sich namentlich die Basler Malerin Emilie Linder des
Landsmannes und seiner Familie getreulich angenommen, auch die Mutter
kam zu Hilfe. Die zweite Fassung des Pan im Schilf (Taf. 6) wurde, als
der Knstler eben sich zu erholen anfing, im Mrz des Jahres 1859 im
Mnchner Kunstverein ausgestellt und erregte ein Aufsehen, das den
Schpfer mit einem Schlage und fr immer zu einem geachteten Mitgliede
der Knstlerschaft erhob. Eben hatte der Altersgenosse Piloty mit seiner
Liga, noch mehr aber 1855 mit seinem Seni vor Wallensteins Leiche in
Mnchen einen Umschwung bewirkt durch die Art, wie er jeden Farbenton
naturwahr, aber dennoch harmonisch zum Ganzen zu stimmen wute; hier war
mit feineren Mitteln mehr erreicht und die Grenze zwischen Tchtigkeit
und Genie berschritten. Das Gemlde wurde noch im selben Monat fr die
Pinakothek angekauft, um dort wie der Seni einen Ehrenplatz
einzunehmen.

Der Verlagsbuchhndler Cotta trat mit einem greren Auftrage an Bcklin
heran: als Vorlage fr den Schmuck einer Schillerausgabe grau in grau in
groem Mastabe das Bild Die Gtter Griechenlands zu malen (Taf. 9).
Eine Photographie dieses Gemldes, aufgeklebt auf einen Karton mit
Goldrndchen, schmckte dann neben Aufnahmen von Bildern anderer Meister
und neben Holzschnitten die Prachtausgabe. Auf dem Titel erscheint der
Knstler als Bcklen neben C. Piloty, F. Piloty, Ramberg und Schwind.
Schack wurde durch Paul Heyse auf Bcklin aufmerksam gemacht und fing an
zu kaufen, und, als durch das alles noch keineswegs alle Verlegenheiten
behoben waren, kam Graf Kalckreuth nach Mnchen, um ihm eine Berufung an
die neuzugrndende Kunstschule in Weimar anzutragen. Er sollte dort mit
seinem Freunde Begas Herbst 1860 antreten; auch Lenbach wurde berufen
und man hoffte auerdem noch Feuerbach und Franz-Dreber heranziehen zu
knnen.

Bcklin hat mit Freuden zugegriffen, aber statt sich nun ganz auf das
Gebiet zu werfen, mit dem er so Groes erreicht hatte, suchte er sich im
Gegenteil auszuweiten. Venedig kannte er mindestens seit dem Jahre 1852,
aber jetzt macht sich, offenbar infolge einer Reise nach Dresden,
vorbergehend ein auffallender Einflu der Venezianer bemerkbar. Hatte
die menschliche Figur bisher nur eine untergeordnete Rolle in seinen
Bildern gespielt, so malte er jetzt die Venus, die den Amor entsendet
(Taf. 12), und es entstehn eine ganze Reihe Bildnisse zunchst mit
altmeisterlichem, an die Venezianer erinnerndem Kolorit. Er fing an zu
modellieren und beteiligte sich an einer Konkurrenz fr ein Denkmal, das
in seiner Vaterstadt den Schweizern erstellt werden sollte, die im Jahre
1444 in der Schlacht bei St. Jakob einen ruhmvollen Tod gefunden hatten.
Endlich beschftigte er sich mit dem Flugproblem.

Freilich, wenn er in Weimar in Stimmung und mitten im Arbeiten war, dann
konnte es vorkommen, da hoher Besuch angesagt wurde. Bemerkungen, die
im Caf Greco in Rom ein donnerndes Gelchter oder ironische Beistimmung
gefunden htten, mute man jetzt ruhig anhren, ohne mit der Wimper
zu zucken, weil sie von hohen, dem Frsten nahestehenden Leuten
ausgesprochen wurden. Man sollte denken, da Bcklin solche
Unannehmlichkeiten nicht hher als Not und Tod eingeschtzt htte,
um so mehr als der Groherzog Karl Alexander ein wirklich bedeutender
Mensch war, der die Knstler mit grter Rcksicht behandelte, und es
auch sonst nicht an geistvollen Menschen im damaligen Weimar fehlte.
Auch Jak. Burckhardt riet dem Freunde zum Ausharren.

Aber Bcklin glaubte die Freiheit des Zigeunerlebens, er glaubte die
italienische Landschaft nicht lnger entbehren zu knnen, deren Anblick
seinen Schaffenstrieb unaufhrlich angeregt und, was vielleicht die
Hauptsache war, seine Phantasie ins goldene Zeitalter entfhrt hatte.
Herbst 1861 fuhr er mit Begas nach Genua, um die Nase wieder etwas
in Italien zu stecken; nun kam ein groer Auftrag seiner Vaterstadt,
dessen Ertrag ihn fr einige Zeit ber Wasser halten konnte. Als der
erledigt war, verabredete er mit dem Freunde, sich an einem bestimmten
Tage im Oktober des Jahres 1862 vor Porta Salara in einer Osteria ai
Pupacci zum Bocciaspiel zu treffen.

Das letzte Werk der Weimarer Zeit aber war nach all den tastenden
Versuchen ein gewaltiger Schritt ber alles Frhere hinaus. Er meinte
einmal, im Norden bringe man mehr zustande, im Sden komme man aber
innerlich besser vorwrts, und er hat wirklich in den fnf Jahren,
seit er Rom verlassen hatte, viel geschaffen, auch Bleibendes, wie uns
scheinen will. Die Darstellung der italienischen Landschaft, die im
Pan so verblfft hatte, war noch bertroffen worden in dem Bilde der
Schackgalerie, der Panische Schrecken von 1860 (Taf. 10) und dieses
Gemlde sollte nun durch eine Jagd der Diana (Taf. 14) der Basler
Sammlung in den Schatten gestellt werden. Die Vaterstadt war 1861 wegen
eines Auftrages fr ein greres Bild mit ihm in Unterhandlung getreten.
Bcklin hatte erst eine duftige Skizze eines Liebespaares eingeschickt,
der Knabe fltend, das Mdchen lauschend im Grase ausgestreckt; aber
dieses erschien der Kunstkommission zu nackt. Bcklin, obwohl schwer
verrgert, lie sich schlielich zu etwas anderem bestimmen. Er hatte
in Mnchen auf den Zuspruch seines Freundes J. G. Steffan ein kleineres
Bild so fein suberlich ausgemalt, da es, wie er dachte, jedem
Mitgliede des Mnchner Kunstvereins gefallen mte. Ein Liebhaber hatte
sich freilich dennoch nicht eingestellt, aber gute Freunde hatten dann
dafr gesorgt, da es wenigstens in die Verlosung angekauft wurde. Doch
auch der Kunstfreund, dem es zugefallen war, hatte keinen Gefallen daran
gefunden und es dem anerkannten Tiermaler Voltz gegen eine Landschaft
von dessen eigener Hand weitergegeben. Das Bild ist heute eine Zierde
der Nationalgalerie in Berlin und hat schon Schick begeistert (vergl.
die Textabbildung S. 21). Jetzt war Bcklin daran, diese Landschaft
umzuformen, ohne sich einen Zwang anzutun, und mit den Gestalten einer
Hirschjagd der Diana zu bevlkern. Dies Werk wurde auf Grund einer
Federskizze in Basel bestellt. Das Honorar entsprach ungefhr dem, was
Schack fr ein halbes Dutzend Bilder zahlte. Der Maler gestaltete die
Baumgruppe diesmal grer, ffnete rechts den Ausblick bis aufs Meer,
setzte vor das ppige Grn, das im blauen Dunst zu schwimmen scheint,
die gttlichen Damen mit den bunten Gewndern, die sich wie schillernde
Edelsteine auf dem Gewnde der Natur ausnehmen. Ein Rambergschler, der
das Gemlde im Atelier gesehen, berichtet, da er nie in seinem Leben
eine solche Begeisterung empfunden habe. hnliches erlebte der Maler
Sandreuter. Jakob Burckhardt schtzte das Bild ebenfalls besonders
hoch. Es ist kein Jugendwerk im gewhnlichen Sinne mehr. Bcklin war
inzwischen 35 Jahre alt geworden. Raffael hatte in diesem Alter die
Sixtinische Madonna hinter sich, und Tizian hatte im gleichen Alter die
Irdische und Himmlische Liebe geschaffen. Aber man sollte meinen, da
das Gemlde nicht im khleren Norden, sondern in dem Lande entstanden
sei, das mit solch strahlender Pracht geschildert ist.

[Illustration:
ENTWURF ZUR JAGD DER DIANA  1862]

Jetzt steuerte Bcklin also wieder hinaus den Winden und Wogen ein
sicheres Ziel und die Ersparnisse gingen im ersten Jahre wieder drauf,
bis er die neuen Eindrcke im Lande der alten Sehnsucht verarbeitet
hatte. Offenbar war es Bcklin wie alten Soldaten ergangen, die nach
gefhrlichen und entbehrungsreichen Feldzgen die Ruhe und Sicherheit
des Garnisondienstes nicht mehr ertragen knnen. Das katastrophenreiche
Leben der letzten Jahre hatte ihn fr das stille Weimar mit seiner
lieblichen Umgebung, die doch einem Goethe gengt hatte, verdorben.
Noch ein Jahrzehnt lang war er jetzt wieder, nicht zum Glck, auf
Bestellungen des Grafen Schack angewiesen. Dieser hat etwa die Hlfte
seiner Hauptwerke in dieser ersten Periode seiner Meisterschaft
erworben. Er hat Bcklin wie Feuerbach vielleicht sogar der Nation
berhaupt erhalten. Aber er war, nach einer sarkastischen Bemerkung
Bcklins, der einzige, der seine Galerie nicht gesehen hat. Er hatte
sich durch seine Studien ein schweres Augenbel zugezogen und war auf
fremden Rat angewiesen. Da er selbst ein wirklich bedeutender Dichter
war, so wurde er auch von bedeutenden Menschen beraten, aber nicht
immer gut. Er hat in entscheidenden Fllen versagt, gerade wo Bcklin
und Feuerbach ihre Schwingen am mchtigsten hoben. Er verkannte
die berragende Bedeutung der ersten Villa am Meer, wies den
Frhlingsreigen von 1869 zurck und verurteilte die Jagd der Diana.
Er war auch kein verschwenderischer Mzen, und da er selber nie sein
Brot mit Trnen gegessen, wute er nicht immer, was er mit seiner
Sparsamkeit anrichtete. Aber es wirft ein eigentmliches Licht auf die
damaligen Verhltnisse, da ein fast Blinder die Sehenden beschmt hat.

In Rom haben Bcklin zunchst die Stanzen Raffaels, besonders der
Heliodor, einen gewaltigen Eindruck gemacht. Er hatte sich schon
frher damit beschftigt, aber er hatte sie jetzt seit mehr als fnf
Jahren nicht mehr gesehen, und seither selber Wandbilder und selber
grere Figuren gemalt. Auerdem hat er Neapel zum ersten Male besucht
und erhielt--nach dem Zeugnisse von Schick, das auf seine uerungen
zurckgeht,--einen solchen Eindruck von den Malereien in Pompeji, da er
ganz aus der bisherigen Bahn getrieben wurde, ein Jahr verlor, bis er
sich wieder gefunden hatte und dann einen ganz neuen Weg einschlug. Im
Jahre 1863 hat er auch die Augustusstatue des Braccio nuovo gesehen, wie
sie noch im vollen Farbenschmuck in ihrem tausendjhrigen Grabe gefunden
wurde und die Beobachtungen in Neapel und Pompeji bestrkten ihn in der
Anschauung, da die antike Plastik nicht einfarbig war und die Augen der
antiken Statuen so gut wie die der Sixtinischen Madonna dunkel waren.
Das gab ihm natrlich auch eine ganz andere Vorstellung von antiker
Kunst als sie bisher blich und mglich war.

