The Project Gutenberg EBook of ber Psychoanalyse, by Sigmund Freud

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Title: ber Psychoanalyse
       Fnf Vorlesungen

Author: Sigmund Freud

Release Date: February 17, 2007 [EBook #20613]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK BER PSYCHOANALYSE ***




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                           BER PSYCHOANALYSE

                                  von

                             SIGMUND FREUD




                           INHALTSVERZEICHNIS


   Titelseite und Widmung.   .    .    .    .    .    .    .    .  --

   I. Vorlesung.   .    .    .    .    .    .    .    .    .    .   1

      ber die Entstehung und Entwicklung der Psychoanalyse.    .   2
      Die Hysterie.     .    .    .    .    .    .    .    .    .   4
      Der Fall Dr. Breuers.  .    .    .    .    .    .    .    .   5
      Die Talking cure.    .    .    .    .    .    .    .    .   7
      Die Entstehung der Symptome aus psychischen Traumen. .    .   8
      Symptome als Erinnerungssymbole. .    .    .    .    .    .  10
      Fixierung an die Traumen.   .    .    .    .    .    .    .  11
      Das Abreagieren der Affekte.     .    .    .    .    .    .  12
      Die hysterische Konversion. .    .    .    .    .    .    .  13
      Die psychische Spaltung.    .    .    .    .    .    .    .  14
      Hypnoide Zustnde.     .    .    .    .    .    .    .    .  15

   II. Vorlesung.  .    .    .    .    .    .    .    .    .    .  16

      Charcots und Janets Forschungen. .    .    .    .    .    .  17
      nderung der Technik.  .    .    .    .    .    .    .    .  18
      Verzicht auf die Hypnose.   .    .    .    .    .    .    .  19
      Verdrngung und Widerstand. .    .    .    .    .    .    .  20
      Beispiel einer Verdrngung. .    .    .    .    .    .    .  21
      Dynamische Auffassung der seelischen Spaltung.  .    .    .  22
      Symptombildung infolge miglckter Verdrngung. .    .    .  24
      Ziel der Psychoanalyse..    .    .    .    .    .    .    .  26

   III. Vorlesung. .    .    .    .    .    .    .    .    .    .  27

      Die Technik des Erratens aus freien Einfllen des Kranken.   28
      Die indirekte Darstellung.  .    .    .    .    .    .    .  30
      Die psychoanalytische Grundregel.     .    .    .    .    .  31
      Das Assoziationsexperiment. .    .    .    .    .    .    .  32
      Die Traumdeutung. .    .    .    .    .    .    .    .    .  33
      Manifester Trauminhalt und latente Traumgedanken.    .    .  34
      Die Wunscherfllung im Traume.   .    .    .    .    .    .  36
      Die Traumarbeit.  .    .    .    .    .    .    .    .    .  37
      Die Fehl-, Symptom- und Zufallshandlungen. .    .    .    .  38
      Einwendungen gegen die Psychoanalyse. .    .    .    .    .  40

   IV. Vorlesung.  .    .    .    .    .    .    .    .    .    .  42

      Die Sexualitt in der tiologie. .    .    .    .    .    .  43
      Die infantile Sexualitt.   .    .    .    .    .    .    .  44
      Ein amerikanischer Beobachter ber die Liebe im Kindesalter. 45
      Psychoanalysen an Kindern.  .    .    .    .    .    .    .  46
      Die Phase des Autoerotismus.     .    .    .    .    .    .  47
      Die Objektwahl.   .    .    .    .    .    .    .    .    .  48
      Endgestaltung des normalen Sexuallebens.   .    .    .    .  49
      Zusammenhang von Neurose und Perversion.   .    .    .    .  50
      Der Kernkomplex der Neurosen.    .    .    .    .    .    .  52
      Die Ablsung des Kindes von den Eltern.    .    .    .    .  53

   V. Vorlesung.   .    .    .    .    .    .    .    .    .    .  54

      Regression und Phantasie.   .    .    .    .    .    .    .  55
      Neurose und Kunst.     .    .    .    .    .    .    .    .  56
      Die bertragung.  .    .    .    .    .    .    .    .    .  57
      Die Angst vor der Befreiung des Verdrngten.    .    .    .  59
      Ausgnge der psychoanalytischen Arbeit.    .    .    .    .  60
      Das schdliche berma der Sexualverdrngung.   .    .    .  62

   Anmerkungen zur Transkription.      .    .    .    .    .    .  --




                                  BER

                             PSYCHOANALYSE


                            FNF VORLESUNGEN

                 GEHALTEN ZUR 20JHRIGEN GRNDUNGSFEIER

                                  DER

                  CLARK UNIVERSITY IN WORCESTER MASS.

                            SEPTEMBER 1909.


                                  VON

                      Prof. Dr. Sigm. Freud LL. D.




                            LEIPZIG UND WIEN

                            _FRANZ DEUTICKE_

                                 1910.




                           Verlags-Nr. 1701.

         K. und K. Hofbuchdruckerei Karl Prochaska in Teschen.




                Herrn

                    G. Stanley Hall, Ph. D., LL. D.
                   Prsidenten der Clark University,
                Professor der Psychologie und Pdagogik

                             in Dankbarkeit

                                            zugeeignet.




                                   I.


Meine Damen und Herren! Es ist mir ein neuartiges und verwirrendes
Gefhl, als Vortragender vor Wibegierigen der Neuen Welt zu stehen. Ich
nehme an, da ich diese Ehre nur der Verknpfung meines Namens mit dem
Thema der Psychoanalyse verdanke, und beabsichtige daher, Ihnen von
Psychoanalyse zu sprechen. Ich will es versuchen, Ihnen in gedrngtester
Krze einen berblick ber die Geschichte der Entstehung und weiteren
Fortbildung dieser neuen Untersuchungs- und Heilmethode zu geben.

Wenn es ein Verdienst ist, die Psychoanalyse ins Leben gerufen zu haben,
so ist es nicht mein Verdienst. Ich bin an den ersten Anfngen derselben
nicht beteiligt gewesen. Ich war Student und mit der Ablegung meiner
letzten Prfungen beschftigt, als ein anderer Wiener Arzt, Dr. Josef
_Breuer_,[1] dieses Verfahren zuerst an einem hysterisch
erkrankten Mdchen anwendete (1880-1882). Mit dieser Kranken- und
Behandlungsgeschichte wollen wir uns nun zunchst beschftigen. Sie
finden dieselbe ausfhrlich dargestellt in den spter von _Breuer_ und
mir verffentlichten Studien ber Hysterie.[2]

     [1] Dr. Josef _Breuer_, geb. 1842, korrespondierendes Mitglied der
     k. Akademie der Wissenschaften, bekannt durch Arbeiten ber die
     Atmung und zur Physiologie des Gleichgewichtssinnes.

     [2] Studien ber Hysterie. 1895. Fr. Deuticke, Wien, 2. Aufl.,
     1909. Stcke meines Anteils an diesem Buch sind von
     Dr. A. A. _Brill_ in New York ins Englische bertragen worden
     (Selected papers on Hysteria and other Psychoneuroses by S. Freud,
     Nr. 4 der Nervous and Mental Disease Monograph Series, New
     York).

Vorher nur noch eine Bemerkung. Ich habe nicht ohne Befriedigung
erfahren, da die Mehrzahl meiner Zuhrer nicht dem rztlichen Stande
angehrt. Besorgen Sie nun nicht, da es besonderer rztlicher
Vorbildung bedarf, um meinen Mitteilungen zu folgen. Wir werden
allerdings ein Stck weit mit den rzten gehen, aber bald werden wir uns
absondern und Dr. _Breuer_ auf einen ganz eigenartigen Weg begleiten.

Dr. _Breuers_ Patientin, ein 21jhriges, geistig hochbegabtes Mdchen,
entwickelte im Verlaufe ihrer ber zwei Jahre ausgedehnten Krankheit
eine Reihe von krperlichen und seelischen Strungen, die es wohl
verdienten, ernst genommen zu werden. Sie hatte eine steife Lhmung der
beiden rechtsseitigen Extremitten mit Unempfindlichkeit derselben,
zeitweise dieselbe Affektion an den Gliedern der linken Krperseite,
Strungen der Augenbewegungen und mannigfache Beeintrchtigungen des
Sehvermgens, Schwierigkeiten der Kopfhaltung, eine intensive Tussis
nervosa, Ekel vor Nahrungsaufnahme und einmal durch mehrere Wochen eine
Unfhigkeit zu trinken trotz qulenden Durstes, eine Herabsetzung des
Sprachvermgens, die bis zum Verlust der Fhigkeit fortschritt, ihre
Muttersprache zu sprechen oder zu verstehen, endlich Zustnde von
Abwesenheit, Verworrenheit, Delirien, Alteration ihrer ganzen
Persnlichkeit, denen wir unsere Aufmerksamkeit spter werden zuwenden
mssen.

Wenn Sie von einem solchen Krankheitsbilde hren, so werden Sie, auch
ohne rzte zu sein, der Annahme zuneigen, da es sich um ein schweres
Leiden, wahrscheinlich des Gehirns, handle, welches wenig Aussicht auf
Herstellung biete und zur baldigen Auflsung der Kranken fhren drfte.
Lassen Sie sich indes von den rzten belehren, da fr eine Reihe von
Fllen mit so schweren Erscheinungen eine andere und weitaus gnstigere
Auffassung berechtigter ist. Wenn ein solches Krankheitsbild bei einem
jugendlichen weiblichen Individuum auftritt, dessen lebenswichtige
innere Organe (Herz, Niere) sich der objektiven Untersuchung normal
erweisen, das aber heftige _gemtliche_ Erschtterungen erfahren hat,
und wenn die einzelnen Symptome in gewissen feineren Charakteren von der
Erwartung abweichen, dann nehmen die rzte einen solchen Fall nicht zu
schwer. Sie behaupten, da dann nicht ein organisches Leiden des Gehirns
vorliegt, sondern jener rtselhafte, seit den Zeiten der griechischen
Medizin _Hysterie_ benannte Zustand, der eine ganze Anzahl von Bildern
ernster Erkrankung vorzutuschen vermge. Sie halten dann das Leben fr
nicht bedroht und eine selbst vollkommene Herstellung der Gesundheit fr
wahrscheinlich. Die Unterscheidung einer solchen Hysterie von einem
schweren organischen Leiden ist nicht immer sehr leicht. Wir brauchen
aber nicht zu wissen, wie eine Differentialdiagnose dieser Art gemacht
wird; uns mag die Versicherung gengen, da gerade der Fall von
_Breuers_ Patientin ein solcher ist, bei dem kein kundiger Arzt die
Diagnose der Hysterie verfehlen wird. Wir knnen auch an dieser Stelle
aus dem Krankheitsbericht nachtragen, da ihre Erkrankung auftrat,
whrend sie ihren zrtlich geliebten Vater in seiner schweren, zum Tode
fhrenden Krankheit pflegte, und da sie infolge ihrer eigenen
Erkrankung von der Pflege zurcktreten mute.

Soweit hat es uns Vorteil gebracht, mit den rzten zu gehen, und nun
werden wir uns bald von ihnen trennen. Sie drfen nmlich nicht
erwarten, da die Aussicht eines Kranken auf rztliche Hilfeleistung
dadurch wesentlich gesteigert wird, da die Diagnose der Hysterie an
die Stelle des Urteils auf ernste organische Hirnaffektion tritt. Gegen
die schweren Erkrankungen des Gehirns ist die rztliche Kunst in den
meisten Fllen ohnmchtig, aber auch gegen die hysterische Affektion
wei der Arzt nichts zu tun. Er mu es der gtigen Natur berlassen,
wann und wie sie seine hoffnungsvolle Prognose verwirklichen will.[3]

     [3] Ich wei, da diese Behauptung heute nicht mehr zutrifft, aber
     im Vortrage versetze ich mich und meine Hrer zurck in die Zeit
     vor 1880. Wenn es seither anders geworden ist, so haben gerade die
     Bemhungen, deren Geschichte ich skizziere, daran einen groen
     Anteil.

Mit der Erkennung der Hysterie wird also fr den Kranken wenig gendert;
desto mehr ndert sich fr den Arzt. Wir knnen beobachten, da er sich
gegen den hysterischen ganz anders einstellt als gegen den organisch
Kranken. Er will dem ersteren nicht dieselbe Teilnahme entgegenbringen
wie dem letzteren, da sein Leiden weit weniger ernsthaft ist und doch
den Anspruch zu erheben scheint, fr ebenso ernsthaft zu gelten. Aber es
wirkt noch anderes mit. Der Arzt, der durch sein Studium so vieles
kennen gelernt hat, was dem Laien verschlossen ist, hat sich von den
Krankheitsursachen und Krankheitsvernderungen, z. B. im Gehirn eines an
Apoplexie oder Neubildung Leidenden Vorstellungen bilden knnen, die bis
zu einem gewissen Grade zutreffend sein mssen, da sie ihm das
Verstndnis der Einzelheiten des Krankheitsbildes gestatten. Vor den
Details der hysterischen Phnomene lt ihn aber all sein Wissen, seine
anatomisch-physiologische und pathologische Vorbildung im Stiche. Er
kann die Hysterie nicht verstehen, er steht ihr selbst wie ein Laie
gegenber. Und das ist nun niemandem recht, der sonst auf sein Wissen so
groe Stcke hlt. Die Hysterischen gehen also seiner Sympathie
verlustig; er betrachtet sie wie Personen, welche die Gesetze seiner
Wissenschaft bertreten, wie die Rechtglubigen die Ketzer ansehen; er
traut ihnen alles mgliche Bse zu, beschuldigt sie der bertreibung und
der absichtlichen Tuschung, Simulation; und er bestraft sie durch die
Entziehung seines Interesses.

Diesen Vorwurf hat nun Dr. _Breuer_ bei seiner Patientin nicht verdient;
er schenkte ihr Sympathie und Interesse, obwohl er ihr anfangs nicht zu
helfen verstand. Wahrscheinlich erleichterte sie es ihm auch durch die
vorzglichen Geistes- und Charaktereigenschaften, fr die er in der von
ihm abgefaten Krankengeschichte Zeugnis ablegt. Seine liebevolle
Beobachtung fand auch bald den Weg, der die erste Hilfeleistung
ermglichte.

Es war bemerkt worden, da die Kranke in ihren Zustnden von Absenz,
psychischer Alteration mit Verworrenheit, einige Worte vor sich hin zu
murmeln pflegte, welche den Eindruck machten, als stammten sie aus einem
Zusammenhange, der ihr Denken beschftige. Der Arzt, der sich diese
Worte berichten lie, versetzte sie nun in eine Art von Hypnose und
sagte ihr jedesmal diese Worte wieder vor, um sie zu veranlassen, da
sie an dieselben anknpfe. Die Kranke ging darauf ein und reproduzierte
so vor dem Arzt die psychischen Schpfungen, die sie whrend der
Absenzen beherrscht und sich in jenen vereinzelt geuerten Worten
verraten hatten. Es waren tieftraurige, oft poetisch schne Phantasien,
Tagtrume wrden wir sagen, die gewhnlich die Situation eines Mdchens
am Krankenbett seines Vaters zum Ausgangspunkt nahmen. Hatte sie eine
Anzahl solcher Phantasien erzhlt, so war sie wie befreit und ins
normale seelische Leben zurckgefhrt. Das Wohlbefinden, das durch
mehrere Stunden anhielt, wich dann am nchsten Tage einer neuerlichen
Absenz, welche auf dieselbe Weise durch Aussprechen der neu gebildeten
Phantasien aufgehoben wurde. Man konnte sich dem Eindrucke nicht
entziehen, da die psychische Vernderung, die sich in den Absenzen
uerte, eine Folge des Reizes sei, der von diesen hchst affektvollen
Phantasiebildungen ausging. Die Patientin selbst, die um diese Zeit
ihres Krankseins merkwrdigerweise nur Englisch sprach und verstand, gab
dieser neuartigen Behandlung den Namen talking cure oder bezeichnete
sie scherzhaft als chimney sweeping.

Es ergab sich bald wie zufllig, da man durch solches Reinfegen der
Seele noch mehr erreichen knne als vorbergehende Beseitigung der immer
wiederkehrenden seelischen Trbungen. Es lieen sich auch
Leidenssymptome zum Verschwinden bringen, wenn in der Hypnose unter
Affektuerung erinnert wurde, bei welchem Anla und kraft welches
Zusammenhanges diese Symptome zuerst aufgetreten waren. Es war im
Sommer eine Zeit intensiver Hitze gewesen und Patientin hatte sehr arg
durch Durst gelitten; denn, ohne einen Grund angeben zu knnen, war ihr
pltzlich unmglich geworden, zu trinken. Sie nahm das ersehnte Glas
Wasser in die Hand, aber sowie es die Lippen berhrte, stie sie es weg
wie ein Hydrophobischer. Dabei war sie offenbar fr diese paar Sekunden
in einer Absenz. Sie lebte nur von Obst, Melonen u. dgl., um den
qualvollen Durst zu mildem. Als das etwa sechs Wochen gedauert hatte,
rsonierte sie einmal in der Hypnose ber ihre englische
Gesellschafterin, die sie nicht liebte, und erzhlte dann mit allen
Zeichen des Abscheus, wie sie auf deren Zimmer gekommen sei, und da
deren kleiner Hund, das ekelhafte Tier, aus einem Glas getrunken habe.
Sie habe nichts gesagt, denn sie wollte hflich sein. Nachdem sie ihrem
steckengebliebenen rger noch energisch Ausdruck gegeben, verlangte sie
zu trinken, trank ohne Hemmung eine groe Menge Wasser und erwachte aus
der Hypnose mit dem Glas an den Lippen. Die Strung war damit fr immer
verschwunden.[4]

     [4] Studien ber Hysterie, 2. Aufl., p. 26.

Gestatten Sie, da ich Sie bei dieser Erfahrung einen Moment aufhalte!
Niemand hatte noch ein hysterisches Symptom durch solche Mittel
beseitigt und war dabei so tief in das Verstndnis seiner Verursachung
eingedrungen. Es mute eine folgenschwere Entdeckung werden, wenn sich
die Erwartung besttigen lie, da noch andere, da vielleicht die
Mehrzahl der Symptome bei der Kranken auf solche Weise entstanden und
auf solche Weise aufzuheben war. _Breuer_ scheute die Mhe nicht, sich
davon zu berzeugen, und forschte nun planmig der Pathogenese der
anderen und ernsteren Leidenssymptome nach. Es war wirklich so; fast
alle Symptome waren so entstanden als Reste, als Niederschlge, wenn Sie
wollen, von affektvollen Erlebnissen, die wir darum spter psychische
Traumen genannt haben, und ihre Besonderheit klrte sich durch die
Beziehung zu der sie verursachenden traumatischen Szene auf. Sie waren,
wie das Kunstwort lautet, durch die Szenen, deren Gedchtnisreste sie
darstellten, _determiniert_, brauchten nicht mehr als willkrliche oder
rtselhafte Leistungen der Neurose beschrieben zu werden. Nur einer
Abweichung von der Erwartung sei gedacht. Es war nicht immer ein
einziges Erlebnis, welches das Symptom zurcklie, sondern meist waren
zahlreiche, oft sehr viele hnliche, wiederholte Traumen zu dieser
Wirkung zusammengetreten. Diese ganze Kette von pathogenen Erinnerungen
mute dann in chronologischer Reihenfolge reproduziert werden, und zwar
umgekehrt, die letzte zuerst und die erste zuletzt, und es war ganz
unmglich, zum ersten und oft wirksamsten Trauma mit berspringung der
spter erfolgten vorzudringen.

Sie werden nun gewi noch andere Beispiele von Verursachung hysterischer
Symptome als das der Wasserscheu durch den Ekel vor dem aus dem Glas
trinkenden Hund von mir hren wollen. Ich mu mich aber, wenn ich mein
Programm einhalten will, auf sehr wenige Proben beschrnken. So erzhlt
_Breuer_, da ihre Sehstrungen sich auf Anlsse zurckfhrten in der
Art, da Patientin mit Trnen im Auge, am Krankenbett sitzend, pltzlich
vom Vater gefragt wurde, wieviel Uhr es sei, undeutlich sah, sich
anstrengte, die Uhr nahe ans Auge brachte und nun das Zifferblatt sehr
gro erschien (Makropsie und Strabismus conv.); oder Anstrengungen
machte, die Trnen zu unterdrcken, damit sie der Kranke nicht sehe.[5]
Alle pathogenen Eindrcke stammten brigens aus der Zeit, da sie sich an
der Pflege des erkrankten Vaters beteiligte. Einmal wachte sie nachts
in groer Angst um den hochfiebernden Kranken und in Spannung, weil von
Wien ein Chirurg zur Operation erwartet wurde. Die Mutter hatte sich fr
einige Zeit entfernt, und Anna sa am Krankenbette, den rechten Arm ber
die Stuhllehne gelegt. Sie geriet in einen Zustand von Wachtrumen und
sah, wie von der Wand her eine schwarze Schlange sich dem Kranken
nherte, um ihn zu beien. (Es ist sehr wahrscheinlich, da auf der
Wiese hinter dem Hause wirklich einige Schlangen vorkamen, ber die das
Mdchen schon frher erschrocken war, und die nun das Material der
Halluzination abgaben.) Sie wollte das Tier abwehren, war aber wie
gelhmt; der rechte Arm, ber die Stuhllehne hngend, war
'eingeschlafen', ansthetisch und paretisch geworden, und als sie ihn
betrachtete, verwandelten sich die Finger in kleine Schlangen mit
Totenkpfen (Ngel). Wahrscheinlich machte sie Versuche, die Schlange
mit der gelhmten rechten Hand zu verjagen, und dadurch trat die
Ansthesie und Lhmung derselben in Assoziation mit der
Schlangenhalluzination. Als diese verschwunden war, wollte sie in ihrer
Angst beten, aber jede Sprache versagte, sie konnte in keiner sprechen,
bis sie endlich einen _englischen_ Kindervers fand und nun auch in
dieser Sprache fortdenken und beten konnte.[6] Mit der Erinnerung
dieser Szene in der Hypnose war auch die seit Beginn der Krankheit
bestehende steife Lhmung des rechten Armes beseitigt und die Behandlung
beendigt.

     [5] Studien ber Hysterie, 2. Aufl., p. 31.

     [6] l. c. p. 30.

Als ich eine Anzahl von Jahren spter die _Breuer_sche Untersuchungs- und
Behandlungsmethode an meinen eigenen Kranken zu ben begann, machte ich
Erfahrungen, die sich mit den seinigen vollkommen deckten. Bei einer
etwa 40jhrigen Dame bestand ein Tic, ein eigentmlich schnalzendes
Gerusch, das sie bei jeder Aufregung und auch ohne ersichtlichen Anla
hervorbrachte. Es hatte seinen Ursprung in zwei Erlebnissen, denen
gemeinsam war, da sie sich vornahm, jetzt ja keinen Lrm zu machen, und
bei denen wie durch eine Art von Gegenwillen gerade dieses Gerusch die
Stille durchbrach; das eine Mal, als sie ihr krankes Kind endlich
mhselig eingeschlfert hatte und sich sagte, sie msse jetzt ganz still
sein, um es nicht zu wecken, und das andere Mal, als whrend einer
Wagenfahrt mit ihren beiden Kindern im Gewitter die Pferde scheu wurden,
und sie sorgfltig jeden Lrm vermeiden wollte, um die Tiere nicht noch
mehr zu schrecken.[7] Ich gebe dieses Beispiel anstatt vieler anderer,
die in den Studien ber Hysterie niedergelegt sind.[8]

     [7] l. c. 2. Aufl., p. 43 u. 46.

     [8] Eine Auswahl aus diesem Buche, vermehrt durch einige sptere
     Abhandlungen ber Hysterie, liegt gegenwrtig in einer englischen,
     von Dr. A. A. _Brill_ in New York besorgten bersetzung vor.

Meine Damen und Herren, wenn Sie mir die Verallgemeinerung gestatten,
die ja bei so abgekrzter Darstellung unvermeidlich ist, so knnen wir
unsere bisherige Erkenntnis in die Formel fassen: _Unsere hysterisch
Kranken leiden an Reminiszenzen._ Ihre Symptome sind Reste und
Erinnerungssymbole fr gewisse (traumatische) Erlebnisse. Ein Vergleich
mit anderen Erinnerungssymbolen auf anderen Gebieten wird uns vielleicht
tiefer in das Verstndnis dieser Symbolik fhren. Auch die Denkmler und
Monumente, mit denen wir unsere groen Stdte zieren, sind solche
Erinnerungssymbole. Wenn Sie einen Spaziergang durch _London_ machen, so
finden Sie vor einem der grten Bahnhfe der Stadt eine reichverzierte
gotische Sule, das _Charing Cross_. Einer der alten Plantagenetknige
im XIII. Jahrhundert, der den Leichnam seiner geliebten Knigin Eleanor
nach Westminster berfhren lie, errichtete gotische Kreuze an jeder
der Stationen, wo der Sarg niedergestellt wurde, und _Charing Cross_ ist
das letzte der Denkmler, welche die Erinnerung an diesen Trauerzug
erhalten sollten.[9] An einer anderen Stelle der Stadt, nicht weit von
London Bridge, erblicken Sie eine modernere hochragende Sule, die
kurzweg _The Monument_ genannt wird. Sie soll zur Erinnerung an das
groe Feuer mahnen, welches im Jahre 1666 dort in der Nhe ausbrach und
einen groen Teil der Stadt zerstrte. Diese Monumente sind also
Erinnerungssymbole wie die hysterischen Symptome, soweit scheint die
Vergleichung berechtigt. Aber was wrden Sie zu einem Londoner sagen,
der heute noch vor dem Denkmal des Leichenzuges der Knigin Eleanor
in Wehmut stehen bliebe, anstatt mit der von den modernen
Arbeitsverhltnissen geforderten Eile seinen Geschften nachzugehen oder
sich der eigenen jugendfrischen Knigin seines Herzens zu erfreuen? Oder
zu einem anderen, der vor dem Monument die Einscherung seiner
geliebten Vaterstadt beweinte, die doch seither lngst soviel glnzender
wiedererstanden ist? So wie diese beiden unpraktischen Londoner benehmen
sich aber die Hysterischen und Neurotiker alle; nicht nur, da sie die
lngst vergangenen schmerzlichen Erlebnisse erinnern, sie hngen noch
affektvoll an ihnen, sie kommen von der Vergangenheit nicht los und
vernachlssigen fr sie die Wirklichkeit und die Gegenwart. Diese
Fixierung des Seelenlebens an die pathogenen Traumen ist einer der
wichtigsten und praktisch bedeutsamsten Charaktere der Neurose.

     [9] Vielmehr die sptere Nachbildung eines solchen Denkmals. Der
     Name _Charing_ selbst soll, wie mir Dr. E. _Jones_ mitteilte, aus
     den Worten _Chre reine_ hervorgegangen sein.

Ich gebe Ihnen gern den Einwand zu, den Sie jetzt wahrscheinlich bilden,
indem Sie an die Krankengeschichte der _Breuer_schen Patientin denken.
Alle ihre Traumen entstammten ja der Zeit, da sie den kranken Vater
pflegte, und ihre Symptome knnen nur als Erinnerungszeichen fr seine
Krankheit und seinen Tod aufgefat werden. Sie entsprechen also einer
Trauer, und eine Fixierung an das Andenken des Verstorbenen ist so kurze
Zeit nach dem Ableben desselben gewi nichts Pathologisches, entspricht
vielmehr einem normalen Gefhlsvorgang. Ich gestehe Ihnen dieses zu; die
Fixierung an die Traumen ist bei der Patientin _Breuers_ nichts
Aufflliges. Aber in anderen Fllen, wie in dem von mir behandelten
Tic, dessen Veranlassungen um mehr als fnfzehn und zehn Jahre
zurcklagen, ist der Charakter des abnormen Haftens am Vergangenen sehr
deutlich, und die Patientin _Breuers_ htte ihn wahrscheinlich
gleichfalls entwickelt, wenn sie nicht so kurze Zeit nach dem Erleben
der Traumen und der Entstehung der Symptome zur _kathartischen_
Behandlung gekommen wre.