[Illustration:
BILDNIS DER GATTIN DES KNSTLERS  UM 1863]

Bei Raffael war es hauptschlich das Grodekorative, das ihn anzog,
die Fhigkeit, mit gro wirkenden Gestalten die Wand zu schmcken und
die Phantasie zu beleben. Bei den Griechen reizten ihn die Formen, die
Farben und die Technik. Es gesellt sich nun zu dem Einflu von seiten
der Schule Poussins und der Venezianer ein dritter, von ihm selbst
bezeugter. Aber whrend die Landschaften seiner Jugend recht auffallend
denen Dughets und seiner Zeitgenossen gleichen, schliet sich das, was
nun folgt, weder in dem Sinne wie die Malerei eines J. L. David oder
Asmus Carstens, noch so wie die Malerei eines Poussin den Griechen an.
Er malte damals gelegentlich einen Kopf, der mit den Formen einer
griechischen Statue bereinstimmt. Er hatte auch im Leben eine Vorliebe
fr die gedrungenen und krftigeren Gestalten, wie sie im allgemeinen
die Griechen im Gegensatz zu den abendlndischen Vlkern, namentlich den
Franzosen, bevorzugten. Aber es fiel ihm nicht ein, bekannte Antiken
der rmischen Sammlungen in seinen Gemlden perorieren und herumstehen
zu lassen, noch wenigstens den antiken Formenkanon als Ganzes
herberzunehmen. Ohne das Zeugnis von Rud. Schick wrde man den Einflu
der Griechen gar nicht erkennen knnen. Die Nachahmung war keine
sklavische. Seine Hauptwerke sind auch vorerst noch Landschaften. Das
erste Bild, in dem sich der neue Stil deutlich ankndigt, die Frau
Bcklin als Muse (in Basel) ist weit davon entfernt, die Gesichtszge
nach Art etwa der Niobidenkpfe zu verallgemeinern. Es folgt 1864 als
Hauptwerk der neuen Epoche die dunklere der beiden Villen am Meer der
Schackgalerie (Taf. 15), und dann 1865 das hellere Exemplar (Taf. 16)
und die Altrmische Weinschenke (Taf. 18).

Das Neue ist, da die Darstellung nicht allgemeiner, sondern
ausdrucksvoller geworden ist. Schon auf den ersten Blick gibt jetzt
Farbe und Linienfhrung die jedesmalige Grundstimmung an. Es ist das
Pltzlich-Deutliche, das mit anderen Mitteln auch im Sptstil Raffaels
zum Ausdruck kommt.

Nichts zeigt das vielleicht so klar, wie die feierlichen, man knnte
fast sagen klagenden Linien, mit denen sich die Bume und der Palast in
der Villa am Meer von dem dunklen Himmel abheben. Uns will scheinen,
es ist sogar schon in den Linien ausgesprochen, da es sich um die
Klage einer vornehmen Seele, nicht um den Notschrei eines Proletariers
handelt. Wie viel in den Silhouetten allein schon gegeben ist, erkennt
man, wenn man sie mit denen der Jagd der Diana vergleicht. Man braucht
gar nicht die Vorstufen und Studien zu den Villen am Meer heranzuziehen.
Auch diese Hauptwerke sind nmlich Umgestaltungen einer schon
vorhandenen Komposition ins Grere und Wirkungsvollere. Schon fr
die alte Kunst war es ein Vorteil, da sie immer dasselbe darzustellen
hatte. Dadurch wurde das Interesse des Knstlers und des Publikums von
selbst auf die Art gelenkt, wie ein Vorwurf knstlerisch gelst war.
Auch Bcklin, der immer wieder dasselbe Motiv umgestaltete, ist dadurch
zu so hoher Vollkommenheit gelangt. Eine Vorstufe der Villen ist der
Mord im Schlogarten (Taf. 11), wo der berfall einer prachtvollen
Besitzung am Meer durch Seeruber beim ersten Morgenrot dargestellt ist.
Bei der dunklen Villa ist die Stimmung elegisch geworden. Bcklin dachte
an den letzten Sprossen eines adligen Geschlechts, der in der Ferne
verschollen, von der Geliebten vergebens erwartet wird. Das Gold der
Abendsonne liegt auf dem Palast wie letzte Hoffnung und Erinnerung
an frhere Zeiten. Die ganze Sehnsuchtsromantik dieser und der
vorausgegangenen Jahrzehnte feiert hier einen Hhepunkt. Das Werk ist
ein Seitenstck zu Feuerbachs Iphigenien, die im gleichen Jahrzehnt
(1862 und 1871) entstanden sind. Die Wiederholung gibt die Szenerie
etwas reicher und fast ebenso ergreifend bei grauer Tagesbeleuchtung. Es
folgte dann, wie oft bei Bcklin, ein Gemlde, das den vollen Gegensatz
der Stimmung darstellt, die Altrmische Weinschenke (Taf. 18), wo das
Volk bei Wein und Tanz den Tag geniet--mit ihren munteren Silhouetten
und ihrem heiteren Kolorit.

Jetzt kommt der Knstler bewuter und mit reicherer Kenntnis der Natur
dazu, das wieder strker zu betonen, was sich schon vor der ersten
Romreise in seinen kleinen Baseler Bildern gezeigt hatte. Freilich
gehen nun Kinder der Freude und der Sehnsucht in buntem Wechsel aus der
Werkstatt hervor. Und was hier wieder aufgenommen wird, steigert sich,
stets genhrt durch neue Eindrcke sdlicher und nrdlicher Natur und
alter Kunst, von Hauptwerk zu Hauptwerk. Es lag auf dem Wege dieser
Entwicklung, da er ein Jahrzehnt spter zu ganz neuen Mitteln griff, um
sich auszusprechen. Stimmung im Sinne einer starken persnlichen Note
hatten auch die heroischen Landschaften der ersten rmischen Zeit. Der
Bcklinsche Stil aber beginnt in gewissem Sinne erst jetzt.

Mit dem Aufschwung trat eine Erweiterung des Stoffgebietes ein, Bcklin
ist in der Mitte der sechziger Jahre recht eigentlich zum Figurenmaler
geworden. Es entstehen 1866 noch in Rom Die Klage des Hirten (Daphnis
und Amaryllis, Taf. 21), bei Schack, und die ersten Entwrfe zur Basler
Piet (Christus und Magdalena, Taf. 22). Eine Komposition, die er
im Auftrage von Schack beginnt, die Wiederholung der Gtter
Griechenlands, wird jetzt vom Landschaftsbild mit Staffage zum
Figurenbilde. Diese Entwicklung wurde mchtig gefrdert, wenn auch nicht
hervorgerufen, durch die groen Auftrge, die er in seiner Vaterstadt
erhielt.

Noch in spteren Jahren redete der Knstler aufatmend von der Wonne,
im groen schaffen zu knnen, und nun sollte er monumentale Auftrge
erhalten, die auch wirklich zur Ausfhrung gelangt sind.

[Illustration:
MDCHEN UND JNGLING BEIM BLUMENPFLCKEN  UM 1866]




[Illustration:
DIE FRESKEN IM SARASINSCHEN GARTENHAUS IN BASEL  1868]

BASEL, MNCHEN 1866-1874


Durch eine Verschiebung in der Zusammensetzung der Kommission, die dem
Basler Museum vorstand, waren Jakob Burckhardt und der Kupferstecher
Weber vorbergehend zu entscheidendem Einflu gelangt. Vielleicht ist
Bcklin, ermuntert durch diese Wendung, im Herbst 1866 nach Basel
bergesiedelt. Er hatte die Niederlagen Italiens und die groe Erregung
darber im Lande noch miterlebt, sah auf der Reise nach der Schweiz in
Ancona die Trmmer der italienischen Flotte im Hafen liegen und ist im
September in Basel eingetroffen.

Sein Unterkommen hat Bcklin in verschiedenen Mietshusern gefunden,
zuletzt, seit Mai 1868, in einem alten Johanniterhaus am unteren Ende
der Stadt, wo der Rhein die Mauern der alten Umwallung verlt. Die
Shne konnten damals noch von den unteren Fenstern der Wohnung in den
gurgelnden Wassern des Stromes nach Fischen angeln. Seit Herbst 1868
bezogen Bcklin und sein Schler Schick dort auch ihre Ateliers. Man
sah damals noch ber die Fluten in grne Grten und Felder hinaus und
darber die ersten Anhhen des Schwarzwaldes.

Er vollendete zunchst das Bild Christus und Magdalena (Taf. 22), das
ihm hier und in Deutschland sehr groe Anerkennung bringen sollte und
sofort, zu Beginn des Jahres 1868, vom Basler Museum angekauft wurde,
malte den Petrarca, der auf der Reise nach der Schweiz gelitten hatte,
noch einmal neu und fhrte eine zweite Umgestaltung der Gtter
Griechenlands fast zu Ende. Es ist das Bild, das sich jetzt als
Liebesfrhling in der Sammlung Heyl befindet (Taf. 26). Damit es
ihm nicht an kleinen Zuschssen fehle, lie einer seiner Freunde,
Regierungsrat Dr. Mller, seine Mutter von ihm portrtieren und an das,
mit seiner verblffenden Naturwahrheit in seinem Werke einzigartige
Bild, das der Knstler damals geschaffen hat, schlssen sich in der Tat
andere Auftrge an. Im Frhjahr 1868 erhielt er dann den Auftrag, den
Sarasinschen Gartensaal auszumalen.

Es war von seinen Freunden darauf gedrungen worden, ihm eine groe
Arbeit im Museum zu bertragen, er selber aber hatte den Wunsch
geuert, sich zuerst bei einer kleineren Arbeit im Fresko versuchen
zu knnen. Da bot ihm ein frherer Gnner fr ein anstndiges Honorar
diese Aufgabe an. Der Saal steht abseits vom Wohnhaus und hatte eine
fensterlose Rckwand, die zum Schmuck durch Gemlde aufforderte. In der
Mitte ber einem Kamin ein Feld in Hochformat, zu beiden Seiten zwei
ebenso hohe, etwas mehr als 3 m breite Wandflchen. Bcklin schmckte
das Mittelfeld mit der Gestalt des harfenspielenden David (Taf. 23),
die Seitenfelder mit zwei Landschaften, die in wirkungsvollem Gegensatz
zueinander und zur Mitte standen, links die Flucht nach gypten,
rechts der Gang nach Emmaus (Taf. 24 und 25). Die Landschaften wurden
im Sommer 1868 in einem Zuge und in wenigen Wochen ausgefhrt und haben
offenbar schon damals starken Eindruck hervorgerufen. Jetzt drangen die
Freunde in der Museumskommission darauf, da ihm auch die Ausmalung des
Treppenhauses im Museumsgebude bertragen wurde. Dieses steht in der
Nhe des Mnsterplatzes; es ist 1843-1849 von dem Architekten Berry in
grkisierendem Stile erbaut worden und hat drei hohe Stockwerke; die
beiden unteren beherbergten damals auer der Bibliothek namentlich die
Naturwissenschaftlichen Sammlungen, das oberste die Gemldegalerie mit
den Werken Holbeins, heute auch mit denen Bcklins. Der Meister sollte
die Treppe, welche vom Erdgescho zum ersten Stock fhrt, schmcken.
Diese steigt zwischen glatten Wnden empor. Zur Aufnahme groer Bilder
waren drei Wnde neben den drei Treppenpodesten geeignet. ber den
Fenstern haben Medaillons Platz gefunden. Das brige erhielt unter
Bcklins Leitung einen farbigen Anstrich. Als Vorwurf fr die
Hauptbilder wurde mit Rcksicht darauf, da die Treppe auch zu den
Naturwissenschaftlichen Sammlungen fhrt, fr die unterste Wand eine
Personifikation der Naturkraft in Aussicht genommen, die im Protokoll
als Magna mater bezeichnet wird (Taf. 28), fr die oberen Wnde eine
Flora (Taf. 29) und ein Apollo. Im Oktober erhielt Bcklin den
Auftrag fr das unterste Bild; jetzt vollendete er die Figur des David
in wenigen Tagen und ging noch Ende November, sobald der Entwurf
genehmigt war, an die Ausmalung des ersten Museumsbildes, obwohl das
Treppenhaus nicht zu heizen ist. Er hat diese Arbeit in etwa fnf Wochen
bis zum Jahresschlu vollendet.

Es war eine gewaltige Leistung. Die Wand ist ungefhr 5 m hoch, und die
Komposition enthlt gegen zwanzig annhernd lebensgroe Figuren. Es
bangte dem Knstler auch vor der Entscheidung, und in den ersten Tagen
der Arbeit am Fresko hat er in schlafloser Nacht einmal das Ganze in
allen Teilen vor sich gesehen. Das Bild hat Beifall gefunden, obwohl es
keineswegs die liebenswrdigste seiner damaligen Leistungen war. Nun
wurde Bcklin die Ausschmckung der brigen Teile des Treppenhauses
bertragen. Es geschah freilich zum groen rger des Prsidenten der
Kunstkommission, des Holbeinforschers Dr. His, dem der Schaffensdrang
des Knstlers als ungeduldige Hast erschienen war, der auch keine rechte
Freude an dem Wandbild hatte und den Auftrag als unbesonnene Eile
bezeichnete. Er sah die Tugend im Korrekten und Geleckten und hoffte
durch Hinausziehen das schne Unternehmen zu vereiteln.

[Illustration:
ENTWURF ZU DEM GANG DER JNGER NACH EMMAUS (ZEICHNUNG);
MUSEUM IN DARMSTADT]

Der Knstler ging nun zunchst an die Vollendung seiner angefangenen
Staffeleibilder, schuf die Gtter Griechenlands noch ein drittes
Mal neu als Frhlingsreigen, machte dann eine Reise nach Oberitalien,
um namentlich die Fresken von Correggio und Luini sich wieder einmal
anzusehen, und hat dann, sichtlich erfrischt durch die neuen Eindrcke,
die Entwrfe zu den beiden anderen Hauptbildern ausgefhrt. Aber nun
waren allerhand Bedenken und Widerstnde wach geworden, und die
Freunde, die Bcklin wohl wollten, suchten leider den Gegner dadurch
zu entwaffnen, da sie dem Knstler zuredeten, in Einzelheiten
entgegenzukommen, obwohl der Widerstand gegen den Kern der Sache ging.