Wir haben bisher nur die Beziehung der hysterischen Symptome zur
Lebensgeschichte der Kranken errtert; aus zwei weiteren Momenten der
_Breuer_schen Beobachtung knnen wir aber auch einen Hinweis darauf
gewinnen, wie wir den Vorgang der Erkrankung und der Wiederherstellung
aufzufassen haben. Frs erste ist hervorzuheben, da die Kranke
_Breuers_ fast in allen pathogenen Situationen eine starke Erregung zu
unterdrcken hatte, anstatt ihr durch die entsprechenden Affektzeichen,
Worte und Handlungen, Ablauf zu ermglichen. In dem kleinen Erlebnis mit
dem Hund ihrer Gesellschafterin unterdrckte sie aus Rcksicht auf diese
jede uerung ihres sehr intensiven Ekels; whrend sie am Bette des
Vaters wachte, trug sie bestndig Sorge, den Kranken nichts von ihrer
Angst und ihrer schmerzlichen Verstimmung merken zu lassen. Als sie
spter diese selben Szenen vor ihrem Arzt reproduzierte, trat der damals
gehemmte Affekt mit besonderer Heftigkeit, als ob er sich solange
aufgespart htte, auf. Ja, das Symptom, welches von dieser Szene
erbrigt war, gewann seine hchste Intensitt, whrend man sich seiner
Verursachung nherte, um nach der vlligen Erledigung derselben zu
verschwinden. Anderseits konnte man die Erfahrung machen, da das
Erinnern der Szene beim Arzte wirkungslos blieb, wenn es aus irgend
einem Grunde einmal ohne Affektentwicklung ablief. Die Schicksale dieser
Affekte, die man sich als verschiebbare Gren vorstellen konnte, waren
also das Magebende fr die Erkrankung wie fr die Wiederherstellung.
Man sah sich zur Annahme gedrngt, da die Erkrankung darum zu stande
kam, weil den in den pathogenen Situationen entwickelten Affekten ein
normaler Ausweg versperrt war, und da das Wesen der Erkrankung darin
bestand, da nun diese eingeklemmten Affekte einer abnormen Verwendung
unterlagen. Zum Teil blieben sie als dauernde Belastungen des
Seelenlebens und Quellen bestndiger Erregung fr dasselbe bestehen; zum
Teil erfuhren sie eine Umsetzung in ungewhnliche krperliche
_Innervationen_ und _Hemmungen_, die sich als die krperlichen Symptome
des Falles darstellten. Wir haben fr diesen letzteren Vorgang den Namen
der _hysterischen Konversion_ geprgt. Ein gewisser Anteil unserer
seelischen Erregung wird ohnedies normalerweise auf die Wege der
krperlichen Innervation geleitet und ergibt das, was wir als Ausdruck
der Gemtsbewegungen kennen. Die hysterische Konversion bertreibt nun
diesen Anteil des Ablaufs eines mit Affekt besetzten seelischen
Vorganges; sie entspricht einem weit intensiveren, auf neue Bahnen
geleiteten Ausdruck der Gemtsbewegung. Wenn ein Strombett in zwei
Kanlen fliet, so wird eine berfllung des einen stattfinden, sobald
die Strmung in dem anderen auf ein Hindernis stt.

Sie sehen, wir sind im Begriffe, zu einer rein psychologischen Theorie
der Hysterie zu gelangen, in welcher wir den Affektvorgngen den ersten
Rang anweisen. Eine zweite Beobachtung _Breuers_ ntigt uns nun, in der
Charakteristik des krankhaften Geschehens den Bewutseinszustnden eine
groe Bedeutung einzurumen. Die Kranke _Breuers_ zeigte mannigfaltige
seelische Verfassungen, Zustnde von Abwesenheit, Verworrenheit und
Charaktervernderung neben ihrem Normalzustand. Im Normalzustand wute
sie nun nichts von jenen pathogenen Szenen und von deren Zusammenhang
mit ihren Symptomen; sie hatte diese Szenen vergessen oder jedenfalls
den pathogenen Zusammenhang zerrissen. Wenn man sie in die Hypnose
versetzte, gelang es nach Aufwendung betrchtlicher Arbeit, ihr diese
Szenen ins Gedchtnis zurckzurufen, und durch diese Arbeit des
Wiedererinnerns wurden die Symptome aufgehoben. Man wre in groer
Verlegenheit, wie man diese Tatsache deuten sollte, wenn nicht die
Erfahrungen und Experimente des Hypnotismus den Weg dazu gewiesen
htten. Durch das Studium der hypnotischen Phnomene hat man sich an die
anfangs befremdliche Auffassung gewhnt, da in einem und demselben
Individuum mehrere seelische Gruppierungen mglich sind, die ziemlich
unabhngig von einander bleiben knnen, von einander nichts wissen,
und die das Bewutsein alternierend an sich reien. Flle solcher Art,
die man als Double conscience bezeichnet, kommen gelegentlich auch
spontan zur Beobachtung. Wenn bei solcher Spaltung der Persnlichkeit
das Bewutsein konstant an den einen der beiden Zustnde gebunden
bleibt, so heit man diesen den _bewuten_ Seelenzustand, den von ihm
abgetrennten den _unbewuten_. In den bekannten Phnomenen der
sogenannten posthypnotischen Suggestion, wobei ein in der Hypnose
gegebener Auftrag sich spter im Normalzustand gebieterisch durchsetzt,
hat man ein vorzgliches Vorbild fr die Beeinflussungen, die der
bewute Zustand durch den fr ihn unbewuten erfahren kann, und nach
diesem Muster gelingt es allerdings, sich die Erfahrungen bei der
Hysterie zurechtzulegen. _Breuer_ entschlo sich zur Annahme, da die
hysterischen Symptome in solchen besonderen seelischen Zustnden, die er
_hypnoide_ nannte, entstanden seien. Erregungen, die in solche hypnoide
Zustnde hineingeraten, werden leicht pathogen, weil diese Zustnde
nicht die Bedingungen fr einen normalen Ablauf der Erregungsvorgnge
bieten. Es entsteht also aus dem Erregungsvorgang ein ungewhnliches
Produkt, eben das Symptom, und dieses ragt wie ein Fremdkrper in den
Normalzustand hinein, dem dafr die Kenntnis der hypnoiden pathogenen
Situation abgeht. Wo ein Symptom besteht, da findet sich auch eine
Amnesie, eine Erinnerungslcke, und die Ausfllung dieser Lcke schliet
die Aufhebung der Entstehungsbedingungen des Symptoms in sich ein.

Ich frchte, da Ihnen dieses Stck meiner Darstellung nicht sehr
durchsichtig erschienen ist. Aber haben Sie Nachsicht, es handelt sich
um neue und schwierige Anschauungen, die vielleicht nicht viel klarer
gemacht werden knnen; ein Beweis dafr, da wir mit unserer Erkenntnis
noch nicht sehr weit vorgedrungen sind. Die _Breuer_sche Aufstellung der
_hypnoiden_ Zustnde hat sich brigens als hemmend und berflssig
erwiesen und ist von der heutigen Psychoanalyse fallen gelassen worden.
Sie werden spter wenigstens andeutungsweise hren, welche Einflsse und
Vorgnge hinter der von _Breuer_ aufgestellten Schranke der hypnoiden
Zustnde zu entdecken waren. Sie werden auch mit Recht den Eindruck
empfangen haben, da die _Breuer_sche Forschung Ihnen nur eine sehr
unvollstndige Theorie und unbefriedigende Aufklrung der beobachteten
Erscheinungen geben konnte, aber vollkommene Theorien fallen nicht vom
Himmel, und Sie werden mit noch grerem Recht mitrauisch sein, wenn
Ihnen jemand eine lckenlose und abgerundete Theorie bereits zu Anfang
seiner Beobachtungen anbietet. Eine solche wird gewi nur das Kind
seiner Spekulation sein knnen und nicht die Frucht voraussetzungsloser
Erforschung des Tatschlichen.




                                  II.


Meine Damen und Herren! Etwa gleichzeitig, whrend _Breuer_ mit seiner
Patientin die Talking cure bte, hatte Meister _Charcot_ in Paris jene
Untersuchungen ber die Hysterischen der Salptrire begonnen, von denen
ein neues Verstndnis der Krankheit ausgehen sollte. Diese Resultate
konnten damals in Wien noch nicht bekannt sein. Als aber etwa ein
Dezennium spter _Breuer_ und ich die vorlufige Mitteilung ber den
psychischen Mechanismus hysterischer Phnomene verffentlichten, welche
an die kathartische Behandlung bei _Breuers_ erster Patientin anknpfte,
da befanden wir uns ganz im Banne der _Charcot_schen Forschungen. Wir
stellten die pathogenen Erlebnisse unserer Kranken als psychische
Traumen jenen krperlichen Traumen gleich, deren Einflu auf hysterische
Lhmungen _Charcot_ festgestellt hatte, und _Breuers_ Aufstellung der
hypnoiden Zustnde ist selbst nichts anderes als ein Reflex der
Tatsache, da _Charcot_ jene traumatischen Lhmungen in der Hypnose
knstlich reproduziert hatte.

Der groe franzsische Beobachter, dessen Schler ich 1885/86 wurde, war
selbst psychologischen Auffassungen nicht geneigt; erst sein Schler
P. _Janet_ versuchte ein tieferes Eindringen in die besonderen
psychischen Vorgnge bei der Hysterie, und wir folgten seinem Beispiele,
als wir die seelische Spaltung und den Zerfall der Persnlichkeit in das
Zentrum unserer Auffassung rckten. Sie finden bei _Janet_ eine Theorie
der Hysterie, welche den in Frankreich herrschenden Lehren ber die
Rolle der Erblichkeit und der Degeneration Rechnung trgt. Die Hysterie
ist nach ihm eine Form der degenerativen Vernderung des Nervensystems,
welche sich durch eine angeborene Schwche der psychischen Synthese
kundgibt. Die hysterisch Kranken seien von Anfang an unfhig, die
Mannigfaltigkeit der seelischen Vorgnge zu einer Einheit
zusammenzuhalten, und daher komme die Neigung zur seelischen
Dissoziation. Wenn Sie mir ein banales aber deutliches Gleichnis
gestatten, _Janets_ Hysterische erinnert an eine schwache Frau, die
ausgegangen ist, um Einkufe zu machen, und nun mit einer Menge von
Schachteln und Paketen beladen zurckkommt. Sie kann den ganzen Haufen
mit ihren zwei Armen und zehn Fingern nicht bewltigen, und so entfllt
ihr zuerst ein Stck. Bckt sie sich, um dieses aufzuheben, so macht
sich dafr ein anderes los u. s. w. Es stimmt nicht gut zu dieser
angenommenen seelischen Schwche der Hysterischen, da man bei ihnen
auer den Erscheinungen verminderter Leistung auch Beispiele von
teilweiser Steigerung der Leistungsfhigkeit, wie zur Entschdigung,
beobachten kann. Zur Zeit, als _Breuers_ Patientin ihre Muttersprache
und alle anderen Sprachen bis auf Englisch vergessen hatte, erreichte
ihre Beherrschung des Englischen eine solche Hhe, da sie im stande
war, wenn man ihr ein deutsches Buch vorlegte, eine tadellose und
flieende bersetzung desselben vom Blatt herunterzulesen.

Als ich es spter unternahm, die von _Breuer_ begonnenen Untersuchungen
auf eigene Faust fortzusetzen, gelangte ich bald zu einer anderen
Ansicht ber die Entstehung der hysterischen Dissoziation (oder
Bewutseinsspaltung). Eine solche, fr alles weitere entscheidende,
Divergenz mute sich notwendigerweise ergeben, da ich nicht wie _Janet_
von Laboratoriumsversuchen, sondern von therapeutischen Bemhungen
ausging.

Mich trieb vor allem das praktische Bedrfnis. Die kathartische
Behandlung, wie sie _Breuer_ gebt hatte, setzte voraus, da man den
Kranken in tiefe Hypnose bringe, denn nur im hypnotischen Zustand fand
er die Kenntnis jener pathogenen Zusammenhnge, die ihm in seinem
Normalzustand abging. Nun war mir die Hypnose als ein launenhaftes und
sozusagen mystisches Hilfsmittel bald unliebsam geworden; als ich aber
die Erfahrung machte, da es mir trotz aller Bemhungen nicht gelingen
wollte, mehr als einen Bruchteil meiner Kranken in den hypnotischen
Zustand zu versetzen, beschlo ich, die Hypnose aufzugeben und die
kathartische Behandlung von ihr unabhngig zu machen. Weil ich den
psychischen Zustand meiner meisten Patienten nicht nach meinem Belieben
verndern konnte, richtete ich mich darauf ein, mit ihrem Normalzustand
zu arbeiten. Das schien allerdings vorerst ein sinn- und aussichtsloses
Unternehmen zu sein. Es war die Aufgabe gestellt, etwas vom Kranken zu
erfahren, was man nicht wute und was er selbst nicht wute; wie konnte
man hoffen, dies doch in Erfahrung zu bringen? Da kam mir die Erinnerung
an einen sehr merkwrdigen und lehrreichen Versuch zu Hilfe, den ich bei
_Bernheim_ in _Nancy_ mitangesehen hatte. _Bernheim_ zeigte uns damals,
da die Personen, welche er in hypnotischen Somnambulismus versetzt und
in diesem Zustand allerlei hatte erleben lassen, die Erinnerung an das
somnambul Erlebte doch nur zum Schein verloren hatten, und da es
mglich war, bei ihnen diese Erinnerungen auch im Normalzustand zu
erwecken. Wenn er sie nach den somnambulen Erlebnissen befragte, so
behaupteten sie anfangs zwar, nichts zu wissen, aber wenn er nicht
nachgab, drngte, ihnen versicherte, sie wten es doch, so kamen die
vergessenen Erinnerungen jedesmal wieder.

So machte ich es also auch mit meinen Patienten. Wenn ich mit ihnen bis
zu einem Punkte gekommen war, an dem sie behaupteten, nichts weiter zu
wissen, so versicherte ich ihnen, sie wten es doch, sie sollten es nur
sagen, und ich getraute mich der Behauptung, da die Erinnerung die
richtige sein wrde, die ihnen in dem Moment kme, wenn ich meine Hand
auf ihre Stirn legte. Auf diese Weise gelang es mir, ohne Anwendung der
Hypnose, von den Kranken alles zu erfahren, was zur Herstellung des
Zusammenhangs zwischen den vergessenen pathogenen Szenen und den von
ihnen erbrigten Symptomen erforderlich war. Aber es war ein mhseliges,
ein auf die Dauer erschpfendes Verfahren, das sich fr eine endgltige
Technik, nicht eignen konnte.