Die Kritik richtete sich im besonderen gegen den Apollo. Bcklin hat
hier nachgegeben, aber dies dritte Fresko dann ohne persnliche
Anteilnahme heruntergemalt, um so mehr, da es selbst whrend der Arbeit
nicht an Gehssigkeiten gefehlt hat. Das Kolorit freilich ist bei den
spteren Bildern wrmer und tiefer, beim Apollo vielleicht am feinsten.
Aber man sieht doch deutlich, der Feind hatte dem Knstler die Freude
gerade in dem Augenblick verdorben, als er das Fresko vllig zu
beherrschen anfing. Die Kommission aber, die doch mit schuld an dem
Unheil war, sprach im Dezember 1869 ihr Bedauern ber das dritte Bild
aus, und das fhrte zum Bruche mit Jak. Burckhardt; denn entschieden war
nur noch Weber fr Bcklin eingestanden. Burckhardt hatte schon bei der
in Basel entstandenen Piet eine Unvorsichtigkeit begangen und den Maler
bestimmt, dem Christus eine mildere Fassung zu geben, was dann Bcklin
vor der Piet in Colmar von Matthias Grnewald wieder bereut hat. Jetzt
hatte sich der Jugendfreund schlielich auf die Seite eines Feindes
gestellt. Es war ein Gegensatz der Charaktere und der Kunstanschauung,
der zum Bruche fhrte. Burckhardt, auf seinem Gebiet ein mutiger
Bahnbrecher, hatte sich seiner persnlichen Umgebung doch in manchem
angepat. Bcklin, der alle paar Jahre seinen Wohnort wechselte, ist
immer aufrecht geblieben. Auf dem Gebiete der Kunst waren beide ganz
besondere Verehrer von Rubens, in dessen Lebenswerk germanisches, besser
deutsches Empfinden und germanische Kultur mit romanischer eine solch
wunderbare Mischung eingegangen ist. Jak. Burckhardt, der Entdecker der
italienischen Renaissance, hielt es aber mit den Italienern und es war
ein Kompromi, wenn er einem Drer und Grnewald gerecht wurde. Anders
Bcklin, er fhlte sich mehr und mehr von den Ober- und Niederdeutschen
des 15. und 16. Jahrhunderts angezogen. Es ist kein Zufall, da gerade
vor Grnewald der Gegensatz zu Burckhardt zuerst in die Erscheinung
trat.

Aber noch eine andere kostbare Frucht des Jahres sollte das Schicksal
der Museumsbilder erleben. Als der Frhlingsreigen, die letzte und
reifste Umarbeitung der Gtter Griechenlands, in Mnchen ankam,
wurde sie von Schack mit Entrstung zurckgewiesen. Ein Freilichtbild
ohnegleichen in damaliger Zeit, hat es wohl nur wegen seiner Vorzge
Widerspruch gefunden. Es bildet jetzt einen Hauptschmuck der Dresdener
Galerie (Taf. 27).

Bcklin wurde durch den Bruch mit Jak. Burckhardt in Basel vereinsamt
und sah sich nach einem andern Wohnort um. Da selbst der Freund, der in
der kleinen Stadt selber schon wegen Knstlerideen aufgefallen war, dem
Philister und Pedanten recht gab, war wohl fr ihn vernichtend; die
Bildnisauftrge haben von diesem Augenblicke an aufgehrt und das
wurde in der Familie des Knstlers dann wieder auf die Machinationen
Burckhardts zurckgefhrt. Sicher vllig mit Unrecht. Dieser hat weit
schwerer als Bcklin unter dem Bruche gelitten, und im stillen alle die
Erinnerungen an die Tage der Freundschaft aufbewahrt. Eine groe Zahl
von Studien und kleinen Gemlden aus den ersten Romjahren hat sich in
seinem Nachla vorgefunden.

Der Knstler rchte sich an der Verwaltung des Museums zunchst
dadurch, da er in die Medaillons ber den Fenstern, die sich neben
den groen Fresken befinden, zwei Kpfe malte, die wohl mit Recht als
die verbissene und die dumme Kritik aufgefat werden. Auch die
berhmteren Fratzen an der Kunsthalle (Seite 6), die er einige Zeit
spter als Schlusteine der Fenster im Erdgescho zum Teil selber in
Stein gemeielt hat, sind eine Knstlerrache. Sie sind zugleich eine
Kritik der in der Vaterstadt Bcklins besonders gefhrlichen Gewohnheit,
alle wichtigen Entscheidungen durch Kommissionen treffen zu lassen, wo
der Gescheitere auf die Dmmeren hrt oder von ihnen berstimmt wird.

ber die monumentale Verhhnung der eigenen Person hat man sich in den
Kommissionen erst mchtig aufgeregt und den Gedanken ernstlich erwogen,
dies alles zu vernichten, aber man schob auch da den mutigen Entschlu
hinaus, bis endlich die zunehmende Freude der Nichtverhhnten jeden
Gedanken an eine Zerstrung der Denkmler unmglich machte.

Das Schlimmste war, da der Knstler fr immer die Lust an solchen
Schpfungen verloren hat, auf die eine Krperschaft einen strkeren
Einflu gewinnen kann als auf die Entstehung eines Staffeleibildes. Es
sind noch mehrmals Verhandlungen wegen monumentaler Arbeiten mit ihm
angeknpft worden. Einmal noch ist auch das Feuer der Begeisterung fr
eine Arbeit im groen bei ihm aufgelodert. Es war, als im Jahre 1880
das Breslauer Museum an ihn herangetreten war. Es war umsonst. Andere
Antrge hat er gleich von der Hand gewiesen.

Bcklin war aber vielleicht besser als alle Zeitgenossen zu monumentalen
Schpfungen veranlagt. Er war auch vielleicht fr nichts so wie fr das
Wandbild veranlagt und seine Entwicklung drngte seit den sechziger
Jahren zum Grodekorativen hin. Eine Reihe meisterhafter Fresken ber
Deutschland zerstreut htte der deutschen Malerei eine andere und hhere
Entwicklung geben knnen und auch eine selbstndigere zur Zeit, als sie
der Hegemonie der Franzosen verfiel.

Den strksten Eindruck werden von all den Basler Fresken wohl auf jeden
zuerst die beiden groen Landschaften des Sarasinschen Gartenhauses
machen. Hier ist Bcklin erstaunlich gro und einfach, ohne leer zu
sein. Es liegt ber diesen Schpfungen ein Zauber, der fast feierlich
stimmt. Das Kolorit ist sehr zurckhaltend, aber fein. Dazwischen die
Figur des David, die zugleich durch ihre Plastik, wie durch ihre
festlich leuchtenden Farben in Erstaunen setzt.

Die Museumsfresken gewinnen nicht in demselben Mae schon beim ersten
Anblick, aber namentlich die Flora enthllt immer neue Schnheiten
bei hufigerem Studium. Das Bild ist ein Hauptwerk seines Lebens, vom
Hchsten und knstlerisch Feinsten, was Bcklin geschaffen hat.

Es sind hier grofigurige und grodekorative Malereien geschaffen,
die nicht bei jedem Kopf und jeder Wendung an Raffael und Michelangelo
erinnern, eine ganz persnliche, frische Auffassung der Natur zeigen und
dennoch Stil haben.

Die ersten Basler Arbeiten, namentlich Christus und Magdalena und
die Landschaften bei Sarasin zeigen ein sehr zurckhaltendes Kolorit.
Das wird jetzt anders. Whrend der Arbeiten im Museum drngt es ihn zu
einer krftigeren Farbengebung, das verrt der David bei Sarasin, die
Wiesenquelle und die beiden spteren Hauptbilder im Museum. Die
Entwicklung geht weiter. Noch in Basel entstehen jene vier kleinen
Bilder der Schackgalerie, in denen Freude und Grauen strker als in
allen bisherigen Schpfungen ausgesprochen sind: Der Mrder und die
Furien, Die Felsenschlucht (Taf. 32), Der Ritt des Todes (Taf. 33)
und die Ideale Frhlingslandschaft (Taf. 31). Die Zimmer des alten
Johanniterhauses mit ihren gotischen Fenstern regten nicht zu
umfangreichen Bildern an, aber fast scheint es, als ob die Arbeit im
groen nun wieder das Bedrfnis hervorgerufen htte, die gesteigerte
Erregung, die ihn wie andere whrend der Kriegszeit ergriffen hatte,
in besonders kleinem Formate zum Ausdruck zu bringen. Direkt durch die
Zeitereignisse veranlat ist nur Der Ritt des Todes, der Herbst 1870
begonnen worden ist. Verrt nun schon dies Bild eine weitere Steigerung
der Farbigkeit, so ist dies noch mehr der Fall bei der Idealen
Frhlingslandschaft, wo uns beim ersten Anblick die Stimmung jubelnden
Glckes entgegenklingt.


Herbst 1871 siedelte Bcklin nach Mnchen ber. Er fand hier einen
freundschaftlichen Umgang, namentlich mit einer Reihe von Eigenbrtlern,
die damals noch wie er selber, halb verschrieen, halb bewundert waren,
besonders mit Hans Thoma. Mit diesem pflegte er auch gerne die Alte
Pinakothek zu besuchen; auer Grnewald, Holbein und Rubens begannen nun
hier auch die alten Niederlnder ihre stille Wirkung auszuben, die bald
von grter Bedeutung werden sollte. Der Knstler hat diese Jahre einmal
als die glcklichsten seines Lebens bezeichnet. Jedenfalls zeichnen sie
sich aus durch eine ganz unglaubliche Produktion an Ideen und an Werken.
Im Jahre 1873 gingen zehn, zum Teil groe und durchschlagende Bilder aus
seiner Werkstatt hervor.

Ein charakteristisches Hauptwerk ist der Kentaurenkampf der Basler
Galerie (Taf. 39), dem ausnahmsweise drei noch heute erhaltene farbige
Versuche vorausgegangen sind. Der lteste reicht noch in die Basler Zeit
zurck und ist durch den Krieg veranlat worden; der dritte ist Oktober
1871 in Arbeit. In immer strkerer Konzentration und gleichzeitiger
Steigerung der einzelnen Gestalten kommt der Knstler dann im Winter
1872/73 zu einer Lsung, in der sich dramatische Kraft und schimmernde
Farbenpracht in unerhrter Weise vereinigen. Die Erlebnisse mit der
Basler Piet (Christus und Magdalena), fhrten ihn ferner dazu, auch
diesen Vorwurf noch einmal aufzunehmen, und nun dem toten Christus die
Lage zu geben, die er in der frheren Komposition ursprnglich gehabt
hatte. Es ist damals 1873 das Werk entstanden, das nach vielen
Irrfahrten und bermalungen endlich in der Nationalgalerie in Berlin
gelandet ist (Taf. 41). Auch die Venus Anadyomene hat er wieder
aufgenommen (Taf. 38). In allen diesen Werken zeigt die Mnchner Lsung
ein anderes, weit krftigeres Kolorit als die der Basler Zeit, und die
Berliner Piet hat wegen ihrer starken Farben auf der Wiener Ausstellung
groe Entrstung hervorgerufen.

In dieser Zeit der strksten Produktion hat sich auch der Stoffkreis
erweitert. Es entsteht mit der Meeresidylle Triton und Nereide der
Schackgalerie (Taf. 45) die erste der langen Folge von Darstellungen, wo
in der Schilderung von Tritonen und Najaden die See mit ihren Wundern
verherrlicht wird. Die Nymphen und Satyrn seiner Jugendjahre waren nicht
viel mehr als Staffage gewesen; jetzt kommt es ihm darauf an, den
Ausdruck der Figuren mit dem der Umgebung so vollstndig in Einklang zu
bringen, da jedes der Ausdruck des andern zu sein scheint. Es treten
auch die Darstellungen aus Orlando furioso zuerst in Mnchen auf, und
angeregt durch dies Heldengedicht sind gleich eine ganze Reihe von
farbenprchtigen und humorvollen Schpfungen, als kleinere Gaben der
Muse neben den groen Hauptwerken entstanden. Zum Schlu war es ihm
noch vergnnt, auch ein Wandbild, wenn auch auf Leinwand und fr einen
Privatraum, in diesem Zeitraum zu schaffen, das herrliche Gemlde Ceres
und Bacchus, im Mnchner Privatbesitz (Taf. 47).

Dieser Hhepunkt seiner Ttigkeit in Mnchen bedeutete auch eine
Wandlung. Die entschlossene Abkehr von der impressionistischen
Darstellung der Welt und die Steigerung des Ausdrucks in Farbe und
Form. Jetzt kommt er zur berzeugung, da aus der Kontrastierung der
mglichst ungebrochenen, durch die Luft ungedmpften Farben Wirkungen
erwachsen, die man mit allen Knsten der Luftmalerei nicht erzielt. Und
zwar Wirkungen auf die menschliche Seele.

Es hat offenbar Bcklin in Mnchen manches zugesagt. Der ausgelassene
Ton in der Mnchner Allotria, die reizvolle Umgebung, die Schtze
der Alten Pinakothek. Aber im Frhjahr 1874 schrieb er pltzlich einem
Freunde, Mnchen sei ein armseliger Ort fr Knstler und ebenso fr die
Familie, und im Herbst siedelte er nach Florenz ber. Gesehnt hat er
sich schon lange wieder nach Italien. Vielleicht hatte der endgltige
Bruch mit Lenbach, der 1873 erfolgt war, dazu beigetragen, ihm die Stadt
zu verleiden und sicher auch Typhus und die Cholera, die im Frhjahr
1874 als eines ihrer letzten Opfer noch Wilhelm von Kaulbach weggerafft
hat.




FLORENZ 1874-1885


In Florenz hat Bcklin vom Herbst 1874 bis April 1885 gelebt. Der
denkwrdige Aufenthalt umfate sein 48. bis 57. Lebensjahr und reifte
den Stil der Toteninseln und Heiligen Haine. Sein Atelier hatte er seit
Ende 1876 am Lungo Mugnone im ersten Stocke des Atelierhauses von
Wladimir von Svertschkoff, nachdem er zuerst einige Zeit in der Nhe
in einem Nebengebude seiner Wohnung in der Villa Falcini mit einem
zu kleinen Raume hatte vorliebnehmen mssen. Seine Schler waren schon
vor ihm bei Svertschkoff eingezogen. Dieser, eine der sympathischsten
Gestalten, die mit Bcklin in Berhrung gekommen sind, war ein
russischer Grandseigneur, der seine reichen Einknfte dazu verwendete,
anderen Gutes zu tun und sich selbst zu beschftigen. Sein Haus stand in
einem besonders reinlichen, modernen Viertel am Rande der Stadt und sah
ber den Mugnone und seine Talsenkung hinweg, gegen den Apennin. Von den
Fenstern schweift nach links der Blick in das Arnotal hinaus, gegenber
befinden sich sanft ansteigende Hhen mit Grten, aus denen weie Huser
blinken, und dahinter der rote Monte Morello, gegen rechts hin die Hhen
von Fiesole. Der Frhlingstag in Berlin (Taf. 71) atmet am meisten
von der Stimmung dieses klassischen Erdenwinkels, obwohl die einzelnen
Motive dieses Bildes natrlich von berall her genommen sind. Im
Hintergrunde soll aber auch der Besitzer des Atelierhauses in dem alten
Herrn abgebildet sein. Eine Erinnerung an den Monte Morello und die
Wolken, die um seinen Gipfel streiften, scheint im Prometheus und
im Gotenzug fortzuleben. Das Haus ist lngst in andere Hnde
bergegangen, steht aber noch heute.

Es versammelte sich in Florenz nun sofort eine Reihe von jungen Mnnern,
die bereits ber die eigentlichen Studienjahre hinaus waren, um den
Meister. Hans Sandreuter und Adolf Preiswerk aus Basel, Victor Zur Helle
und Louis Skene aus Wien, fr kurze Zeit auch Hugo von Tschudi, der
sptere Direktor der Nationalgalerie in Berlin, ferner Alb. Schmitt
in Weimar und Karl von Pidoll. Dazu kamen die lteren Shne Arnold und
Hans, die in diesen Jahren (1877 und 1883) ins zwanzigste Jahr traten
und sich ebenfalls der Malerei widmeten und der Bildhauer Peter
Bruckmann, der 1876 die lteste Tochter heimgefhrt hat. Auerdem ist
auch Ad. Bayersdorfer, der sptere Konservator der Alten Pinakothek,
mit von Mnchen nach Florenz gekommen. Ohne Bcklins Schler zu sein,
gehrte dem Kreise auch Albert Lang an, der Bruckmann in die Familie
Bcklins eingefhrt hat, und Hans von Mares. Mit diesem hat Bcklin in
den ersten Florentiner Monaten Freundschaft geschlossen. Mares ist dann
freilich schon Herbst 1875 nach Rom bergesiedelt. Seit 1879 kam auch
der Schriftsteller und Biograph Bcklins, Gust. Flrke, nach Florenz.
Ad. Hildebrand erschien gelegentlich, wenn auch seltener, in der
Gesellschaft. Der Verkehr teilte sich hauptschlich zwischen Atelier und
Weinkneipe. Anfangs traf man sich an den Samstagen auch in den Rumen
des ehemaligen Klosters San Francesco di Paolo, wo damals Hans von
Mares wohnte. Auerdem hat Frau Bcklin ein offenes Haus gehalten
auch in Zeiten, wo es nicht gerade glnzend ging und Weihnachten und
Silvester sahen die Schler nicht nur die Familie im Hause des Meisters
versammelt. Bcklin machte alle Wochen oder seltener einen kurzen Besuch
in der Werkstatt derer, die sich zu seinen Schlern zhlten. Noch
wichtiger waren die Mnnergesprche beim Symposion. Bei der Erinnerung
an jene Gesellschaften ging noch in den letzten Monaten ein
Freudenschimmer ber das Antlitz des Meisters, so ablehnend er sich auch
sonst ber bildende Knstler ausgedrckt hat, und noch lange lebten bei
den jngeren die Geschichten fort, die sich unter homerischem Gelchter
an der Tafelrunde abgespielt hatten. Mit atemloser Spannung aber auch
wieder hrte, wie Zur Helle erzhlte, die Gesellschaft zu, wenn Bcklin
und Mares ihre Gedanken austauschten. Die Mnner dieses Kreises waren
auch die Begleiter bei der Erholung in Ischia, Viareggio und San Terenzo
im Golf von Spezia, die Gefhrten bei waghalsigen und abenteuerlichen
Fahrten im Tyrrhenischen Meer und die Gehilfen bei den Versuchen zur
Bezwingung der Luft.

Je nher aber Mares seinem Ziele kam, desto mehr unterschied sich seine
Kunst von der des lteren Freundes. Den entscheidenden Unterschied hat
er selbst in dem Tadel ausgesprochen, Bcklin gehe von der Erscheinung
aus und beginne also mit dem, was seiner Ansicht nach das letzte sein
sollte. Wenn Bcklin einen Mann im Spiele des Sonnenlichts und der
wechselnden Schatten eine Strae herunterkommen sah, so konnte das seine
gespannteste Aufmerksamkeit erregen, als ob er auf den Impressionismus
eingeschworen gewesen wre. Mares zuckte die Achseln: Ein Mann in
rotem Rock. Ein Blumenstrau, ein blauer Farbstoff konnte Bcklin in
Begeisterung versetzen, und er berichtet in seinen Briefen den Freunden
vom Erwachen der Blumen, die jeder Frhling brachte und begrte den
Tag, der ihm neue Anregungen gab. Er war auch ein Grbler und hatte sich
wohl berlegt, was er in seiner Kunst erreichen wollte, warum er es
wollte und wie das zu erzielen war, aber er war kein Philosoph. Mares
hatte die philosophische Ader. Er krankte sogar, wie uns scheinen will,
an dem Glauben, alles mit dem Verstande erfassen zu knnen, und er sah
die Blumen nicht, die an seinem Wege blhten. Aber seine Theorien
machten Schule und mehrere Schler Bcklins, wie Karl von Pidoll, Victor
Zur Helle und selbst der Schwiegersohn haben sich im Verlauf dieser
Jahre enger an Mares angeschlossen und sind zu diesem nach Rom
bergesiedelt. Indessen blieben Schler und Meister dem lteren in
freundschaftlicher Hochachtung zugetan. Immer wieder betont Mares
die Echtheit des Menschen und Knstlers in Bcklin. Er kam mit Pidoll
1878 von Rom, um mit den Florentiner Freunden dessen silberne Hochzeit
zu feiern. Als Bcklin im Sommer 1879 durch Bder auf Ischia einen
schmerzhaften Gelenkrheumatismus auskurieren wollte und nach geistiger
Anregung verlangte, begleitete ihn Mares dorthin, wie er auch spter
noch seine Freundschaft bekundete.

Im nchsten Sommer kam Albert Schmitt nach Ischia mit. Die Kur
hat damals dauernd geholfen. Es erwartete die beiden aber noch ein
ganz besonderer Genu. Geheimrat Dohrn, der Direktor des Deutschen
Zoologischen Instituts, lud sie ein, mit seinem Boote die Ponzainseln zu
besuchen, jene einsamen, aus Felskratern bestehenden Eilande, westlich
vom Golf von Neapel und im Sden von Terracina, die auch heute wieder
wie in sptrmischer Zeit zur Internierung von Strflingen bentzt
werden. Bcklin fand da Motive, die in den Ruinen am Meer, den
Tritonenbildern und wohl auch in den spteren Toteninseln verwertet
wurden. Er fand da auch einen Schiffer, der erzhlte, da die Sirenen
und Najaden wohl frher da gehaust, aber sich jetzt wegen des
zunehmenden Verkehrs in entlegenere Gebiete zurckgezogen htten. In
Wirklichkeit sind die Damen des engsten Bekanntenkreises und die Freunde
Bcklins zwischen den Klippen von Ischia dem Maler zu Najaden, Tritonen
und Seekentauren Modell geschwommen. In San Terenzo im Golf von Spezia
aber fand er auch einen echten, wenn auch damals schon emeritierten
Seeruber, der einst wie die Sarazenen seiner eigenen Bilder auf
Frauenraub ausgegangen war, jetzt aber ihn friedlich auf den blauen
Wogen um die Kastelle im Golf von Spezia herumfuhr, in denen man
unschwer die Vorbilder zu berfallenen Burgen und zu Ruinen am Meer
erkennen kann.

Fast der ganze Kreis von Schlern und Freunden aber half im Juli 1882
und nochmals im Juli 1883 die gewaltigen Flugzeuge aus Bambusstben und
Leinwand erbauen, die nach langjhrigen Studien die Ideen des Malers
ber Vogelflug und Menschenflug in die Tat umsetzen sollten. Das
erstemal war auch Hans von Mares dabei, und damals kampierte man
wochenlang im Freien auf einer Anhhe hinter Vigliano im Westen von
Florenz, wo die Probefahrten gemacht werden sollten. Die Flugzeuge sind
beidemal freilich unmittelbar vor dem entscheidenden Aufstieg durch das
unvorhergesehene Walten des Windes zertrmmert worden und Bcklin
versuchte es von Stund an mit technisch geschulten Krften auf dem
Tempelhofer Felde bei Berlin. Aber die Versuche waren eine an
ergtzlichen Zwischenfllen besonders reiche Episode in dem an tollen
Ereignissen ohnehin schon reichen Leben dieser Mnnergesellschaft.

Die finanziellen Verhltnisse haben sich in diesen Jahren fr immer
gebessert. Freilich mssen um Weihnachten 1875 noch einmal die letzten
Mittel der Familie auf die Neige gegangen sein. In einem Briefe an einen
Basler Freund vom Dezember findet sich die Hoffnung ausgesprochen, auch
diese schwere Zeit zu berstehen. Einmal hat Svertschkoff ausgeholfen,
indem er den Entwurf zu einem Glasgemlde bestellte, das er binnen
wenigen Tagen zu brauchen vorgab, eine Arbeit, die dann gleich bar
bezahlt wurde. Ein andermal soll ihm ein Bankier unerwarteterweise
ausgeholfen haben. Einige Monate spter aber, Frhjahr 1876, lehnt
Bcklin einen zweiten Ruf nach Weimar ab, im Sommer kauft Basel den
Kentaurenkampf, und wenigstens die Sorge um das tgliche Brot scheint
nun von seiner Schwelle gewichen zu sein. Schack hat allerdings schon
1874 sein letztes Bild, Triton und Nereide (Taf. 46) von Bcklin
erworben, aber es stellten sich jetzt eine Anzahl anderer deutscher
Privatleute und die Museen von Berlin und Breslau ein. Im September 1877
gab die Nationalgalerie die Gefilde der Seligen in Auftrag, nachdem
schon seit 1875 Verhandlungen ber den Ankauf eines groen Werkes
vorangegangen waren. Schon Jordan hatte volles Verstndnis fr Bcklin,
so sehr er spter gerade wegen seines Verhaltens gegen unsern Knstler
geschmht worden ist. In dieser Zeit hat ferner ein Berliner Hndler in
der Hoffnung auf die groe Zukunft des Knstlers begonnen, fast dessen
ganze Produktion aufzukaufen und den Vertrieb im groen zu bernehmen.
Dezember 1878 berichtet Hans von Mares, da Bcklin gute Geschfte
gemacht habe. Es folgte 1880 der Ankauf eines Tafelbildes (Heiligtum
des Herakles) und die Bestellung fr die Fresken des Treppenhauses von
Seiten des Breslauer Museums. Ein recht freundschaftliches Verhltnis
hat aber mit Frau Grunelius, die ihren Aufenthalt zwischen Rom und
Baden-Baden teilte, mit Frau von Guaita in Frankfurt und deren Freundin,
Frau Berna, spteren Grfin Oriola, bestanden. Endlich hat 1879
Alexander Gnther, der auch aus Frankfurt stammte, und lange Zeit in
Fasano am Gardasee gewohnt hat, eine grere Zahl von Gemlden und wie
es scheint, fast den ganzen Vorrat der im Atelier vorhandenen, aus drei
Jahrzehnten stammenden Studien und Entwrfe erworben. Ein Teil der
Zeichnungen ist durch Stiftung des Freiherrn von Heyl in die Darmstdter
Galerie gelangt. Die Besserung der Verhltnisse erlaubte die
regelmigen Sommeraufenthalte am Meere und die Erbauung der Flugzeuge.
Der Knstler empfand auch das Verhalten des Berliner Kunsthndlers
vorerst noch als Erleichterung. Aber er arbeitete, wenn Krankheit oder
die Glut des Hochsommers ihn nicht hinderten, jahraus jahrein und Tag
fr Tag immer im Gefhl, konomisch zurck zu sein; die Familie war
zahlreich, die Shne wuchsen heran. Der Hndler berechnete den
Jahresverbrauch und richtete danach seine Zahlungen ein, in der Meinung,
man drfe den Knstler nicht zu Atem kommen lassen. Unter solchen
Umstnden verlieen die Werke dieser Jahre, die Bcklin unsterblich
machen sollten, das Atelier.