Ich gab es jedoch nicht auf, ohne aus den dabei gemachten Wahrnehmungen
die entscheidenden Schlsse zu ziehen. Ich hatte es also besttigt
gefunden, da die vergessenen Erinnerungen nicht verloren waren. Sie
waren im Besitze des Kranken und bereit, in Assoziation an das von ihm
noch Gewute aufzutauchen, aber irgend eine Kraft hinderte sie daran,
bewut zu werden und ntigte sie, unbewut zu bleiben. Die Existenz
dieser Kraft konnte man mit Sicherheit annehmen, denn man versprte eine
ihr entsprechende Anstrengung, wenn man sich bemhte, im Gegensatz zu
ihr die unbewuten Erinnerungen ins Bewutsein des Kranken einzufhren.
Man bekam die Kraft, welche den krankhaften Zustand aufrecht erhielt,
als _Widerstand_ des Kranken zu spren.

Auf diese Idee des Widerstandes habe ich nun meine Auffassung der
psychischen Vorgnge bei der Hysterie gegrndet. Es hatte sich als
notwendig zur Herstellung erwiesen, diese Widerstnde aufzuheben; vom
Mechanismus der Heilung aus konnte man sich jetzt ganz bestimmte
Vorstellungen ber den Hergang bei der Erkrankung bilden. Dieselben
Krfte, die heute als Widerstand sich dem Bewutmachen des Vergessenen
widersetzten, muten seinerzeit dieses Vergessen bewirkt und die
betreffenden pathogenen Erlebnisse aus dem Bewutsein gedrngt haben.
Ich nannte diesen von mir supponierten Vorgang _Verdrngung_ und
betrachtete ihn als erwiesen durch die unleugbare Existenz des
_Widerstandes_.

Man konnte sich aber auch die Frage vorlegen, welches diese Krfte und
welche die Bedingungen der Verdrngung seien, in der wir nun den
pathogenen Mechanismus der Hysterie erkennen. Eine vergleichende
Untersuchung der pathogenen Situationen, die man durch die kathartische
Behandlung kennen gelernt hatte, gestattete hierauf Antwort zu geben.
Bei all diesen Erlebnissen hatte es sich darum gehandelt, da eine
Wunschregung aufgetaucht war, welche in scharfem Gegensatze zu den
sonstigen Wnschen des Individuums stand, sich als unvertrglich mit den
ethischen und sthetischen Ansprchen der Persnlichkeit erwies. Es
hatte einen kurzen Konflikt gegeben, und das Ende dieses inneren Kampfes
war, da die Vorstellung, welche als der Trger jenes unvereinbaren
Wunsches vor dem Bewutsein auftrat, der Verdrngung anheimfiel und mit
den zu ihr gehrigen Erinnerungen aus dem Bewutsein gedrngt und
vergessen wurde. Die Unvertrglichkeit der betreffenden Vorstellung mit
dem Ich des Kranken war also das Motiv der Verdrngung; die ethischen
und anderen Anforderungen des Individuums waren die verdrngenden
Krfte. Die Annahme der unvertrglichen Wunschregung oder die Fortdauer
des Konflikts htten hohe Grade von Unlust hervorgerufen; diese Unlust
wurde durch die Verdrngung erspart, die sich in solcher Art als eine
der Schutzvorrichtungen der seelischen Persnlichkeit erwies.

Ich will Ihnen anstatt vieler einen einzigen meiner Flle erzhlen, in
welchem Bedingungen und Nutzen der Verdrngung deutlich genug zu
erkennen sind. Freilich mu ich fr meinen Zweck auch diese
Krankengeschichte verkrzen und wichtige Voraussetzungen derselben bei
Seite lassen. Ein junges Mdchen, welches kurz vorher den geliebten
Vater verloren hatte, an dessen Pflege sie beteiligt gewesen war -- eine
Situation analog der bei der Patientin _Breuers_ --, brachte, als ihre
ltere Schwester sich verheiratete, dem neuen Schwager eine besondere
Sympathie entgegen, die sich leicht als verwandtschaftliche Zrtlichkeit
maskieren konnte. Diese Schwester erkrankte bald und starb, whrend die
Patientin mit ihrer Mutter abwesend war. Die Abwesenden wurden eiligst
zurckgerufen, ohne in sichere Kenntnis des schmerzlichen Ereignisses
gesetzt zu werden. Als das Mdchen an das Bett der toten Schwester trat,
tauchte fr einen kurzen Moment eine Idee in ihr auf, die sich etwa in
den Worten ausdrcken liee: _Jetzt ist er frei und kann mich heiraten._
Wir drfen als sicher annehmen, da diese Idee, welche die ihr selbst
nicht bewute intensive Liebe zum Schwager ihrem Bewutsein verriet,
durch den Aufruhr ihrer Gefhle im nchsten Moment der Verdrngung
berliefert wurde. Das Mdchen erkrankte an schweren hysterischen
Symptomen, und als ich sie in Behandlung genommen hatte, stellte es sich
heraus, da sie jene Szene am Bette der Schwester und die in ihr
auftretende hlich-egoistische Regung grndlich vergessen hatte. Sie
erinnerte sich daran in der Behandlung, reproduzierte den pathogenen
Moment unter den Anzeichen heftigster Gemtsbewegung und wurde durch
diese Behandlung gesund.

Vielleicht darf ich Ihnen den Vorgang der Verdrngung und deren
notwendige Beziehung zum Widerstand durch ein grobes Gleichnis
veranschaulichen, das ich gerade aus unserer gegenwrtigen Situation
herausgreifen will. Nehmen Sie an, hier in diesem Saale und in diesem
Auditorium, dessen musterhafte Ruhe und Aufmerksamkeit ich nicht genug
zu preisen wei, befnde sich doch ein Individuum, welches sich strend
benimmt und durch sein ungezogenes Lachen, Schwtzen, Scharren mit den
Fen meine Aufmerksamkeit von meiner Aufgabe abzieht. Ich erklre, da
ich so nicht weiter vortragen kann, und daraufhin erheben sich einige
krftige Mnner unter Ihnen und setzen den Strenfried nach kurzem
Kampfe vor die Tr. Er ist also jetzt verdrngt und ich kann meinen
Vortrag fortsetzen. Damit aber die Strung sich nicht wiederhole, wenn
der Herausgeworfene versucht, wieder in den Saal einzudringen, rcken
die Herren, welche meinen Willen zur Ausfhrung gebracht haben, ihre
Sthle an die Tre an und etablieren sich so als Widerstand nach
vollzogener Verdrngung. Wenn Sie nun noch die beiden Lokalitten hier
als das Bewute und das Unbewute aufs Psychische bertragen, so
haben Sie eine ziemlich gute Nachbildung des Vorgangs der Verdrngung
vor sich.

Sie sehen nun, worin der Unterschied unserer Auffassung von der
_Janet_schen gelegen ist. Wir leiten die psychische Spaltung nicht von
einer angeborenen Unzulnglichkeit zur Synthese des seelischen Apparats
ab, sondern erklren sie dynamisch durch den Konflikt widerstreitender
Seelenkrfte, erkennen in ihr das Ergebnis eines aktiven Strubens der
beiden psychischen Gruppierungen gegeneinander. Aus unserer Auffassung
erheben sich nun neue Fragestellungen in groer Anzahl. Die Situation
des psychischen Konflikts ist ja eine beraus hufige, ein Bestreben
des Ichs, sich peinlicher Erinnerung zu erwehren, wird ganz regelmig
beobachtet, ohne da es zum Ergebnis einer seelischen Spaltung fhrt.
Man kann den Gedanken nicht abweisen, da es noch anderer Bedingungen
bedarf, wenn der Konflikt die Dissoziation zur Folge haben soll. Ich
gebe Ihnen auch gern zu, da wir mit der Annahme der Verdrngung nicht
am Ende, sondern erst am Anfang einer psychologischen Theorie stehen,
aber wir knnen nicht anders als schrittweise vorrcken und mssen die
Vollendung der Erkenntnis weiterer und tiefer eindringender Arbeit
berlassen.

Unterlassen Sie auch den Versuch, den Fall der Patientin _Breuers_ unter
die Gesichtspunkte der Verdrngung zu bringen. Diese Krankengeschichte
eignet sich hiezu nicht, weil sie mit Hilfe der hypnotischen
Beeinflussung gewonnen worden ist. Erst, wenn Sie die Hypnose
ausschalten, knnen Sie die Widerstnde und Verdrngungen bemerken und
sich von dem wirklichen pathogenen Vorgang eine zutreffende Vorstellung
bilden. Die Hypnose verdeckt den Widerstand und macht ein gewisses
seelisches Gebiet frei zugnglich, dafr huft sie den Widerstand an den
Grenzen dieses Gebietes zu einem Walle auf, der alles Weitere
unzugnglich macht.

Das Wertvollste, was wir aus der _Breuer_schen Beobachtung gelernt
haben, waren die Aufschlsse ber den Zusammenhang der Symptome mit den
pathogenen Erlebnissen oder psychischen Traumen, und nun drfen wir
nicht versumen, diese Einsichten vom Standpunkte der Verdrngungslehre
zu wrdigen. Man sieht zunchst wirklich nicht ein, wie man von der
Verdrngung aus zur Symptombildung gelangen kann. Anstatt eine
komplizierte theoretische Ableitung zu geben, will ich an dieser Stelle
auf unser frher gebrauchtes Bild fr die Verdrngung zurckgreifen.
Denken Sie daran, mit der Entfernung des strenden Gesellen und der
Niederlassung der Wchter vor der Tre braucht die Angelegenheit nicht
beendigt zu sein. Es kann sehr wohl geschehen, da der Herausgeworfene,
der jetzt erbittert und ganz rcksichtslos geworden ist, uns weiter zu
schaffen gibt. Er ist zwar nicht mehr unter uns, wir sind seine
Gegenwart, sein hhnisches Lachen, seine halblauten Bemerkungen los
geworden, aber in gewisser Hinsicht ist die Verdrngung doch erfolglos
gewesen, denn er fhrt nun drauen einen unertrglichen Spektakel auf,
und sein Schreien und mit den Fusten an die Tre Pochen hemmt meinen
Vortrag mehr als frher sein unartiges Benehmen. Unter diesen
Verhltnissen wrden wir es mit Freuden begren mssen, wenn etwa unser
verehrter Prsident Dr. _Stanley Hall_ die Rolle des Vermittlers und
Friedensstifters bernehmen wollte. Er wrde mit dem ungebrdigen
Gesellen drauen sprechen und dann sich an uns mit der Aufforderung
wenden, ihn doch wieder einzulassen, er bernehme die Garantie, da sich
jener jetzt besser betragen werde. Auf Dr. _Halls_ Autoritt hin
entschlieen wir uns dazu, die Verdrngung wieder aufzuheben und nun
tritt wieder Ruhe und Frieden ein. Es ist dies wirklich keine unpassende
Darstellung der Aufgabe, die dem Arzt bei der psychoanalytischen
Therapie der Neurosen zufllt.

Um es jetzt direkter zu sagen: Wir kommen durch die Untersuchung der
hysterisch Kranken und anderer Neurotiker zur berzeugung, da ihnen die
Verdrngung der Idee, an welcher der unvertrgliche Wunsch hngt,
_milungen_ ist. Sie haben sie zwar aus dem Bewutsein und aus der
Erinnerung getrieben und sich anscheinend eine groe Summe Unlust
erspart, _aber im Unbewuten besteht die verdrngte Wunschregung
weiter_, lauert auf eine Gelegenheit, aktiviert zu werden, und versteht
es dann, eine entstellte und unkenntlich gemachte _Ersatzbildung_ fr
das Verdrngte ins Bewutsein zu schicken, an welche sich bald dieselben
Unlustempfindungen knpfen, die man durch die Verdrngung erspart
glaubte. Diese Ersatzbildung fr die verdrngte Idee -- das _Symptom_ --
ist gegen weitere Angriffe von Seiten des abwehrenden Ichs gefeit, und
an Stelle des kurzen Konflikts tritt jetzt ein in der Zeit nicht
endendes Leiden. An dem Symptom ist neben den Anzeichen der Entstellung
ein Rest von irgendwie vermittelter hnlichkeit mit der ursprnglich
verdrngten Idee zu konstatieren; die Wege, auf denen sich die
Ersatzbildung vollzog, lassen sich whrend der psychoanalytischen
Behandlung des Kranken aufdecken, und zu seiner Heilung ist es
notwendig, da das Symptom auf diesen nmlichen Wegen wieder in die
verdrngte Idee bergefhrt werde. Ist das Verdrngte wieder der
bewuten Seelenttigkeit zugefhrt, was die berwindung betrchtlicher
Widerstnde voraussetzt, so kann der so entstandene psychische
_Konflikt_, den der Kranke vermeiden wollte, unter der Leitung des
Arztes einen besseren Ausgang finden, als ihn die Verdrngung bot. Es
gibt mehrere solcher zweckmiger Erledigungen, welche Konflikt und
Neurose zum glcklichen Ende fhren, im einzelnen Falle auch miteinander
kombiniert erzielt werden knnen. Entweder wird die Persnlichkeit des
Kranken berzeugt, da sie den pathogenen Wunsch mit Unrecht abgewiesen
hat, und veranlat, ihn ganz oder teilweise zu akzeptieren, oder dieser
Wunsch wird selbst auf ein hheres und darum einwandfreies Ziel geleitet
(was man seine _Sublimierung_ heit), oder man erkennt seine Verwerfung
als zu Recht bestehend an, ersetzt aber den automatischen und darum
unzureichenden Mechanismus der Verdrngung durch eine Verurteilung mit
Hilfe der hchsten geistigen Leistungen des Menschen; man erreicht seine
bewute Beherrschung.

Verzeihen Sie mir, wenn es mir nicht gelungen ist, Ihnen diese
Hauptgesichtspunkte der nun _Psychoanalyse_ genannten Behandlungsmethode
klarer falich darzustellen. Die Schwierigkeiten liegen nicht nur in der
Neuheit des Gegenstandes. Welcher Art die unvertrglichen Wnsche sind,
die sich trotz der Verdrngung aus dem Unbewuten vernehmbar zu machen
verstehen, und welche subjektiven oder konstitutionellen Bedingungen bei
einer Person zutreffen mssen, damit sich ein solches Milingen der
Verdrngung und eine Ersatz- oder Symptombildung vollziehe, darber
werden noch einige sptere Bemerkungen Aufschlu geben.