Es zeigt die unerschpfliche Kraft und die Echtheit des Knstlertums,
da Bcklin trotzdem vorwrtsgeschritten ist und Ungewohntes schuf, das
Bedenken erregte, statt das Anerkannte und Bewunderte in geflligen
Variationen zu wiederholen.

Die grere knstlerische Erfahrung und die andere Grundstimmung der
hheren Jahre verlangten freilich einen neuen Stil und die andere
Umgebung gab diesem noch ihr besonderes Geprge. Der Charakter der
florentinischen Landschaft, der neapolitanischen Kste, die er jetzt mit
Vorliebe aufsuchte und die Kunst, die er in Florenz vorfand, dies alles
hat seine Spuren hinterlassen. Nach Bayersdorfers Zeugnis hat ihn der
Frhling von Botticelli lange beschftigt und man sieht auch die
Nachwirkung dieser Studien in der Poesie und Malerei (Taf. 67), wo die
Figuren wie dort hell vor dunklem Laube stehn. Vor allem aber wendet
Bcklin sich jetzt dem Studium der Kunst und der Technik der alten
Oberdeutschen und besonders der Niederlnder des 15. und 16.
Jahrhunderts zu, die ja in Florenz recht gut vertreten sind. Die
Hauptsache war, er hatte anderes zu sagen, seine Ausdrucksfhigkeit
hatte die Reife erlangt. Jetzt erst recht isoliert sich sein Stil und
es gehen Landschaftsbilder aus seinem Geiste hervor, die ohnegleichen
dastehen im ganzen Verlauf der Geschichte.

[Illustration:
VILLA AM MEER  1877, STUTTGART]

Die Stimmung ist die eines ungebrochenen, zur Melancholie geneigten,
aber kraftvollen und reifen Mannes. Die Freude wird lauter, an Stelle
der Sehnsucht tritt die Resignation. An Stelle der Villen am Meer mit
der trauernden Frau, die in der Hoffnung auf die Wiederkehr des
Geliebten sich verzehrt, treten die Ruinen am Meer und die Toteninseln,
und Sehnsucht wie Hoffnung macht dem Sichbescheiden mit dem Lose alles
Irdischen Platz.

Es steigert sich zugleich die Ausdrucksfhigkeit der Farbe, was in
den achtziger Jahren besonders aufgefallen ist, es steigert sich die
Ausdrucksfhigkeit von Linie und Form und es steigert sich die
Tiefenwirkung. Bcklin erzielt die Steigerung zunchst durch die
Vereinfachung. Auf recht vieles, was noch die Gemlde der Schackgalerie
bis in alle Einzelheiten so reizvoll macht, wird jetzt verzichtet. Wo
er eine Geschichte darstellen will, ringt er, wie schon aus seinen
Briefen ersichtlich ist, danach, das Psychologische auf den ersten Blick
deutlich zu machen. Hat er frher noch zu raten gegeben, vielleicht
absichtlich mit jenen Vorstellungen gerechnet, die der Beschauer
weiterspinnt, so beschrnkt er sich jetzt bewut auf das, was sichtbar
vorgestellt, in einem grodekorativ angelegten Gemlde enthalten sein
kann. Die Erzhlung wird aber nicht nur mit dramatischer Deutlichkeit
vorgefhrt. Bcklin liebt es, sie auf wenige Figuren zu reduzieren. Das
klassische Beispiel ist die Gestalt des Abenteurers, die am einsamen
Strande wie ein Reiterstandbild in die blaue Luft ragt und vom khnsten
Wagemut erzhlt (Taf. 62).

[Illustration:
VILLA AM MEER  1878-80, DARMSTADT]

Er kommt wie etwa die Meister der attischen Grabreliefs zu dem
Grundsatze, einen knstlerischen Gedanken auf wenige Elemente zu
reduzieren, diese Elemente, seien es nun menschliche Gestalten, Felsen
oder Bume, so zu vereinfachen, da sich die Silhouetten in wenigen
ausdrucksvollen Linien vom Hintergrunde abheben, dafr aber das wenige
um so liebevoller durchzufhren und um so sorgfltiger gegeneinander
abzuwgen. Er gratuliert ganz begeistert Hans von Mares 1879 zu den
Lebensaltern, weil er alles, was nicht zum Zweck fhre, beiseite
geschoben habe. Wenige Figuren, wenige im einzelnen fein differenzierte
Farbentne, Farbenkontraste, wenige scharf ausgesprochene, oft
horizontale und vertikale, Linien beherrschen allmhlich die Bildflche
allein und geben schon fr den ersten Anblick die Gesamtwirkung.
Die Farbe wird im schroffsten Gegensatz zur Kunst jener Tage, wo das
graue Freilicht in Deutschland aufkam, vereinfacht. Whrend der
Impressionismus starken Kontrasten nicht hold ist und die Tendenz hat,
die Zwischenstufen ins Unendliche zu bereichern, bevorzugt Bcklin die
strksten Gegenstze von Hell und Dunkel, von leuchtenden, fast
ungebrochenen Farben. Die Zwischenstufen werden eher weniger zahlreich.
Die Intervalle werden grer. Dagegen pflegt er dann wieder die
einzelnen Tne, die das Bild bestimmen, sei es das Dunkel einer fast
schwarzen Felswand oder wieder das lichte Blau einer Luft oder das Gelb
einer hellen Mauer, durch feinste Nuancierungen zu vergeistigen und
lebendig zu machen.

Steigert er durch das alles den Ausdruck, die Stimmung, so steigert
er damit auch wieder die Tiefenwirkung. Die Gestalten, die durch ihre
Silhouetten eine so deutliche Sprache reden, die feierlichen Akkorde der
Farben, die den Beschauer ergreifen und gefangennehmen, dienen zugleich
dazu, den Raum zurckzuschieben, wenn auch Bcklins Farbenperspektiven
jetzt ebensowenig wie seine Tritonen und Najaden der Natur entsprechen.
Was frher nebeneinander ausgebreitet war, ist jetzt hintereinander
geschoben. Von den zerfallenen Mauern seiner Ruinen am Meer sieht man
jetzt gegen die Tiefe zu auf die herankommenden Wogen herab, whrend
das Auge bei den Villen am Meer noch von links an den Zeugnissen
verwelkender Pracht vorbei nach rechts zum Meereshorizont hinbergefhrt
wird. Die Komposition wird dramatisch, wie die Stimmung tragischer wird.

Die Entwrfe auf Papier, die der Malerei auf der Bildtafel vorausgehen,
macht Bcklin statt mit der Feder oder Kreide jetzt pltzlich und
fast ausnahmslos mit Tusch und mit breiten Pinselstrichen, die die
Lichtfhrung des geplanten Werkes wiedergeben. Zur Ausfhrung verwendet
er aber seit Mnchen nur noch Firnisfarben oder Tempera. Die neuen
technischen Verfahren kamen einmal seinem Bedrfnis nach transparenter
Leuchtkraft der Farben entgegen. Aber Tempera ist auch dnnflssig,
fast wie die Tusche, die er jetzt in den Entwrfen verwendete, und
so erlaubte sie auch die von Bcklin erstrebte Durchfhrung in alle
Einzelheiten. Denn wenn die groen Kontraste von Hell und Dunkel und von
intensiven Farben einmal feststanden, wollte er die einzelnen Tne fast
wie zeichnend bis in alle Eigenarten der Form von Baum und Fels und alle
Abstufungen der Ferne ausarbeiten knnen. Sein Ideal wre es gewesen,
alle Kraft und Liebe auf ein einziges Meisterwerk zu verwenden und
seine Freude war jetzt statt der Leinwand die glatte, weigrundierte
Holztafel. Der Hndler wute, da der Schpfer der Versuchung nur
sehr schwer widerstehen konnte, eine solche Tafel nicht zum Bilde
umzugestalten, wenn sie von kundiger Hand gefgt und gut grundiert
ihm frei ins Haus geliefert wurde und suchte dies zu seinem Vorteil
auszuntzen.

Die frhesten Werke der Florentiner Zeit unterscheiden sich oft sehr
von den farbenfrohen Gemlden der vorausgegangenen Jahre und fallen auf
durch ein, wenn auch eindrucksvolles, so doch tief gestimmtes Kolorit.
Die Schatten sind dunkler geworden, das leuchtende Rot verschwindet fast
ganz, Braunrot, Braun, Gelb und Grn und ein lichtes Blaugrau sind die
Farben, die oft den Eindruck bestimmen. Das Rot wird nur sprlich und
fast nur in gebrochenen Tnen verwendet. Allem Anschein nach sind
mehrere Werke auerdem noch wegen eines Malmittels, das Bcklin damals
verwendete und spter wieder aufgab, nachgedunkelt. Um 1880 tritt die
Vorliebe fr ein leuchtendes Ultramarin auf und auch die feurigen Tne
treten etwas mehr und fter in ihr altes Recht.

[Illustration:
RUINE AM MEER  1880, MNCHEN, BEI DEFREGGER]

In den ersten Monaten des Aufenthaltes hat zunchst das Bild der
Schackgalerie Triton und Nereide eine groartigere Umgestaltung in
grerem Formate in dem hnlichen Gemlde der Nationalgalerie in Berlin
erhalten (Taf. 45 und 46). Das sptere Bild, schon auffallend herb im
Kolorit, ist eine der grten und vollendetsten Schpfungen des ganzen
Lebens geblieben. Deutlicher tritt das Neue, das sich anbahnt, in einem
kleineren Werke, der herrlichen Einzelfigur der Klio hervor (Taf. 49).
Im folgenden Jahre wurde ein anderer, schon in Mnchen behandelter
Vorwurf, die Klage um den Leichnam Christi, noch einmal aufgenommen
und in der figurenreichen Kreuzabnahme ins Grere und Gewaltigere
gesteigert (Taf. 51). Jetzt erhlt auch ein noch lteres Motiv die
entscheidende Umgestaltung. Die Villen und Burgen auf den Vorgebirgen
der ligurischen Felskste, dicht an den brandenden Fluten des Meeres,
ausgestattet mit allen Herrlichkeiten der sdlichen Vegetation und
Kultur, aber einst bestndig bedroht von den Barbaren Afrikas, das war
einer der strksten Eindrcke, die der Romantiker und der Binnenlnder
in seiner Jugend erhalten hatte, als er nach dem Sden kam, vielleicht
der strkste seines ganzen Lebens. Diesen Eindruck hat er in immer neuen
Variationen behandelt. Jetzt gibt er der Villa am Meer, wie wir sie
bei Schack in zwei Variationen sehen, zunchst in zwei neuen Fassungen
(in Stuttgart und Zrich) eine leichte, aber in charakteristischer Weise
vernderte Gestalt, die Villa wird dann in einem dritten Bilde zur Ruine
einer Villa, der Ausblick kommt auf die linke Seite des Bildes und man
sieht den Meereshorizont ber der Terrasse zwischen den Sulen des
Hauses. An diese Schpfung sollten sich dann seit 1880 die bekannteren
Ruinen von Burgen am Meer schlieen (Taf. 15, 16, Textabbildungen S. 40,
41 u. 43, Taf. 68).

Es entsteht 1878 das Hauptwerk Gefilde der Seligen (Taf. 53), das
einst wegen der scharf ausgesprochenen Vertikalen (bei den Hlsen
der Schwne) Widerspruch gefunden hat, und im folgenden Jahre die
Meeresbrandung (Taf. 55) und der Frhlingsabend (Taf. 56). Zu dem
Bilde der Nationalgalerie ist die Skizze von 1877, zu den anderen sind
Vorstufen erhalten, die ebenfalls kurz vorher entstanden sein mssen.
Auch hier wie bei der Neugestaltung weit zurckliegender Schpfungen
erweist es sich, da die bewegteren Silhouetten der ersten Fassungen,
auch wenn sie uns natrlicher erschienen wren, beim Weiterschreiten
der Arbeit und beim Ausreifen des Werkes stets vereinfacht wurden. Die
Kontraste werden verstrkt und die ganze Komposition erscheint zum
Schlusse straffer zusammengezogen.

In klassischer Form ist das Neue aber in den Toteninseln
ausgesprochen, die dem folgenden Jahre ihre Entstehung verdanken. Den
Gedanken mag Bcklin schon lngere Zeit mit sich herumgetragen haben,
ausgelst wurde die schpferische Tat durch eine Bestellung. Frau Berna,
die sptere Grfin Oriola, kam im April des Jahres 1880 auf einer Reise
nach Rom in Bcklins Atelier, um ein Bild zu bestellen. Dieser dachte
zuerst an etwas Heiteres, einen Kinderreigen. Frau Berna wollte aber
eine Landschaft, etwas zum Trumen.

Bcklin ging dann an den ganz anders gearteten Stoff, offenbar
nicht ohne da dabei die Teilnahme an dem Schicksale der Bestellerin
mitgespielt htte. Sie hatte, noch sehr jung, nach kurzer glcklicher
Ehe einen jungen Gemahl pltzlich verloren. Im Gemlde ist die Gattin
dargestellt, die den geliebten Mann zur letzten Ruhe fhrt. Als Frau
Berna im Mai von Rom zurckkam, standen die zwei frhsten Fassungen im
Atelier. Die erste hatte Bcklin zurckgestellt und er malte an der
zweiten und bemerkte dabei, hier habe sie etwas zum Trumen, es msse so
still wirken, da man erschrecke, wenn man anklopfe. Es fehlte noch der
Kahn und etwas Kraft in den Tnen. Das Gemlde fr Frau Berna ist Ende
Juni an die Bestellerin abgeschickt worden. Bcklin ging darauf sofort
nach Ischia, und damals fand dann der an fruchtbaren Eindrcken so
reiche Ausflug nach den Ponzainseln statt. Dieser zweite Aufenthalt in
Ischia fand aber ein jhes Ende. Bei der Rckkehr von einer kleinen
Fahrt stand der Depeschenbote am Ufer, der die Nachricht von der
tdlichen Krankheit von Bcklins Vater brachte. Als der Knstler
wieder nach Florenz zurckgekehrt war, vollendete er nun auch die erste
Fassung, die sich jetzt in Basel befindet. Das Motiv der Toteninseln
stammt, wie der Sohn Carlo Bcklin berzeugend nachgewiesen und Bcklin
selbst gelegentlich gestanden haben soll, von Ischia. In der ersten
Fassung ist die hnlichkeit mit der der Stadt Ischia vorgelagerten
Felseninsel, die das Kastell Alfonsos V. trgt, auch nicht zu verkennen;
nur sind die gewaltigen Unterbauten des mittelalterlichen Kastells zu
Mauern von wenigen Metern Hhe geworden. Es hat also der Aufenthalt
von 1879 mit Mares hier seine Frchte getragen. Die eigentmliche
Beleuchtung, die den beiden ersten Fassungen gemein ist und von den
spteren Wiederholungen scharf absticht, ist dieselbe wie in der
Grablegung von 1876. Es ist nach Sonnenuntergang. Der Widerschein des
westlichen Himmels erhellt noch die weien Mauern und hellen Felsen,
whrend die tieferen Lokaltne und der Osthimmel hinter der Insel lngst
im Dunkel versunken sind--hnlich wie das beim Alpenglhen der Fall ist.
Bei der Toteninsel ist schon der Vorwurf aus dem neuen Stilgefhl
geboren und das gibt der Schpfung ihre ungeheure Wucht. Die stark
ausgeprgten Vertikalen und Horizontalen wirken durch die Symmetrie
des Aufbaues noch besonders wuchtig. Das Symmetrische ist entweder
langweilig oder feierlich, sagte Bcklin einmal dem Verfasser. Es wirkt
hier feierlich und ist mchtig untersttzt durch den Vierklang der
Farbentne, die das Bild beherrschen. Ein neuer Weg ist hier in der
Landschaftsmalerei beschritten. Die Leistungen des 17. und 19.
Jahrhunderts bieten kaum Analogien zu den Stimmungen, die hier
angeschlagen, den Wirkungen, die erreicht sind. Die erhabene
Feierlichkeit, die diese Schpfung auszeichnet, ist selten in der
modernen Kunst. Der moderne Mensch geniet sie am ehesten noch in
gyptischen Tempeln und gotischen Kathedralen und etwa noch in
Gartenanlagen der Barockzeit.

Bcklins Florentiner Stil htte das Hchste aber wohl erst in groem
Mastabe hergegeben. Es klingt deshalb wie ein Hohn auf jegliche
staatliche Kunstpflege, da von dem kunstverstndigen Direktor Berg am
Breslauer Museum gerade im Jahre 1880 der Versuch gemacht worden ist,
den Meister fr eine monumentale Arbeit, die Ausmalung des
Treppenhauses, zu gewinnen, und da dieser Versuch miraten ist.
Im Frhjahr 1881 arbeitet Bcklin an den Entwrfen fr die eine Wand;
er wurde selber warm dabei, hoffte auch auf eine entscheidende Wendung
in seinen ueren Verhltnissen. Herbst 1882 hatte er, wie es scheint,
noch die Absicht, sich den Einwnden der Landeskunstkommission, die
beigezogen werden mute, zu fgen, dann aber lie er jede Anfrage
in dieser Sache unbeantwortet. Er frchtete offenbar, da seine
knstlerische Phantasie unter neuen Einwnden und Konzessionen
schlielich erlahmen und da ihm ein weiterer Briefwechsel die Stimmung
auch zu anderer Arbeit rauben werde. Er zog das Staffeleibild von nun an
fr immer vor, nicht weil es ihm besser lag, sondern weil die Kritik
hier in der Regel erst nach der Vollendung einsetzte.

[Illustration:
DIE HOFFNUNG  1880]

Nachdem eine Lsung wie die der Toteninsel gefunden war, gingen
in rascher Folge vier Jahre lang wenigstens von Staffeleibildern eine
ganze Reihe, groer wie kleiner, mit den auffallenden Merkmalen dieser
klassischen Zeit aus der Werkstatt hervor. Im Herbst 1880 entstanden,
angeregt durch die Argonautenfahrt des Sommers, noch die erste Ruine am
Meer (die Vorstufe von Taf. 68) und die Tritonenfamilie (Taf. 57).
Wie fters bei Bcklin, lste dann auch die Toteninsel ein Bild aus,
das in der allgemeinen Anlage verwandt, dessen Stimmung aber im vollen
Gegensatz zu diesem Werke steht. Es ist das der Sommertag, das Bild
des hellsten Tageslichtes und der wrmsten Sonnenglut, August 1881
entstanden (Taf. 61). Ein Seitenstck zur Toteninsel ganz anderer Art
bildet der Heilige Hain, dessen erste Fassung (Tafel 65) im Frhjahr
1882 vollendet wurde. Hier ist noch einmal mit symmetrischer Komposition
eine hnlich feierliche Wirkung erzielt. Gleichzeitig schuf er fr den
Kamin eines Festsaales in einem Breslauer Privathause das monumentale
Zweifigurenbild Dichtung und Malerei (Taf. 67). In mehreren Gemlden
desselben Jahres stellt er eine einzelne monumental aufgefate Figur vor
blaue Luft mit tiefem Horizont, so im Abenteurer (Taf. 62) und in den
hier nicht abgebildeten Werken Drama und Musa semne; 1883 wurde das
Spiel der Wellen und Odysseus und Kalypso vollendet (Taf. 70 u. 72)
und der Frhlingstag (Taf. 71) geschaffen, neben Toteninsel und
Heiligem Hain die markanteste Landschaft dieser Stilepoche. Es reizte
ihn aber nicht blo das Einfache und Groe, sondern gelegentlich auch
das Gigantische. Dem verdanken wir wohl den Prometheus, den man
zwischen den Wolken ber das ganze Kaukasusgebirge ausgestreckt liegen
sieht. (Erste Fassung von 1882, Tafel 69.) Ein Bildgedanke, der fr
diese Zeit charakteristisch ist und dreimal in rascher Folge eine immer
schlagendere Gestalt erhlt, ist endlich das Heiligtum eines Gottes am
Meeresstrand. Die reifste Lsung ist Frhjahr 1884 entstanden und als
Heiligtum des Herakles, zweite Fassung, auf Tafel 73 abgebildet. Das
frheste Bild der Reihe geht unter anderem Namen und mu um 1878
entstanden sein.

Mit dem Frhjahr 1884 scheint aber das Interesse fr die Probleme,
die ihn all diese Jahre in Atem gehalten haben, erschpft. Es folgen
noch einige Wiederholungen grerer Hauptwerke dieser Zeit, aber es
wendet sich der Meister noch in Florenz entschieden anderen, meist
liebenswrdigeren Stoffen zu. Solche Bilder sind zwar auch bisher neben
den gewaltigeren einhergegangen, so die Flora, Blumen weckend, die
Flora, Blumen streuend und die drei Gemlde, die unter dem Namen der
Hochzeitsreise bekannt sind (Taf. 48 u. 52, 50 u. 54), aber jetzt wird
alles weicher, das Kolorit zarter und eine Reihe wesentlich anders
gestimmter Gemlde wie der Eremit (Taf. 75), Gottvater zeigt dem Adam
das Paradies und andere, die erst spter vollendet wurden, standen in
den letzten Florentiner Monaten im Atelier.

Die Werke der Florentiner Zeit haben im Norden einen solch
leidenschaftlichen Widerspruch gefunden, wie die keiner andern Epoche
seines Lebens. Der Menge der Gebildeten waren sie zu wenig akademisch,
im Grunde wohl zu wenig philistrs; Werke wie die Gefilde der Seligen
oder schon Triton und Nereide waren nicht mizuverstehen, da begriff
jeder, da der Urheber anders dachte, da fhlte jeder den allem
Philistrsen feindlichen Grundzug einer fremden Lebensauffassung heraus.
Es haben sich aber auch Mnner von Bcklin abgewandt, die seine frheren
Schpfungen begeistert aufgenommen hatten und denen nur das Letzte und
Reifste allzustark war und es wurden selbst solche Bilder damals als
gesucht empfunden, in denen man seine strksten Taten anerkennen mu.

Daneben entstand ihm noch ein ernster zu nehmender Feind in einer neuen
von Frankreich eindringenden, in sich geschlossenen Kunstrichtung. Im
Jahre 1879 haben die franzsischen Pleinairisten den durchschlagenden
Erfolg bei der heranwachsenden Knstlerschaft errungen und der Anfang
der achtziger Jahre, als Bcklin den Odysseus, den Abenteurer
und den Prometheus schuf, war die Zeit des grauen Freilichts.
Bewundernd stand man vor den Sonnenflecken in Liebermanns Garten des
Altmnnerhauses, whrend Bcklin, der in seinem Pan im Schilf einst
hnliches geleistet hatte, den Impressionismus als einen berwundenen
Standpunkt ansah und erkannte, da er seine letzten Ziele nur auf
anderem Wege erreichen konnte.

Aber der Bruch mit der akademischen Malerei, der sich in den achtziger
Jahren vollzog, hatte doch das Gute, da einer jeden Kraft, die auf
sich selber stand und ihre eigenen Wege ging, grere Achtung als vordem
gezollt wurde; das Gefhl fr Persnlichkeiten nahm auch im weiteren
Publikum berhand; auf Feuerbachs Grab wurden Krnze gelegt, Thoma und
Mares wurden entdeckt und langsam aber stetig drang in den Jahren von
1878--1892 etwa auch Bcklins Richtung durch. Ein Kreis von jngeren
Knstlern, die im Impressionismus aufgewachsen waren wie Max Klinger,
sah in ihm den Bahnbrecher einer besseren Zeit.