                                  III.


Meine Damen und Herren! Es ist nicht immer leicht die Wahrheit zu sagen,
besonders wenn man kurz sein mu, und so bin ich heute gentigt, eine
Unrichtigkeit zu korrigieren, die ich in meinem letzten Vortrag
vorgebracht habe. Ich sagte Ihnen, wenn ich unter Verzicht auf die
Hypnose in meine Kranken drang, mir doch mitzuteilen, was ihnen zu dem
eben behandelten Problem einfiele; sie wten ja doch alles angeblich
Vergessene, und der auftauchende Einfall werde gewi das Gesuchte
enthalten, so machte ich tatschlich die Erfahrung, da der nchste
Einfall meines Kranken das richtige brachte und sich als die vergessene
Fortsetzung der Erinnerung erwies. Nun, das ist nicht allgemein richtig;
ich habe es nur der Abkrzung halber so einfach dargestellt. In
Wirklichkeit traf es nur die ersten Male zu, da sich das richtige
Vergessene durch einfaches Drngen von meiner Seite einstellte. Setzte
man das Verfahren fort, so kamen jedesmal Einflle, die nicht die
richtigen sein konnten, weil sie nicht passend waren, und die die
Kranken selbst als unrichtig verwarfen. Das Drngen brachte hier keine
weitere Hilfe, und man konnte wieder bedauern, die Hypnose aufgegeben zu
haben.

In diesem Stadium der Ratlosigkeit klammerte ich mich an ein Vorurteil,
dessen wissenschaftliche Berechtigung Jahre spter durch meinen Freund
C. G. _Jung_ in Zrich und seine Schler erwiesen wurde. Ich mu
behaupten, es ist manchmal recht ntzlich, Vorurteile zu haben. Ich
brachte eine hohe Meinung von der Strenge der Determinierung seelischer
Vorgnge mit und konnte nicht daran glauben, da ein Einfall des
Kranken, den er bei gespannter Aufmerksamkeit produzierte, ganz
willkrlich und auer Beziehung zu der von uns gesuchten vergessenen
Vorstellung sei; da er mit dieser nicht identisch war, lie sich aus
der vorausgesetzten psychologischen Situation befriedigend erklren. In
dem behandelten Kranken wirkten zwei Krfte gegen einander, einerseits
sein bewutes Bestreben, das in seinem Unbewuten vorhandene Vergessene
ins Bewutsein zu ziehen, anderseits der uns bekannte Widerstand, der
sich gegen solches Bewutwerden des Verdrngten oder seiner Abkmmlinge
strubte. War dieser Widerstand gleich Null oder sehr gering, so wurde
das Vergessene ohne Entstellung bewut; es lag also nahe, anzunehmen,
da die Entstellung des Gesuchten um so grer ausfallen werde, je
grer der Widerstand gegen das Bewutwerden des Gesuchten sei. Der
Einfall des Kranken, der anstatt des Gesuchten kam, war also selbst
entstanden wie ein Symptom; er war eine neue, knstliche und ephemere
Ersatzbildung fr das Verdrngte, und demselben um so unhnlicher, eine
je grere Entstellung er unter dem Einflu des Widerstandes erfahren
hatte. Er mute aber doch eine gewisse hnlichkeit mit dem Gesuchten
aufweisen, kraft seiner Natur als Symptom, und bei nicht zu intensivem
Widerstand mute es mglich sein, aus dem Einfall das verborgene
Gesuchte zu erraten. Der Einfall mute sich zum verdrngten Element
verhalten wie eine Anspielung, wie eine Darstellung desselben in
_indirekter_ Rede.

Wir kennen auf dem Gebiete des normalen Seelenlebens Flle, in denen
analoge Situationen wie die von uns angenommene auch hnliche Ergebnisse
liefern. Ein solcher Fall ist der des _Witzes_. Durch die Probleme der
psychoanalytischen Technik bin ich denn auch gentigt worden, mich mit
der Technik der Witzbildung zu beschftigen. Ich will Ihnen ein einziges
solches Beispiel erlutern, brigens einen Witz in englischer Sprache.

Die Anekdote erzhlt:[10] Zwei wenig skrupulsen Geschftsleuten war es
gelungen, sich durch eine Reihe recht gewagter Unternehmungen ein groes
Vermgen zu erwerben, und nun ging ihr Bemhen dahin, sich der guten
Gesellschaft aufzudrngen. Unter anderem erschien es ihnen als ein
zweckmiges Mittel, sich von dem vornehmsten und teuersten Maler der
Stadt, dessen Bilder als Ereignisse betrachtet wurden, malen zu lassen.
Auf einer groen Soiree wurden die kostbaren Bilder zuerst gezeigt, und
die beiden Hausherren fhrten selbst den einflureichsten Kunstkenner
und Kritiker zur Wand des Salons, auf welcher die beiden Portraits
nebeneinander aufgehngt waren, um ihm sein bewunderndes Urteil zu
entlocken. Der sah die Bilder lange Zeit an, schttelte dann den Kopf,
als ob er etwas vermissen wrde, und fragte blo, auf den freien Raum
zwischen beiden Bildern deutend: And where is the Saviour? Ich sehe,
Sie lachen alle ber diesen guten Witz, in dessen Verstndnis wir nun
eindringen wollen. Wir verstehen, da der Kunstkenner sagen will: Ihr
seid ein Paar Spitzbuben, wie die, zwischen denen man den Heiland ans
Kreuz hngte. Aber er sagt es nicht, anstatt dessen uert er etwas, was
zunchst sonderbar unpassend und nicht dazu gehrig scheint, was wir
aber im nchsten Moment als eine _Anspielung_ auf die von ihm
beabsichtigte Beschimpfung und als einen vollgltigen Ersatz fr
dieselbe erkennen. Wir knnen nicht erwarten, da sich beim Witz alle
die Verhltnisse widerfinden lassen, die wir bei der Entstehung des
Einfalles bei unseren Patienten vermuten, aber auf die Identitt in der
Motivierung von Witz und Einfall wollen wir Gewicht legen. Warum sagt
unser Kritiker den beiden Spitzbuben nicht direkt, was er ihnen sagen
mchte? Weil neben seinem Gelste, es ihnen unverhllt ins Gesicht zu
sagen, sehr gute Gegenmotive in ihm wirksam sind. Es ist nicht
ungefhrlich, Leute zu beleidigen, bei denen man zu Gaste ist, und die
ber die krftigen Fuste einer zahlreichen Dienerschaft verfgen. Man
kann leicht jenem Schicksal verfallen, das ich im vorigen Vortrag in
eine Analogie mit der Verdrngung brachte. Aus diesem Grunde bringt
der Kritiker die beabsichtigte Beschimpfung nicht direkt, sondern in
entstellter Form als eine Anspielung mit Auslassung zum Ausdruck, und
dieselbe Konstellation verschuldet es nach unserer Meinung, da unser
Patient, anstatt des gesuchten Vergessenen, einen mehr oder minder
entstellten _Ersatzeinfall_ produziert.

     [10] Der Witz und seine Beziehung zum Unbewuten. Fr. Deuticke,
     Wien 1905 (p. 59).

Meine Damen und Herren! Es ist recht zweckmig, eine Gruppe von
zusammengehrigen, mit Affekt besetzten Vorstellungselementen nach dem
Vorgang der _Zricher_ Schule (_Bleuler_, _Jung_ u. a.) als einen
_Komplex_ zu bezeichnen. Wir sehen also, wenn wir bei einem Kranken,
von dem letzten, was er noch erinnert, ausgehen, um einen verdrngten
Komplex zu suchen, so haben wir alle Aussicht, diesen zu erraten, wenn
uns der Kranke eine gengende Anzahl seiner freien Einflle zur
Verfgung stellt. Wir lassen also den Kranken reden, was er will, und
halten an der Voraussetzung fest, da ihm nichts anderes einfallen kann,
als was in indirekter Weise von dem gesuchten Komplex abhngt. Erscheint
Ihnen dieser Weg, das Verdrngte aufzufinden, allzu umstndlich, so kann
ich Ihnen wenigstens die Versicherung geben, da er der einzig gangbare
ist.

Wenn wir diese Technik ausben, so werden wir noch durch die Tatsache
gestrt, da der Kranke hufig inne hlt, in Stockungen gert und
behauptet, er wisse nichts zu sagen, es falle ihm berhaupt nichts ein.
Trfe dies zu und htte der Kranke recht, so wre unser Verfahren
wiederum als unzulnglich erwiesen. Allein eine feinere Beobachtung
zeigt, da ein solches Versagen der Einflle eigentlich nie eintritt.
Dieser Anschein kommt nur dadurch zu stande, da der Kranke den
wahrgenommenen Einfall unter dem Einflu der Widerstnde, die sich in
verschiedene kritische Urteile ber den Wert des Einfalls kleiden,
zurckhlt oder wieder beseitigt. Man schtzt sich dagegen, indem man
ihm dieses Verhalten vorhersagt und von ihm fordert, da er sich um
diese Kritik nicht kmmere. Er soll unter vlligem Verzicht auf solche
kritische Auswahl alles sagen, was ihm in den Sinn kommt, auch wenn er
es fr unrichtig, fr nicht dazu gehrig, fr unsinnig hlt, vor allem
auch dann, wenn es ihm unangenehm ist, sein Denken mit dem Einfall zu
beschftigen. Durch die Befolgung dieser Vorschrift sichern wir uns das
Material, welches uns auf die Spur der verdrngten Komplexe fhrt.

Dies Material von Einfllen, welche der Kranke geringschtzend von sich
weist, wenn er unter dem Einflsse des Widerstandes anstatt unter dem
des Arztes steht, stellt fr den Psychoanalytiker gleichsam das Erz dar,
dem er mit Hilfe von einfachen Deutungsknsten seinen Gehalt an
wertvollem Metall entzieht. Wollen Sie sich bei einem Kranken eine
rasche und vorlufige Kenntnis der verdrngten Komplexe schaffen, ohne
noch auf deren Anordnung und Verknpfung einzugehen, so bedienen Sie
sich dazu der Prfung mit dem _Assoziationsexperiment_, wie sie
_Jung_[11] und seine Schler ausgebildet haben. Dies Verfahren leistet
dem Psychoanalytiker so viel wie die qualitative Analyse dem Chemiker;
es ist in der Therapie der neurotisch Kranken entbehrlich, unentbehrlich
aber zur objektiven Demonstration der Komplexe und bei der Untersuchung
der Psychosen, die von der Zricher Schule so erfolgreich in Angriff
genommen worden ist.

     [11] C. G. _Jung_, Diagnostische Assoziationsstudien, I. Bd., 1906.

Die Bearbeitung der Einflle, welche sich dem Patienten ergeben, wenn er
sich der psychoanalytischen Hauptregel unterwirft, ist nicht das einzige
unserer technischen Mittel zur Erschlieung des Unbewuten. Dem gleichen
Zwecke dienen zwei andere Verfahren, die Deutung seiner Trume und die
Verwertung seiner Fehl- und Zufallshandlungen.

Ich gestehe Ihnen, meine geehrten Zuhrer, da ich lange geschwankt
habe, ob ich Ihnen anstatt dieser gedrngten bersicht ber das ganze
Gebiet der Psychoanalyse nicht lieber eine ausfhrliche Darstellung der
_Traumdeutung_ bieten soll. Ein rein subjektives und anscheinend
sekundres Motiv hat mich davon zurckgehalten. Es erschien mir fast
anstig, in diesem praktischen Zielen zugewendeten Lande als
Traumdeuter aufzutreten, ehe Sie noch wissen konnten, auf welche
Bedeutung diese veraltete und verspottete Kunst Anspruch erheben kann.
Die Traumdeutung ist in Wirklichkeit die Via Regia zur Kenntnis des
Unbewuten, die sicherste Grundlage der Psychoanalyse und jenes Gebiet,
auf welchem jeder Arbeiter seine berzeugung zu gewinnen und seine
Ausbildung anzustreben hat. Wenn ich gefragt werde, wie man
Psychoanalytiker werden kann, so antworte ich, durch das Studium seiner
eigenen Trume. Mit richtigem Takt sind alle Gegner der Psychoanalyse
bisher einer Wrdigung der Traumdeutung[12] ausgewichen oder haben mit
den seichtesten Einwendungen ber sie hinwegzukommen getrachtet. Wenn
Sie im Gegenteile die Lsungen der Probleme des Traumlebens anzunehmen
vermgen, werden Ihnen die Neuheiten, welche die Psychoanalyse Ihrem
Denken zumutet, keine Schwierigkeiten mehr bieten.

     [12] Die Traumdeutung, 2. Aufl., Fr. Deuticke, Wien 1909.

Vergessen Sie nicht daran, da unsere nchtlichen Traumproduktionen
einerseits die grte uere hnlichkeit und innere Verwandtschaft mit
den Schpfungen der Geisteskrankheiten zeigen, anderseits aber mit der
vollen Gesundheit des Wachlebens vertrglich sind. Es ist keine absurd
klingende Behauptung, da, wer jenen normalen Sinnestuschungen,
Wahnideen und Charakternderungen Verwunderung anstatt Verstndnis
entgegenbringt, auch nicht die leiseste Aussicht hat, die abnormen
Bildungen krankhafter Seelenzustnde anders als im laienhaften Sinne zu
begreifen. Zu diesen Laien drfen Sie heute getrost fast alle Psychiater
zhlen. Folgen Sie mir nun auf einem flchtigen Streifzug durch das
Gebiet der Traumprobleme.

Wir pflegen, wenn wir erwacht sind, die Trume so verchtlich zu
behandeln, wie der Patient die Einflle, die der Psychoanalytiker von
ihm fordert. Wir weisen sie aber auch von uns ab, indem wir sie in der
Regel rasch und vollstndig vergessen. Unsere Geringschtzung grndet
sich auf den fremdartigen Charakter selbst jener Trume, die nicht
verworren und unsinnig sind, und auf die evidente Absurditt und
Sinnlosigkeit anderer Trume; unsere Abweisung beruft sich auf die
ungehemmt schamlosen und unmoralischen Strebungen, die in manchen
Trumen offen zu Tage treten. Das Altertum hat diese Geringschtzung der
Trume bekanntlich nicht geteilt. Die niederen Schichten unseres Volkes
lassen sich in der Wertschtzung der Trume auch heute nicht irre
machen; sie erwarten von ihnen wie die Alten die Enthllung der Zukunft.