ZRICH 1885-1892, FLORENZ 1892-1901


Im Jahre 1885 ist Bcklin nach Zrich bergesiedelt und hat bis kurz
nach seinem Schlaganfall dort eine stndige Wohnung gehabt. Ein Atelier
hat er sich auf der Hhe von Hirslanden nach eigenem Bedrfnis selbst
bauen lassen. Es ist ein einfacher Riegelbau, der etwa so aussieht
wie ein Gterschuppen und im Volksmunde Komediwagen hie; ber das
unfrmliche uere soll der Meister selbst erschrocken sein. Dagegen
wirkten die groen leeren Rume des Innern mit ihrer dunkeln Bespannung
und ihrer vortrefflichen Lichtverteilung stimmungsvoll, fast feierlich;
und die farbenprchtigen Bilder erstrahlten da in einem Glanze wie
in keinem Privatraum und keiner Sammlung. Der Zugang war an der
Sonnenstrae, der heutigen Freienstrae. Eine neue Strae, die vom
Meister ihren Namen erhalten hat, berhrt heute eine hintere Ecke des
Baues.

In Zrich fand sich Bcklin mit Gottfried Keller. Es war vielleicht
das schnste Erlebnis der letzten Jahrzehnte. Schon die Wahl des neuen
Wohnortes soll durch den Gedanken an den Dichter beeinflut worden sein.

Es fanden sich viele Berhrungspunkte in Weltanschauung, Charakter und
Neigungen. Bcklin, der lngere Stellen aus Kellers Prosa auswendig
kannte, schtzte an diesem besonders die Anschaulichkeit der Darstellung
und die Feinheit und Schrfe der Beobachtung. Er hat sich des alternden
Dichters mit rhrender Sorgfalt angenommen, er fuhr mit ihm aus und
geleitete ihn sorgsam nach Hause. Zwei Jahre nach der Begegnung entstand
zu Bcklins sechzigstem Geburtstage jenes herrliche Gedicht von Keller.
Wieder zwei Jahre spter, 1889, schuf Bcklin die Keller-Medaille zu
des Dichters siebzigstem Geburtstag. Der Dichter, der sonst durch
ungeschicktes Lob aufs uerste gereizt werden konnte, hat seiner Freude
ber diese Denkmnze in der nun bald folgenden letzten Krankheit oft in
gradezu kindlicher Weise Ausdruck gegeben.

An Gottfried Keller erinnert nunmehr manches in Bcklins Werken,
namentlich der liebenswrdige Humor, mit dem Gestalten der Sage oder
Legende mitten in eine Umgebung hingestellt werden, die der Wirklichkeit
entnommen ist.

[Illustration: (medallion)]

Von Gemlden ist gleich nach der bersiedlung das Selbstbildnis mit dem
Weinglase (Taf. 77) entstanden. Es folgten ferner gleich anfangs die
Umgestaltungen zweier Bilder, die in Mnchen geschaffen waren: der
Tanz um die Bacchussule und der berfall von Seerubern (erste, in
Mnchen entstandene Fassungen auf Taf. 35 und 36). Die Ruine am Meer
wird nun zur Burgruine (Taf. 78) im Norden. Dann aber begann der
Genius loci zu wirken und es entstanden Bilder, zu denen ihn neue
Erlebnisse und die neue Umgebung befruchtet hatten. Charakteristisch
sind fr diese Zeit die Schpfungen, deren Vorwrfe zum Teil an Ludwig
Richter oder Schwind erinnern. Sieh, es lacht die Au (Taf. 84), vor
allem die Heimkehr des Landsknechts (Taf. 83), dann der Gang zum
Bacchustempel (Taf. 89), die Alten in der Gartenlaube (Taf. 90), die
Mariensage (Taf. 91). Und die Bilder des tollsten Humors: Spiel der
Najaden (Taf. 80), Susanna, Kentaur in der Dorfschmiede (Taf. 86).

Die Farbenpracht dieser Schpfungen ist aufs hchste gesteigert,
namentlich ist das leuchtende Rot nun eine stets wieder dominierende
Note. Die Worte Kellers: Schauen wir der Iris Bogen, wenn der hellste
Himmel blaut, passen auf keine Epoche Bcklins so gut wie auf die
Zrcher Zeit. Der Meister liebte die Farben des Zrcher Sees und der
neue Wohnort war sicher von Einflu auf sein Kolorit. Es sind auch die
Motive einiger gefeierter Bilder in der Umgebung seines Wohnsitzes
festgestellt worden. Um alles zu erreichen, was im Bilde zu sagen ist,
versucht er es jetzt auch mit mehrteiligen Gemlden, wo der Gegensatz
des einen Bildes die Wirkung des andern steigern sollte; so entstanden
die Mariensage, der Hl. Antonius, den Fischen predigend (Taf. 92),
die Venus Genitrix (Taf. 94), die zwar erst spter signiert, aber
schon 1892 fast vollendet gewesen ist.

Als Sttze bei der Erschaffung seiner umfangreichen Tafelgemlde dienten
in dieser Zeit fters Entwrfe in Bleistift, Kohle oder Kreide in
kleinstem Format. Bcklin malte jetzt mit Vorliebe auf Holz und entwarf
die Komposition auch etwa gleich mit gewhnlicher Kreide auf den
Malgrund. Wenn umfangreiche nderungen ntig wurden, lie er einen
Teil der Tafel wieder abhobeln.

In die Zrcher Zeit fallen auch die erneuten Versuche, plastische Werke
knstlerisch zu bemalen, die gemeinsam mit dem Schwiegersohne, dem
Bildhauer Peter Bruckmann, unternommen wurden. So schuf er den
Froschknig, den zweiten Medusenschild, das Relief Mutter und Kind
und endlich die Bste der Frau Bcklin.

Es fehlte in diesen Jahren nicht mehr an auergewhnlichen Ehrungen. Es
wurde der Maler 1889 Ehrenbrger der Stadt Zrich. Das Aufsehen, das die
Gottfried-Keller-Medaille erregt hatte, veranlate die Schweizerische
Bundesregierung, auch die Medaille fr das Jubilum der Schweizerischen
Eidgenossenschaft dem Meister zu bertragen. Es ging damit aber noch
schlimmer wie in Breslau.

Nach Kellers Tod begann auch Bcklins Gesundheit zu wanken. Im
Herbst 1891 ist er von einer Reise nach Berlin mit einer nicht ganz
unbedenklichen Krankheit zurckgekehrt. Am 14. Mai 1892 traf ihn jener
erste Schlaganfall, der die Lhmung der letzten Jahre zur Folge hatte
und dem andere folgten. Als er notdrftig hergestellt war, drang die
Gattin darauf, da er an der Riviera, die ihm schon so oft wohlgetan
hatte, seine Gesundheit suchen solle. Das Ehepaar wandte sich nach
Viareggio, ging nach etwa vierzehn Tagen nach Porte dei Marmi bis Ende
September und dann nach San Terenzo am Golf von Spezia. Hier ist eine
kleine Farbenskizze in Hochformat entstanden, eine Villa am Meer, im
Vordergrund ein groes Blumenbeet, ein Heim, wie der Knstler es sich
damals trumte. Bcklin trug sich zur Besorgnis seiner Gattin mit der
Hoffnung, eine ganze Insel erwerben zu knnen und sie knstlerisch
auszugestalten.

Um die Jahreswende siedelt er nach der Villa Torre rossa am Abhang von
Fiesole ber und beginnt wieder zu arbeiten. Er hat dort das Bildnis
der Frau Dr. Meyer aus Freiburg gemalt. Die Zeit vom April bis November
1893 verbrachte er noch einmal in San Terenzo; hier schuf er sein
Selbstbildnis fr die Basler Sammlung. Der Knstler fhlte sich wieder
ordentlich bei Krften.

Wie in Drers letzten Jahren kommt auch bei ihm der Drang zum Mitteilen
seiner knstlerischen Erfahrungen. Dagegen hielt er es fr ganz
unmglich, dies brieflich oder in einer Abhandlung zu tun.

Herbst 1893 bis Frhjahr 1895 wohnte er wieder in Florenz, Viale
Principe Amedeo 12, um dann in eine eigene Villa berzusiedeln. Nach
einer Postkarte vom 1. Januar 1894 kann er wieder arbeiten wie ein
Pferd. Er hat in der Tat in den khleren Monaten der Jahre 1893/94 und
1894/95 noch einmal erstaunlich viel zustande gebracht. Noch im Jahre
1893 ist eine erste Fassung Francesca da Rimini (Taf. 93) entstanden
und datiert worden. Im April 1894 standen zwei neue Bilder, der Orlando
furioso und eine Ruine am Meer, sowie die Venus Genitrix (Taf. 94)
auf der Staffelei. Die heien Monate freilich pflegte Bcklin in den
letzten Jahren auf Reisen und im Seebade zu verbringen, und in den
Frhsommer 1894 fllt jene Reise nach Berlin bei Anla der Grndung der
Zeitschrift Pan, die sich zu einem wahren Triumphzug gestaltete. Im
Herbst siedelte dann auch sein Sohn Carlo nach Florenz ber, und der
Alte empfand es als eine groe Wohltat, an ihm einen Helfer zu haben,
welcher die stets verhaten geschftlichen Angelegenheiten besorgte, und
auch als gelernter Architekt die Villa nach seinen Wnschen umbaute.

Im zweiten Florentiner Winter 1894/95 wurde eine ganze Reihe von
Arbeiten abgeschlossen wie die letzte Version der Nacht, die Ruine am
Meer, die Venus Genitrix, und sogar neue begonnen, wie ein Apostel
Paulus, eine zweite Francesca da Rimini und eine spte Jagd der
Diana.

Der Umzug in die eigene Villa fand im April 1895 statt.

So habe ich endlich eine Heimat, nachdem ich lange genug herumgetrieben
worden als heimatloser Vagabund, schreibt er an seine Schwester unterm
27. April 1895. Bcklin war siebenundsechzig und ein halbes Jahr alt,
als die Tage seines Vagabundenlebens gezhlt waren. Die Villa sieht man
von weitem am Abhang von Fiesole, etwas unterhalb des Stdtchens und
gegen rechts hin, also gegen Osten; daneben etwas weiter rechts die
spter erworbene Villa des Sohnes und zwischen beiden, unmittelbar
darber, die Villa mit dem roten Turm (Torre rossa), wo die Ehegatten im
Winter 1893 gewohnt hatten. Das Gebiet gehrt nicht zum nahen Fiesole,
sondern noch zu San Domenico, einem weiter unten liegenden Vororte von
Florenz. Fremde, die die Sttte betreten durften, glaubten, Bcklin habe
sich von dieser Besitzung zu seinen Bildern anregen lassen und meinten,
da lerne man Bcklins Kunst erst verstehen. In der Tat fand der Meister
vieles von dem Schnen, was er jahrzehntelang in sich herumgetragen und
gemalt hatte, im Alter in seiner Besitzung vereinigt. Eine Privatstrae
fhrt am Bergabhang entlang zum Hause, rechts zwischen Bumen winkt auf
einer weit vorspringenden Terrasse eine Marmorsule mit einer Bste, wie
die Statue im Heiligen Hain. Wie dort empfngt der Schatten der Bume
den Besucher, der durch das Gartentor eintritt.

Bcklin hat die Wohltat des eigenen Heims tief empfunden und begann
sofort mit der Ausschmckung. Auf diese Weise sind die Supraporten
entstanden und die Malereien in pompejanischer Art in einer Loggia. Auch
eine ganze Reihe von Staffeleibildern ist in diesen letzten fnf Jahren
noch begonnen und zu Ende gefhrt worden. Die Vorwrfe sind freilich
meist dsterer Art, Krieg (Taf. 95), Pest, Melancholie. Es ist, als ob
er das Unheil, das sich damals schon ber Europa zusammenzog, bemerkt
und die Katastrophe vorausgesehen htte. Ganz fehlte es freilich nicht
an heiteren Werken. Er feierte noch immer die Liebe und hat ganz zum
Schlu noch einmal ein Triptychon geschaffen, dem er die Schillerschen
Verse mit auf den Weg geben konnte: Horch, der Hain erschallt von
Liedern -- Und die Quelle rieselt klar. -- Raum ist in der kleinsten
Htte -- Fr ein glcklich liebend Paar.

Im dritten Jahre des Aufenthalts in der eigenen Villa ist Bcklin
ein Siebziger geworden, und whrend der sechzigste Geburtstag noch im
kleinen Kreise gefeiert worden war, wurde der siebzigste Anla zu groen
z.T. berwltigenden Kundgebungen in Deutschland und der Schweiz, und
die Behrden der Vaterstadt und des Vaterlandes entschlossen sich zu
Ehrungen, die in demokratischen Gemeinwesen selten sind. Das Erhebendste
waren die Ausstellungen in Basel und Berlin, die beide etwa ein Drittel
des Gesamtwerkes vereinigen konnten. Da staunten Verehrer, die Bcklin
seit Jahrzehnten bewundert hatten, es verstummten Greise, die zwei
Menschenalter spttelnd neben dem Altersgenossen einhergegangen waren.

Diese Ehrungen weckten auch in der zweiten Heimat ein Echo, die
Fiesolaner brachten dem fremden Pittore einen Fackelzug. Die Direktion
der Uffizien hatte Bcklin schon frher seit 1894 wiederholt um ein
Selbstbildnis gebeten.