Ich bekenne, da ich kein Bedrfnis nach mystischen Annahmen zur
Ausfllung der Lcken unserer gegenwrtigen Erkenntnis habe, und darum
habe ich auch nie etwas finden knnen, was eine prophetische Natur der
Trume besttigte. Es lt sich viel andersartiges, was auch wunderbar
genug ist, ber die Trume sagen.

Zunchst, nicht alle Trume sind dem Trumer wesensfremd, unverstndlich
und verworren. Wenn Sie die Trume jngster Kinder, von 1 Jahren an,
Ihrer Betrachtung unterziehen wollen, so finden sie dieselben ganz
simpel und leicht aufzuklren. Das kleine Kind trumt immer die
Erfllung von Wnschen, die der Tag vorher in ihm erweckt und nicht
befriedigt hat. Sie bedrfen keiner Deutungskunst, um diese einfache
Lsung zu finden, sondern nur der Erkundigung nach den Erlebnissen des
Kindes am Vortag (Traumtag). Es wre nun gewi die befriedigendste
Lsung des Traumrtsels, wenn auch die Trume der Erwachsenen nichts
anderes wren als die der Kinder, Erfllungen von Wunschregungen, die
ihnen der Traumtag gebracht hat. So ist es auch in Wirklichkeit; die
Schwierigkeiten, welche dieser Lsung im Wege stehen, lassen sich durch
eine eingehendere Analyse der Trume schrittweise beseitigen.

Da ist vor allem die erste und gewichtigste Einwendung, da die Trume
Erwachsener gewhnlich einen unverstndlichen Inhalt haben, der am
wenigsten etwas von Wunscherfllung erkennen lt. Die Antwort lautet
hier: Diese Trume haben eine Entstellung erfahren; der psychische
Vorgang, der ihnen zu Grunde liegt, htte ursprnglich ganz anderen
Ausdruck in Worten finden sollen. Sie mssen den _manifesten
Trauminhalt_, wie Sie ihn am Morgen verschwommen erinnern und mhselig,
anscheinend willkrlich, in Worte kleiden, unterscheiden von den
_latenten Traumgedanken_, die Sie im Unbewuten vorhanden anzunehmen
haben. Diese Traumentstellung ist derselbe Vorgang, den Sie bei der
Untersuchung der Bildung hysterischer Symptome kennen gelernt haben; sie
weist auch darauf hin, da das gleiche Gegenspiel der seelischen Krfte
bei der Traumbildung wie bei der Symptombildung beteiligt ist. Der
manifeste Trauminhalt ist der entstellte Ersatz fr die unbewuten
Traumgedanken, und diese Entstellung ist das Werk von abwehrenden
Krften des Ichs, Widerstnden, welche den verdrngten Wnschen des
Unbewuten den Zugang zum Bewutsein im Wachleben berhaupt verwehren,
in der Herabsetzung des Schlafzustandes aber wenigstens noch so stark
sind, da sie ihnen eine verhllende Vermummung aufntigen. Der Trumer
erkennt dann den Sinn seiner Trume ebenso wenig wie der Hysterische die
Beziehung und Bedeutung seiner Symptome.

Da es latente Traumgedanken gibt und da zwischen ihnen und dem
manifesten Trauminhalt wirklich die eben beschriebene Relation besteht,
davon berzeugen Sie sich bei der Analyse der Trume, deren Technik mit
der psychoanalytischen zusammenfllt. Sie sehen von dem scheinbaren
Zusammenhang der Elemente im manifesten Traum ganz ab und suchen sich
die Einflle zusammen, die sich bei freier Assoziation nach der
psychoanalytischen Arbeitsregel zu jedem einzelnen Traumelement ergeben.
Aus diesem Material erraten Sie die latenten Traumgedanken ganz so, wie
Sie aus den Einfllen des Kranken zu seinen Symptomen und Erinnerungen
seine versteckten Komplexe erraten haben. An den so gefundenen latenten
Traumgedanken ersehen Sie ohne weiteres, wie vollberechtigt die
Rckfhrung der Trume Erwachsener auf die Kindertrume ist. Was sich
jetzt als der eigentliche Sinn des Traumes dem manifesten Trauminhalt
substituiert, das ist immer klar verstndlich, knpft an die
Lebenseindrcke des Vortages an, erweist sich als eine Erfllung
unbefriedigter Wnsche. Den manifesten Traum, den Sie aus der Erinnerung
beim Erwachen kennen, knnen Sie dann nur beschreiben als eine
_verkappte_ Erfllung _verdrngter_ Wnsche.

Sie knnen durch eine Art von synthetischer Arbeit jetzt auch Einsicht
nehmen in den Proze, der die Entstellung der unbewuten Traumgedanken
zum manifesten Trauminhalt herbeigefhrt hat. Wir heien diesen Proze
die Traumarbeit. Derselbe verdient unser vollstes theoretisches
Interesse, weil wir an ihm wie sonst nirgends studieren knnen, welche
ungeahnten psychischen Vorgnge im Unbewuten, oder genau ausgedrckt,
_zwischen_ zwei gesonderten psychischen Systemen wie dem Bewuten und
dem Unbewuten, mglich sind. Unter diesen neu erkannten psychischen
Vorgngen heben sich die der _Verdichtung_ und der _Verschiebung_
auffllig heraus. Die Traumarbeit ist ein Spezialfall der Einwirkungen
verschiedener seelischer Gruppierungen aufeinander, also der Erfolge der
seelischen Spaltung, und sie scheint in allem Wesentlichen identisch mit
jener Entstellungsarbeit, welche die verdrngten Komplexe bei
miglckender Verdrngung in Symptome verwandelt.

Sie werden ferner bei der Analyse der Trume, am berzeugendsten Ihrer
eigenen, mit Verwunderung die ungeahnt groe Rolle entdecken, welche
Eindrcke und Erlebnisse frher Jahre der Kindheit auf die Entwicklung
des Menschen nehmen. Im Traumleben setzt das Kind im Menschen gleichsam
seine Existenz mit Erhaltung all seiner Eigentmlichkeiten und
Wunschregungen, auch der im spteren Leben unbrauchbar gewordenen, fort.
Mit unabweislicher Macht drngt sich Ihnen auf, durch welche
Entwicklungen, Verdrngungen, Sublimierungen und Reaktionsbildungen aus
dem ganz anders beanlagten Kind der sogenannt normale Mensch, der
Trger und zum Teil das Opfer der mhsam errungenen Kultur, hervorgeht.

Auch darauf will ich sie aufmerksam machen, da wir bei der Analyse der
Trume gefunden haben, das Unbewute bediene sich, insbesondere fr die
Darstellung sexueller Komplexe, einer gewissen Symbolik, die zum Teil
individuell variabel, zum anderen Teil aber typisch festgelegt ist, und
die sich mit der Symbolik zu decken scheint, die wir hinter unseren
Mythen und Mrchen vermuten. Es wre nicht unmglich, da die letzteren
Schpfungen der Vlker ihre Aufklrung vom Traume her empfangen knnten.

Endlich mu ich Sie mahnen, da Sie sich nicht durch den Einwand irre
machen lassen, das Vorkommen von Angsttrumen widerspreche unserer
Auffassung des Traumes als Wunscherfllung. Abgesehen davon, da auch
diese Angsttrume der Deutung bedrfen, ehe man ber sie urteilen kann,
mu man ganz allgemein sagen, da die Angst nicht so einfach am
Trauminhalt hngt, wie man's sich ohne weitere Kenntnis und Rcksicht
auf die Bedingungen der neurotischen Angst vorstellt. Die Angst ist eine
der Ablehnungsreaktionen des Ichs gegen stark gewordene verdrngte
Wnsche, und daher auch im Traume sehr gut erklrlich, wenn die
Traumbildung sich zu sehr in den Dienst der Erfllung dieser verdrngten
Wnsche gestellt hat.

Sie sehen, die Traumerforschung wre an sich durch die Aufschlsse
gerechtfertigt, die sie ber sonst schwer wibare Dinge liefert. Wir
sind aber im Zusammenhange mit der psychoanalytischen Behandlung der
Neurotiker zu ihr gelangt. Nach dem bisher Gesagten knnen Sie leicht
verstehen, wie die Traumdeutung, wenn sie nicht durch die Widerstnde
des Kranken allzu sehr erschwert wird, zur Kenntnis der versteckten und
verdrngten Wnsche des Kranken und der von ihnen genhrten Komplexe
fhrt, und ich kann zur dritten Gruppe von seelischen Phnomenen
bergehen, deren Studium zum technischen Mittel fr die Psychoanalyse
geworden ist.

Es sind dies die kleinen Fehlhandlungen normaler wie nervser Menschen,
denen man sonst keine Bedeutung beizulegen pflegt, das Vergessen von
Dingen, die sie wissen knnten und andere Male auch wirklich wissen
(z. B. das zeitweilige Entfallen von Eigennamen), das Versprechen in der
Rede, das sich uns selbst so hufig ereignet, das analoge Verschreiben
und Verlesen, das Vergreifen bei Verrichtungen und das Verlieren oder
Zerbrechen von Gegenstnden u. dgl., lauter Dinge, fr die man eine
psychologische Determinierung sonst nicht sucht, und die man als
zufllige Ergebnisse, als Erfolge der Zerstreutheit, Unaufmerksamkeit
und hnlicher Bedingungen unbeanstandet passieren lt. Dazu kommen noch
die Handlungen und Gesten, welche die Menschen ausfhren, ohne sie
berhaupt zu bemerken, geschweige denn, da sie ihnen seelisches Gewicht
beilegten, wie das Spielen, Tndeln mit Gegenstnden, das Summen von
Melodien, das Hantieren am eigenen Krper und an dessen Bekleidung und
hnliches.[13] Diese kleinen Dinge, die _Fehlhandlungen_ wie die
_Symptom-_ und _Zufallshandlungen_, sind nicht so bedeutungslos, wie man
durch eine Art von stillschweigendem bereinkommen anzunehmen bereit
ist. Sie sind durchaus sinnvoll, aus der Situation, in der sie
vorfallen, meist leicht und sicher zu deuten, und es stellt sich heraus,
da sie wiederum Impulsen und Absichten Ausdruck geben, die
zurckgestellt, dem eigenen Bewutsein verborgen werden sollen, oder da
sie geradezu den nmlichen verdrngten Wunschregungen und Komplexen
entstammen, die wir bereits als die Schpfer der Symptome und die
Bildner der Trume kennen gelernt haben. Sie verdienen also die
Wrdigung von Symptomen, und ihre Beachtung kann wie die der Trume zur
Aufdeckung des Verborgenen im Seelenleben fhren. Mit ihrer Hilfe verrt
der Mensch in der Regel die intimsten seiner Geheimnisse. Wenn sie
besonders leicht und hufig zu stande kommen, selbst beim Gesunden, dem
die Verdrngung seiner unbewuten Regungen im ganzen gut gelungen ist,
so haben sie es ihrer Geringfgigkeit und Unscheinbarkeit zu danken.
Aber sie drfen hohen theoretischen Wert beanspruchen, da sie uns die
Existenz der Verdrngung und Ersatzbildung auch unter den Bedingungen
der Gesundheit erweisen.

     [13] Zur Psychopathologie des Alltagslebens. 3. Aufl., 1910,
     S. _Karger_, Berlin.

Sie merken es bereits, da sich der Psychoanalytiker durch einen
besonders strengen Glauben an die Determinierung des Seelenlebens
auszeichnet. Fr ihn gibt es in den psychischen uerungen nichts
Kleines, nichts Willkrliches und Zuflliges, er erwartet berall dort
eine ausreichende Motivierung, wo man gewhnlich eine solche Forderung
nicht erhebt; ja er ist auf eine _mehrfache Motivierung_ desselben
seelischen Effekts vorbereitet, whrend unser angeblich eingeborenes
Kausalbedrfnis sich mit einer einzigen psychischen Ursache fr
befriedigt erklrt.

Halten Sie nun zusammen, was wir an Mitteln zur Aufdeckung des
Verborgenen, Vergessenen, Verdrngten im Seelenleben besitzen, das
Studium der hervorgerufenen Einflle der Patienten bei freier
Assoziation, ihrer Trume und ihrer Fehl- und Symptomhandlungen; fgen
Sie noch hinzu die Verwertung anderer Phnomene, die sich whrend der
psychoanalytischen Behandlung ergeben, ber die ich spter unter dem
Schlagwort der bertragung einige Bemerkungen machen werde, so werden
Sie mit mir zu dem Schlusse kommen, da unsere Technik bereits wirksam
genug ist, um ihre Aufgabe lsen zu knnen, um das pathogene psychische
Material dem Bewutsein zuzufhren und so die durch die Bildung von
Ersatzsymptomen hervorgerufenen Leiden zu beseitigen. Da wir whrend
der therapeutischen Bemhungen unsere Kenntnis vom Seelenleben der
normalen und der kranken Menschen bereichern und vertiefen, kann gewi
nur als ein besonderer Reiz und Vorzug dieser Arbeit eingeschtzt
werden.

Ich wei nicht, ob Sie den Eindruck empfangen haben, da die Technik,
durch deren Arsenal ich Sie eben gefhrt habe, eine besonders schwierige
ist. Ich meine, sie ist dem Gegenstande, den sie bewltigen soll,
durchaus angemessen. Aber so viel ist sicher, da sie nicht
selbstverstndlich ist, da sie erlernt werden mu wie die histologische
oder die chirurgische. Es wird Sie vielleicht verwundern, zu hren, da
wir in Europa eine Menge von Urteilen ber die Psychoanalyse von
Personen gehrt haben, die von dieser Technik nichts wissen und sie
nicht anwenden, und dann von uns wie im Hohne verlangten, wir sollten
ihnen die Richtigkeit unserer Resultate beweisen. Es sind unter diesen
Widersachern gewi auch Personen, denen wissenschaftliche Denkweise
sonst nicht fremd ist, die z. B. ein Ergebnis mikroskopischer
Untersuchung nicht darum verwerfen wrden, weil es am anatomischen
Prparat nicht mit freiem Auge zu besttigen ist, und nicht eher, als
bis sie den Sachverhalt selbst mit Hilfe des Mikroskops beurteilt haben.
Aber in Sachen der Psychoanalyse liegen die Verhltnisse wirklich
ungnstiger fr die Anerkennung. Die Psychoanalyse will das im
Seelenleben Verdrngte zur bewuten Anerkennung bringen, und jeder, der
sie beurteilt, ist selbst ein Mensch, der solche Verdrngungen besitzt,
vielleicht sie nur mhsam aufrecht erhlt. Sie mu also bei ihm
denselben Widerstand hervorrufen, den sie bei den Kranken weckt, und
dieser Widerstand hat es leicht, sich in intellektuelle Ablehnung zu
verkleiden und Argumente herbeizuziehen, hnlich wie die, welche wir bei
unseren Kranken mit der psychoanalytischen Grundregel abwehren. Wie bei
unseren Kranken, so knnen wir auch bei unseren Gegnern hufig eine sehr
auffllige affektive Beeinflussung des Urteilsvermgens im Sinne einer
Herabsetzung konstatieren. Der Dnkel des Bewutseins, der z. B. den
Traum so geringschtzig verwirft, gehrt zu den strksten
Schutzeinrichtungen, die in uns ganz allgemein gegen das Durchdringen
der unbewuten Komplexe vorgesehen sind, und darum ist es so schwierig,
die Menschen zur berzeugung von der Realitt des Unbewuten zu bringen
und sie Neues kennen zu lehren, was ihrer bewuten Kenntnis
widerspricht.




                                  IV.


Meine Damen und Herren! Sie werden nun zu wissen verlangen, was wir mit
Hilfe der beschriebenen technischen Mittel ber die pathogenen Komplexe
und verdrngten Wunschregungen der Neurotiker in Erfahrung gebracht
haben.

Nun vor allem eines: Die psychoanalytische Forschung fhrt mit wirklich
berraschender Regelmigkeit die Leidenssymptome der Kranken auf
Eindrcke aus ihrem Liebesleben zurck, zeigt uns, da die pathogenen
Wunschregungen von der Natur erotischer Triebkomponenten sind, und
ntigt uns anzunehmen, da Strungen der Erotik die grte Bedeutung
unter den zur Erkrankung fhrenden Einflssen zugesprochen werden mu,
und dies zwar bei beiden Geschlechtern.

Ich wei, diese Behauptung wird mir nicht gerne geglaubt. Selbst solche
Forscher, die meinen psychologischen Arbeiten bereitwillig folgen, sind
geneigt zu meinen, da ich den tiologischen Anteil der sexuellen
Momente berschtze, und wenden sich an mich mit der Frage, warum denn
nicht auch andere seelische Erregungen zu den beschriebenen Phnomenen
der Verdrngung und Ersatzbildung Anla geben sollen. Nun ich kann
antworten: Ich wei nicht, warum sie es nicht sollten, habe auch nichts
dagegen, aber die Erfahrung zeigt, da sie solche Bedeutung nicht haben,
da sie hchstens die Wirkung der sexuellen Momente untersttzen, nie
aber die letzteren ersetzen knnen. Dieser Sachverhalt wurde von mir
nicht etwa theoretisch postuliert; noch in den 1895 mit Dr. J. _Breuer_
publizierten Studien ber Hysterie stand ich nicht auf diesem
Standpunkte; ich mute mich zu ihm bekehren, als meine Erfahrungen
zahlreicher wurden und tiefer in den Gegenstand eindrangen. Meine
Herren! Es befinden sich hier unter Ihnen einige meiner nchsten Freunde
und Anhnger, die die Reise nach Worcester mit mir gemacht haben. Fragen
Sie bei ihnen an und Sie werden hren, da sie alle der Behauptung von
der magebenden Bedeutung der sexuellen tiologie zuerst vollen
Unglauben entgegenbrachten, bis sie durch ihre eigenen analytischen
Bemhungen gentigt wurden, sie zu der ihrigen zu machen.

Die berzeugung von der Richtigkeit des in Rede stehenden Satzes wird
durch das Benehmen der Patienten nicht gerade erleichtert. Anstatt uns
die Ausknfte ber ihr Sexualleben bereitwillig entgegenzubringen,
suchen sie dieses mit allen Mitteln zu verbergen. Die Menschen sind
berhaupt nicht aufrichtig in sexuellen Dingen. Sie zeigen ihre
Sexualitt nicht frei, sondern tragen eine dicke Oberkleidung aus --
Lgengewebe zu ihrer Verhllung, als ob es schlechtes Wetter gbe in
der Welt der Sexualitt. Und sie haben nicht unrecht, Sonne und Wind
sind in unserer Kulturwelt der sexuellen Bettigung wirklich nicht
gnstig; eigentlich kann niemand von uns seine Erotik frei den anderen
enthllen. Wenn Ihre Patienten aber erst gemerkt haben, da sie sich's
in Ihrer Behandlung behaglich machen drfen, dann legen sie jene
Lgenhlle ab, und dann erst sind Sie in der Lage, sich ein Urteil ber
unsere Streitfrage zu bilden. Leider sind auch die rzte in ihrem
persnlichen Verhltnis zu den Fragen des Sexuallebens vor anderen
Menschenkindern nicht bevorzugt, und viele von ihnen stehen unter dem
Banne jener Vereinigung von Prderie und Lsternheit, welche das
Verhalten der meisten Kulturmenschen in Sachen der Sexualitt
beherrscht.

Lassen Sie uns nun in der Mitteilung unserer Ergebnisse fortfahren. In
einer anderen Reihe von Fllen fhrt die psychoanalytische Erforschung
die Symptome allerdings nicht auf sexuelle, sondern auf banale
traumatische Erlebnisse zurck. Aber diese Unterscheidung wird durch
einen anderen Umstand bedeutungslos. Die zur grndlichen Aufklrung und
endgltigen Herstellung eines Krankheitsfalles erforderliche
Analysenarbeit macht nmlich in keinem Falle bei den Erlebnissen der
Erkrankungszeit Halt, sondern sie geht in allen Fllen bis in die
Pubertt und in die frhe Kindheit des Erkrankten zurck, um erst dort
auf die fr die sptere Erkrankung bestimmenden Eindrcke und Vorflle
zu stoen. Erst die Erlebnisse der Kindheit geben die Erklrung fr die
Empfindlichkeit gegen sptere Traumen, und nur durch die Aufdeckung und
Bewutmachung dieser fast regelmig vergessenen Erinnerungsspuren
erwerben wir die Macht zur Beseitigung der Symptome. Wir gelangen hier
zu dem gleichen Ergebnis wie bei der Erforschung der Trume, da es die
unvergnglichen, verdrngten Wunschregungen der Kindheit sind, die ihre
Macht zur Symptombildung geliehen haben, ohne welche die Reaktion auf
sptere Traumen normal verlaufen wre. Diese mchtigen Wunschregungen
der Kindheit drfen wir aber ganz allgemein als sexuelle bezeichnen.

Jetzt bin ich aber erst recht Ihrer Verwunderung sicher. Gibt es denn
eine infantile Sexualitt? werden Sie fragen. Ist das Kindesalter nicht
vielmehr die Lebensperiode, die durch das Fehlen des Sexualtriebes
ausgezeichnet ist? Nein, meine Herren, es ist gewi nicht so, da der
Sexualtrieb zur Puberttszeit in die Kinder fhrt, wie im Evangelium der
Teufel in die Sue. Das Kind hat seine sexuellen Triebe und
Bettigungen von Anfang an, es bringt sie mit auf die Welt, und aus
ihnen geht durch eine bedeutungsvolle, an Etappen reiche Entwicklung die
sogenannte normale Sexualitt des Erwachsenen hervor. Es ist nicht
einmal schwer, die uerungen dieser kindlichen Sexualbettigung zu
beobachten; es gehrt vielmehr eine gewisse Kunst dazu, sie zu bersehen
oder wegzudeuten.

Durch die Gunst des Schicksals bin ich in die Lage versetzt, einen
Zeugen fr meine Behauptungen aus Ihrer Mitte selbst anzurufen. Ich
zeige Ihnen hier die Arbeit eines Dr. _Sanford Bell_, die 1902 im
American Journal of Psychology abgedruckt worden ist. Der Autor ist
ein Fellow der Clark University, desselben Instituts, in dessen Rumen
wir jetzt stehen. In dieser Arbeit, betitelt: A preliminary study of the
emotion of love between the sexes, die drei Jahre vor meinen Drei
Abhandlungen zur Sexualtheorie erschienen ist, sagt der Autor ganz so,
wie ich Ihnen eben sagte: The emotion of sex-love.... does not make its
appearance for the first time at the period of adolescence, as has been
thought. Er hat, wie wir in Europa sagen wrden, im amerikanischen Stil
gearbeitet; nicht weniger als 2500 positive Beobachtungen im Laufe von
15 Jahren gesammelt, darunter 800 eigene. Von den Zeichen, durch die
sich diese Verliebtheiten kundgeben, uert er: The unprejudiced mind in
observing these manifestations in hundreds of couples of children cannot
escape referring them to sex origin. The most exacting mind is satisfied
when to these observations are added the confessions of those who have
as children, experienced the emotion to a marked degree of intensity,
and whose memories of childhood are relatively distinct. Am meisten aber
werden diejenigen von Ihnen, die an die infantile Sexualitt nicht
glauben wollten, berrascht sein zu hren, da unter diesen frh
verliebten Kindern nicht wenige sich im zarten Alter von drei, vier und
fnf Jahren befinden.

Ich wrde mich nicht wundern, wenn Sie diesen Beobachtungen eines
engsten Landsmannes eher Glauben schenken wrden als den meinigen. Mir
selbst ist es vor kurzem geglckt, aus der Analyse eines fnfjhrigen,
an Angst leidenden Knaben, die dessen eigener Vater kunstgerecht mit ihm
vorgenommen,[14] ein ziemlich vollstndiges Bild der somatischen
Triebuerungen und der seelischen Produktionen auf einer frhen Stufe
des kindlichen Liebeslebens zu gewinnen. Und ich darf Sie daran
erinnern, da mein Freund Dr. C. G. _Jung_ Ihnen in diesem Saale vor
wenigen Stunden die Beobachtung eines noch jngeren Mdchens vorlas,
welches aus dem gleichen Anla wie mein Patient -- bei der Geburt eines
Geschwisterchens -- fast die nmlichen sinnlichen Regungen, Wunsch- und
Komplexbildungen, mit Sicherheit erraten lie. Ich verzweifle also nicht
daran, da Sie sich mit der anfnglich befremdlichen Idee der infantilen
Sexualitt befreunden werden, und mchte Ihnen noch das rhmliche
Beispiel des Zricher Psychiaters E. _Bleuler_ vorhalten, der noch vor
wenigen Jahren ffentlich uerte, er stehe meinen sexuellen Theorien
ohne Verstndnis gegenber, und seither die infantile Sexualitt in
ihrem vollen Umfang durch eigene Beobachtungen besttigt hat.[15]

     [14] Analyse der Phobie eines fnfjhrigen Knaben. Jahrbuch fr
     psychoanalyt. und psychopathologische Forschungen. Bd. I,
     1. Hlfte, 1909.

     [15] _Bleuler_, Sexuelle Abnormitten der Kinder. Jahrbuch der
     schweiz. Gesellschaft fr Schulgesundheitspflege, IX, 1908.

Wenn die meisten Menschen, rztliche Beobachter oder andere, vom
Sexualleben des Kindes nichts wissen wollen, so ist dies nur zu leicht
erklrlich. Sie haben ihre eigene infantile Sexualbettigung unter dem
Drucke der Erziehung zur Kultur vergessen und wollen nun an das
Verdrngte nicht erinnert werden. Sie wrden zu anderen berzeugungen
gelangen, wenn sie die Untersuchung mit einer Selbstanalyse, einer
Revision und Deutung ihrer Kindheitserinnerungen beginnen wrden.

Lassen Sie die Zweifel fallen und gehen Sie mit mir an eine Wrdigung
der infantilen Sexualitt von den frhesten Jahren an.[16] Der
Sexualtrieb des Kindes erweist sich als hoch zusammengesetzt, er lt
eine Zerlegung in viele Komponenten zu, die aus verschiedenen Quellen
stammen. Er ist vor allem noch unabhngig von der Funktion der
Fortpflanzung, in deren Dienst er sich spter stellen wird. Er dient der
Gewinnung verschiedener Arten von Lustempfindung, die wir nach Analogien
und Zusammenhngen als Sexuallust zusammenfassen. Die Hauptquelle der
infantilen Sexuallust ist die geeignete Erregung bestimmter, besonders
reizbarer Krperstellen, auer den Genitalien, der Mund-, After- und
Harnrhrenffnung, aber auch der Haut und anderer Sinnesoberflchen. Da
in dieser ersten Phase des kindlichen Sexuallebens die Befriedigung am
eigenen Krper gefunden und von einem fremden Objekt abgesehen wird,
heien wir die Phase nach einem von _Havelock Ellis_ geprgten Wort die
des _Autoerotismus_. Jene fr die Gewinnung von sexueller Lust
bedeutsamen Stellen nennen wir _erogene Zonen_. Das Ludeln oder
Wonnesaugen der kleinsten Kinder ist ein gutes Beispiel einer solchen
autoerotischen Befriedigung von einer erogenen Zone aus; der erste
wissenschaftliche Beobachter dieses Phnomens, ein Kinderarzt namens
_Lindner_ in Budapest, hat es bereits richtig als Sexualbefriedigung
gedeutet und dessen bergang in andere und hhere Formen der
Sexualbettigung erschpfend beschrieben.[17] Eine andere
Sexualbefriedigung dieser Lebenszeit ist die masturbatorische Erregung
der Genitalien, die eine so groe Bedeutung fr das sptere Leben behlt
und von vielen Individuen berhaupt nie vllig berwunden wird. Neben
diesen und anderen autoerotischen Bettigungen uern sich sehr
frhzeitig beim Kinde jene Triebkomponenten der Sexuallust oder, wie wir
gern sagen, der Libido, die eine fremde Person als Objekt zur
Voraussetzung nehmen. Diese Triebe treten in Gegensatzpaaren auf, als
aktive und passive; ich nenne Ihnen als die wichtigsten Vertreter dieser
Gruppe die Lust, Schmerzen zu bereiten (Sadismus), mit ihrem passiven
Gegenspiel (Masochismus), und die aktive und passive Schaulust, von
welch ersterer spter die Wibegierde abzweigt, wie von letzterer der
Drang zur knstlerischen und schauspielerischen Schaustellung. Andere
Sexualbettigungen des Kindes fallen bereits unter den Gesichtspunkt der
_Objektwahl_, bei welcher eine fremde Person zur Hauptsache wird, die
ihre Bedeutung ursprnglich Rcksichten des Selbsterhaltungstriebes
verdankt. Der Geschlechtsunterschied spielt aber in dieser kindlichen
Periode noch keine ausschlaggebende Rolle; Sie knnen so jedem Kinde,
ohne ihm Unrecht zu tun, ein Stck homosexueller Begabung zusprechen.