Noch einmal mu der Knstler in der Folgezeit einen Anlauf genommen
haben. Aber wer ihn 1896 gesehen, erschrak im Frhjahr 1898 ber sein
Aussehen. Die Beine wurden steifer und das Sprechen wurde ihm schwer.
Im Januar 1900 kam dann noch eine Influenza. Aber sein zher Krper
hielt noch fast ein Jahr lang stand. Er hat die Arbeit noch einmal
aufgenommen, er verfolgte mit Schmerzen und ohne Hoffnung den Untergang
des Burenvolkes, selbst das erschtternde Bild eines Helden, mit dem es
zu Ende geht. Er las noch seinen Goethe und freute sich des Schattens
seiner Platanen.

Am 16. Januar 1901 ist er im Alter von 73 Jahren nach kurzem Unwohlsein
entschlafen. Er liegt begraben auf dem Campo Santo degli Allori, dem
protestantischen Kirchhof am Wege nach der Certosa.


Der Meister ist auch in seinen letzten Werken nicht dem handwerksmigen
Betrieb verfallen, wenn auch das Alter und dann die Krankheit sich
geltend gemacht haben; er ist ein Knstler bis zum letzten Strich und
ein Erfinder bis zum letzten Bilde geblieben. Die Vergeistigung des
Materiellen und der Ausdruck in jedem Pinselstrich scheint seinen
Hhepunkt erst in solchen Werken zu erreichen, die in der Komposition
bereits die Folgen von Alter und Krankheit verraten. Fehlt auch jetzt
die geschlossene Wucht der achtziger Jahre, so findet er doch noch
Farbenkombinationen von hinreiender Schnheit, die noch kaum einem
Koloristen frherer Zeiten gelungen waren, und in der Ruine am Meer
von 1894/95 hat er den Wolken und dem Meere Reize abgesehen, die so neu
sind, als ob er frher an ihnen achtlos vorbeigegangen wre. Der Meister
war vielleicht der gebildetste Maler seines Jahrhunderts, aber das
Aussehen seiner Bilder hat trotz all seiner rechnerischen berlegungen
etwas momentan Eingegebenes und trotz der Bestimmtheit seiner
Ausdrucksweise etwas Visionres, Traumhaftes, fast Dilettantisches.

Bcklin wurde und wird denn auch noch heute von vielen znftigen und
fast allen akademischen Vertretern seines Berufes abgelehnt und er
hat sein Publikum zuerst bei Dichtern, Musikern und solchen bildenden
Knstlern gefunden, die Eindrcke von seinen Werken empfangen haben,
bevor sie selber alle Weihen ihrer Zunft erhalten hatten. Der Abstand
vom blichen war einst zu gro und ist es noch heute.

Aber es fragt sich, ob nicht jener Bildhauer recht hatte, der schon
in den fnfziger Jahren meinte, Bcklin sei mehr Knstler als andere
Knstler, und ob nicht die Znftigen spterer Zeiten dies anerkennen
werden. Die Hochflut der Bcklinbegeisterung ist heute verebbt und zwei
Knstler, die ein Jahrzehnt jnger sind, nehmen die Stelle ein, die vor
zwei Jahrzehnten unserem Meister eingerumt wurde: Czanne und Hans
von Mares. Aber solche nderungen des Zeitgeschmackes treten mit
psychologischer Notwendigkeit ein und sie haben fr die Unsterblichkeit
nichts zu bedeuten. Es sollte zu denken geben, da gerade Hans von
Mares dem Menschen und dessen Knstlertum die Anerkennung nie versagen
konnte, obwohl er einen eigenen und damit einen anderen Weg gegangen
ist.

Bcklin ist im Leben dem Vorteil stets aus dem Wege gegangen, wenn
seine Kunst gefhrdet schien. Was in seinen Werken dem oberflchlichen
Beurteiler ein geistreicher oder unverstndlicher Einfall schien, war
die natrliche Folge einer langen, schrittweisen Entwicklung, die sich
im Stillen vollzogen hatte, war eine Idee, die mit unwiderstehlicher
Gewalt zum Ausdruck kam. Es war dem Knstler vergnnt, durch die Arbeit
vieler Jahrzehnte einen Stil auszubilden, der sich von dem der anderen
Menschen unterschied und mit einer Deutlichkeit ohnegleichen seine
eigenen Ekstasen wiedergab. Ein und dasselbe Motiv wurde wie die Madonna
bei den alten Meistern immer und immer wieder dargestellt und immer und
immer wieder umgegossen, bis alle Schlacken der Tradition verschwunden
waren und der herrlichste Ausdruck seiner tiefsten Gefhle erstand.

Angesichts des Gesamtwerkes sollte man anerkennen, da Bcklin gewachsen
ist wie ein Baum, der nicht beschnitten wurde, und man sollte diese
Vollnatur nicht in das Prokrustesbett fremder Ideale zwingen wollen.


Unter den Bildnissen gibt das in Mnchen entstandene Selbstbildnis
mit dem fiedelnden Tod (Taf. 37) wohl die tiefsinnigsten Andeutungen
ber den melancholischen Unterton seiner enthusiastischen Kunst. Den
ueren Menschen, wie er in der Blte der Jahre den Freunden erschien,
verkrpert am besten das etwas sptere, in Florenz entstandene, das
unser Titelblatt ziert. In jenen letzten Jahren, da der Verfasser
ihn noch hat sprechen knnen, bot er einen ehrwrdigen Anblick und
berraschte durch sein sachliches, fast nchtern zu nennendes Urteil.
Nur die Augen verrieten sofort die auerordentliche Erregbarkeit. Er
verband mit der Genialitt jene kleinbrgerliche, fast philistrse
Schlichtheit, eine Mischung, die man mit Ad. Frey gewi als etwas
spezifisch Schweizerisches bezeichnen darf. Aber nur der Rock war
schlicht. Sein Geist hatte die Flgel der Morgenrte und es war ihm
vergnnt, dem Gesang der Seligen zu lauschen, wenn er sich auf stolzen
Fittichen von der Erde erhob.




TAFELN


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[Errors and Anomalies / Fehler und Unregelmigkeiten

The high-low quotation marks ,, " of the original have been replaced
with matching quotes  (guillemets).
Die hoch- und tiefgestellte Anfhrungszeichen ,, " des Originals sind
durch  ersetzt geworden.

stehen : stehn
  _variant spellings as in original_
  _verschiedene Rechtschreibung wie im Original_

der Niederlnder des 15. und 16. / Jahrhunderts
  _original reads_ Jahrhunders
  _im Original steht_ Jahrhunders ]





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Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
works.  See paragraph 1.E below.

1.C.  The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
Gutenberg-tm electronic works.  Nearly all the individual works in the
collection are in the public domain in the United States.  If an
individual work is in the public domain in the United States and you are
located in the United States, we do not claim a right to prevent you from
copying, distributing, performing, displaying or creating derivative
works based on the work as long as all references to Project Gutenberg
are removed.  Of course, we hope that you will support the Project
Gutenberg-tm mission of promoting free access to electronic works by
freely sharing Project Gutenberg-tm works in compliance with the terms of
this agreement for keeping the Project Gutenberg-tm name associated with
the work.  You can easily comply with the terms of this agreement by
keeping this work in the same format with its attached full Project
Gutenberg-tm License when you share it without charge with others.

1.D.  The copyright laws of the place where you are located also govern
what you can do with this work.  Copyright laws in most countries are in
a constant state of change.  If you are outside the United States, check
the laws of your country in addition to the terms of this agreement
before downloading, copying, displaying, performing, distributing or
creating derivative works based on this work or any other Project
Gutenberg-tm work.  The Foundation makes no representations concerning
the copyright status of any work in any country outside the United
States.

1.E.  Unless you have removed all references to Project Gutenberg:

1.E.1.  The following sentence, with active links to, or other immediate
access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear prominently
whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work on which the
phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the phrase "Project
Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, performed, viewed,
copied or distributed:

This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
almost no restrictions whatsoever.  You may copy it, give it away or
re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
with this eBook or online at www.gutenberg.org

1.E.2.  If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is derived
from the public domain (does not contain a notice indicating that it is
posted with permission of the copyright holder), the work can be copied
and distributed to anyone in the United States without paying any fees
or charges.  If you are redistributing or providing access to a work
with the phrase "Project Gutenberg" associated with or appearing on the
work, you must comply either with the requirements of paragraphs 1.E.1
through 1.E.7 or obtain permission for the use of the work and the
Project Gutenberg-tm trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or
1.E.9.

1.E.3.  If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted
with the permission of the copyright holder, your use and distribution
must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any additional
terms imposed by the copyright holder.  Additional terms will be linked
to the Project Gutenberg-tm License for all works posted with the
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1.E.4.  Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm
License terms from this work, or any files containing a part of this
work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.

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electronic work, or any part of this electronic work, without
prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with
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1.E.6.  You may convert to and distribute this work in any binary,
compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including any
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request, of the work in its original "Plain Vanilla ASCII" or other
form.  Any alternate format must include the full Project Gutenberg-tm
License as specified in paragraph 1.E.1.

1.E.7.  Do not charge a fee for access to, viewing, displaying,
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1.E.8.  You may charge a reasonable fee for copies of or providing
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that

- You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from
     the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
     you already use to calculate your applicable taxes.  The fee is
     owed to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he
     has agreed to donate royalties under this paragraph to the
     Project Gutenberg Literary Archive Foundation.  Royalty payments
     must be paid within 60 days following each date on which you
     prepare (or are legally required to prepare) your periodic tax
     returns.  Royalty payments should be clearly marked as such and
     sent to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation at the
     address specified in Section 4, "Information about donations to
     the Project Gutenberg Literary Archive Foundation."

- You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
     you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
     does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm
     License.  You must require such a user to return or
     destroy all copies of the works possessed in a physical medium
     and discontinue all use of and all access to other copies of
     Project Gutenberg-tm works.

- You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of any
     money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
     electronic work is discovered and reported to you within 90 days
     of receipt of the work.

- You comply with all other terms of this agreement for free
     distribution of Project Gutenberg-tm works.

1.E.9.  If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
electronic work or group of works on different terms than are set
forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark.  Contact the
Foundation as set forth in Section 3 below.

1.F.

1.F.1.  Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
collection.  Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
works, and the medium on which they may be stored, may contain
"Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate or
corrupt data, transcription errors, a copyright or other intellectual
property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a
computer virus, or computer codes that damage or cannot be read by
your equipment.

1.F.2.  LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right
of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all
liability to you for damages, costs and expenses, including legal
fees.  YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT
LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
PROVIDED IN PARAGRAPH F3.  YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
DAMAGE.

1.F.3.  LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a
defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a
written explanation to the person you received the work from.  If you
received the work on a physical medium, you must return the medium with
your written explanation.  The person or entity that provided you with
the defective work may elect to provide a replacement copy in lieu of a
refund.  If you received the work electronically, the person or entity
providing it to you may choose to give you a second opportunity to
receive the work electronically in lieu of a refund.  If the second copy
is also defective, you may demand a refund in writing without further
opportunities to fix the problem.

1.F.4.  Except for the limited right of replacement or refund set forth
in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS' WITH NO OTHER
WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
WARRANTIES OF MERCHANTIBILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.

1.F.5.  Some states do not allow disclaimers of certain implied
warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
the applicable state law.  The invalidity or unenforceability of any
provision of this agreement shall not void the remaining provisions.

1.F.6.  INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance
with this agreement, and any volunteers associated with the production,
promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
that arise directly or indirectly from any of the following which you do
or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.


Section  2.  Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of computers
including obsolete, old, middle-aged and new computers.  It exists
because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need, is critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come.  In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.


Section 3.  Information about the Project Gutenberg Literary Archive
Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service.  The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541.  Its 501(c)(3) letter is posted at
http://pglaf.org/fundraising.  Contributions to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
permitted by U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
throughout numerous locations.  Its business office is located at
809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
business@pglaf.org.  Email contact links and up to date contact
information can be found at the Foundation's web site and official
page at http://pglaf.org

For additional contact information:
     Dr. Gregory B. Newby
     Chief Executive and Director
     gbnewby@pglaf.org


Section 4.  Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment.  Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States.  Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements.  We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance.  To
SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
particular state visit http://pglaf.org

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States.  U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses.  Donations are accepted in a number of other
ways including checks, online payments and credit card donations.
To donate, please visit: http://pglaf.org/donate


Section 5.  General Information About Project Gutenberg-tm electronic
works.

Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm
concept of a library of electronic works that could be freely shared
with anyone.  For thirty years, he produced and distributed Project
Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.


Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
unless a copyright notice is included.  Thus, we do not necessarily
keep eBooks in compliance with any particular paper edition.


Most people start at our Web site which has the main PG search facility:

     http://www.gutenberg.org

This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
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