     [16] Drei Vorlesungen zur Sexualtheorie, Wien, Fr. Deuticke, 1906,
     2. Auflage, 1910.

     [17] Jahrbuch fr Kinderheilkunde, 1879.

Dies zerfahrene, reichhaltige, aber dissoziierte Sexualleben des Kindes,
in welchem der einzelne Trieb unabhngig von jedem anderen dem
Lusterwerbe nachgeht, erfhrt nun eine Zusammenfassung und Organisation
nach zwei Hauptrichtungen, so da mit Abschlu der Puberttszeit der
definitive Sexualcharakter des Individuums meist fertig ausgebildet ist.
Einerseits unterordnen sich die einzelnen Triebe der Oberherrschaft der
Genitalzone, wodurch das ganze Sexualleben in den Dienst der
Fortpflanzung tritt, und ihre Befriedigung nur noch als Vorbereitung und
Begnstigung des eigentlichen Sexualaktes von Bedeutung bleibt.
Anderseits drngt die Objektwahl den Autoerotismus zurck, so da nun im
Liebesleben alle Komponenten des Sexualtriebes an der geliebten Person
befriedigt werden wollen. Aber nicht alle ursprnglichen
Triebkomponenten werden zu einem Anteil an dieser endgltigen
Feststellung des Sexuallebens zugelassen. Noch vor der Puberttszeit
sind unter dem Einflu der Erziehung uerst energische Verdrngungen
gewisser Triebe durchgesetzt und seelische Mchte wie Scham, Ekel, Moral
hergestellt worden, welche diese Verdrngungen wie Wchter unterhalten.
Kommt dann im Puberttsalter die Hochflut der sexuellen Bedrftigkeit,
so findet sie an den genannten seelischen Reaktions- oder
Widerstandsbildungen Dmme, welche ihr den Ablauf in die sogenannten
normalen Wege vorschreiben und es ihr unmglich machen, die der
Verdrngung unterlegenen Triebe neu zu beleben. Es sind besonders die
_koprophilen_, d. h. die mit den Exkrementen zusammenhngenden
Lustregungen der Kindheit, welche von der Verdrngung am grndlichsten
betroffen werden, und ferner die Fixierung an die Personen der
primitiven Objektwahl.

Meine Herren! Ein Satz der allgemeinen Pathologie sagt aus, da jeder
Entwicklungsvorgang die Keime der pathologischen Disposition mit sich
bringt, insofern er gehemmt, verzgert werden oder unvollkommen ablaufen
kann. Dasselbe gilt fr die so komplizierte Entwicklung der
Sexualfunktion. Sie wird nicht bei allen Individuen glatt durchgemacht
und hinterlt dann entweder Abnormitten oder Dispositionen zu spterer
Erkrankung auf dem Wege der Rckbildung (Regression). Es kann geschehen,
da nicht alle Partialtriebe sich der Herrschaft der Genitalzone
unterwerfen; ein solcher unabhngig gebliebener Trieb stellt dann das
her, was wir eine _Perversion_ nennen, und was das normale Sexualziel
durch sein eigenes ersetzen kann. Es kommt, wie bereits erwhnt, sehr
hufig vor, da der Autoerotismus nicht vllig berwunden wird, wovon
die mannigfaltigsten Strungen in der Folge Zeugnis ablegen. Die
ursprngliche Gleichwertigkeit beider Geschlechter als Sexualobjekte
kann sich erhalten, und daraus wird sich eine Neigung zur homosexuellen
Bettigung im reifen Leben ergeben, die sich unter Umstnden zur
ausschlielichen Homosexualitt steigern kann. Diese Reihe von Strungen
entspricht den direkten Entwicklungshemmungen der Sexualfunktion; sie
umfat die _Perversionen_ und den gar nicht seltenen allgemeinen
_Infantilismus_ des Sexuallebens.

Die Disposition zu den Neurosen ist auf andere Weise von einer
Schdigung der Sexualentwicklung abzuleiten. Die Neurosen verhalten sich
zu den Perversionen wie das Negativ zum Positiv; in ihnen sind dieselben
Triebkomponenten als Trger der Komplexe und Symptombildner nachweisbar
wie bei den Perversionen, aber sie wirken hier vom Unbewuten her; sie
haben also eine Verdrngung erfahren, konnten sich aber derselben zum
Trotze im Unbewuten behaupten. Die Psychoanalyse lt uns erkennen, da
berstarke uerung dieser Triebe in sehr frhen Zeiten zu einer Art von
partieller _Fixierung_ fhrt, die nun einen schwachen Punkt im Gefge
der Sexualfunktion darstellt. Stt die Ausbung der normalen
Sexualfunktion im reifen Leben auf Hindernisse, so wird die Verdrngung
der Entwicklungszeit gerade an jenen Stellen durchbrochen, wo die
infantilen Fixierungen stattgefunden haben.

Sie werden jetzt vielleicht den Einwand machen: Aber das ist ja alles
nicht Sexualitt. Ich gebrauchte das Wort in einem viel weiteren Sinne,
als Sie gewohnt sind, es zu verstehen. Das gebe ich Ihnen gern zu. Aber
es fragt sich, ob nicht vielmehr Sie das Wort in viel zu engem Sinne
gebrauchen, wenn Sie es auf das Gebiet der Fortpflanzung einschrnken.
Sie opfern dabei das Verstndnis der Perversionen, den Zusammenhang
zwischen Perversion, Neurose und normalem Sexualleben, und setzen sich
auer stande, die leicht zu beobachtenden Anfnge des somatischen und
seelischen Liebeslebens der Kinder nach ihrer wahren Bedeutung zu
erkennen. Wie immer Sie aber ber den Wortgebrauch entscheiden wollen,
halten Sie daran fest, da der Psychoanalytiker die Sexualitt in jenem
vollen Sinne erfat, zu dem man durch die Wrdigung der infantilen
Sexualitt geleitet wird.

Kehren wir nun nochmals zur Sexualentwicklung des Kindes zurck. Wir
haben hier manches nachzuholen, weil wir unsere Aufmerksamkeit mehr den
somatischen als den seelischen uerungen des Sexuallebens geschenkt
haben. Die primitive Objektwahl des Kindes, die sich von seiner
Hilfsbedrftigkeit ableitet, fordert unser weiteres Interesse heraus.
Sie wendet sich zunchst allen Pflegepersonen zu, die aber bald hinter
den Eltern zurcktreten. Die Beziehung der Kinder zu ihren Eltern ist,
wie direkte Beobachtung des Kindes und sptere analytische Erforschung
des Erwachsenen bereinstimmend dartun, keineswegs frei von Elementen
sexueller Miterregung. Das Kind nimmt beide Elternteile und einen Teil
besonders zum Objekt seiner erotischen Wnsche. Gewhnlich folgt es
dabei selbst einer Anregung der Eltern, deren Zrtlichkeit die
deutlichsten Charaktere einer, wenn auch in ihren Zielen gehemmten,
Sexualbettigung hat. Der Vater bevorzugt in der Regel die Tochter, die
Mutter den Sohn; das Kind reagiert hierauf, indem es sich als Sohn an
die Stelle des Vaters, als Tochter an die Stelle der Mutter wnscht.
Die Gefhle, die in diesen Beziehungen zwischen Eltern und Kindern und
in den daran angelehnten zwischen den Geschwistern untereinander geweckt
werden, sind nicht nur positiver, zrtlicher, sondern auch negativer,
feindseliger Art. Der so gebildete Komplex ist zur baldigen Verdrngung
bestimmt, aber er bt noch vom Unbewuten her eine groartige und
nachhaltige Wirkung aus. Wir drfen die Vermutung aussprechen, da er
mit seinen Auslufern den _Kernkomplex_ einer jeden Neurose darstellt,
und wir sind darauf gefat, ihn auf anderen Gebieten des Seelenlebens
nicht minder wirksam anzutreffen. Der Mythus vom Knig _dipus_, der
seinen Vater ttet und seine Mutter zum Weib gewinnt, ist eine noch
wenig abgenderte Offenbarung des infantilen Wunsches, dem sich
spterhin die _Inzest_schranke abweisend entgegenstellt. Die
_Hamlet_-Dichtung _Shakespeares_ ruht auf demselben Boden des besser
verhllten Inzestkomplexes.

Um die Zeit, da das Kind von dem noch unverdrngten Kernkomplex
beherrscht wird, setzt ein bedeutungsvolles Stck seiner intellektuellen
Bettigung im Dienste der Sexualinteressen ein. Es beginnt zu forschen,
woher die Kinder kommen, und errt in Verwertung der ihm gebotenen
Anzeichen mehr von den wirklichen Verhltnissen, als die Erwachsenen
ahnen knnen. Gewhnlich hat die materielle Bedrohung durch ein neu
angekommenes Kind, in dem es zunchst nur den Konkurrenten erblickt,
sein Forscherinteresse geweckt. Unter dem Einflu der in ihm selbst
ttigen Partialtriebe gelangt es zu einer Anzahl von _infantilen
Sexualtheorien_, wie da es beiden Geschlechtern das gleiche mnnliche
Genitale zuspricht, da es die Kinder durch Essen empfangen und durch
das Ende des Darmes gebren lt, und da es den Verkehr der
Geschlechter als einen feindseligen Akt, eine Art von berwltigung
erfat. Aber gerade die Unfertigkeit seiner sexuellen Konstitution und
die Lcke in seinen Kenntnissen, die durch die Latenz des weiblichen
Geschlechtskanals gegeben ist, ntigt den infantilen Forscher, seine
Arbeit als erfolglos einzustellen. Die Tatsache dieser Kinderforschung
selbst, sowie die einzelnen durch sie zu Tage gefrderten infantilen
Sexualtheorien bleiben von bestimmender Bedeutung fr die
Charakterbildung des Kindes und den Inhalt seiner spteren neurotischen
Erkrankung.

Es ist unvermeidlich und durchaus normal, da das Kind die Eltern zu
Objekten seiner ersten Liebeswahl mache. Aber seine Libido soll nicht an
diese ersten Objekte fixiert bleiben, sondern sie spterhin blo zum
Vorbild nehmen und von ihnen zur Zeit der definitiven Objektwahl auf
fremde Personen hinbergleiten. Die _Ablsung_ des Kindes von den Eltern
wird so zu einer unentrinnbaren Aufgabe, wenn die soziale Tchtigkeit
des jungen Individuums nicht gefhrdet werden soll. Whrend der Zeit, da
die Verdrngung die Auslese unter den Partialtrieben der Sexualitt
trifft, und spter, wenn der Einflu der Eltern gelockert werden soll,
der den Aufwand fr diese Verdrngungen im wesentlichen bestritten hat,
fallen der Erziehungsarbeit groe Aufgaben zu, die gegenwrtig gewi
nicht immer in verstndnisvoller und einwandfreier Weise erledigt
werden.

Meine Herren! Urteilen Sie nicht etwa, da wir uns mit diesen
Errterungen ber das Sexualleben und die psychosexuelle Entwicklung des
Kindes allzu weit von der Psychoanalyse und von der Aufgabe der
Beseitigung nervser Strungen entfernt haben. Wenn Sie wollen, knnen
Sie die psychoanalytische Behandlung nur als eine fortgesetzte Erziehung
zur berwindung von Kindheitsresten beschreiben.




                                   V.


Meine Damen und Herren! Mit der Aufdeckung der infantilen Sexualitt und
der Zurckfhrung der neurotischen Symptome auf erotische
Triebkomponenten sind wir zu einigen unerwarteten Formeln ber das Wesen
und die Tendenzen der neurotischen Erkrankungen gelangt. Wir sehen, da
die Menschen erkranken, wenn ihnen infolge uerer Hindernisse oder
inneren Mangels an Anpassung die Befriedigung ihrer erotischen
Bedrfnisse in der _Realitt_ versagt ist. Wir sehen, da sie sich dann
in die _Krankheit flchten_, um mit ihrer Hilfe eine Ersatzbefriedigung
fr das Versagte zu finden. Wir erkennen, da die krankhaften Symptome
ein Stck der Sexualbettigung der Person oder deren ganzes Sexualleben
enthalten, und finden in der Fernhaltung von der Realitt die
Haupttendenz, aber auch den Hauptschaden des Krankseins. Wir ahnen, da
der Widerstand unserer Kranken gegen die Herstellung kein einfacher,
sondern aus mehreren Motiven zusammengesetzt ist. Es strubt sich nicht
nur das Ich des Kranken dagegen, die Verdrngungen aufzugeben, durch
welche es sich aus den ursprnglichen Anlagen herausgehoben hat, sondern
auch die Sexualtriebe mgen nicht auf ihre Ersatzbefriedigung
verzichten, solange es unsicher ist, ob ihnen die Realitt etwas
Besseres bieten wird.

Die Flucht aus der unbefriedigenden Wirklichkeit in das, was wir wegen
seiner biologischen Schdlichkeit Krankheit nennen, was aber niemals
ohne einen unmittelbaren Lustgewinn fr den Kranken ist, vollzieht sich
auf dem Wege der Rckbildung (_Regression_), der Rckkehr zu frheren
Phasen des Sexuallebens, denen seinerzeit die Befriedigung nicht
abgegangen ist. Diese Regression ist anscheinend eine zweifache, eine
_zeitliche_, insofern die Libido, das erotische Bedrfnis, auf zeitlich
frhere Entwicklungsstufen zurckgreift, und eine _formale_, indem zur
uerung dieses Bedrfnisses die ursprnglichen und primitiven
psychischen Ausdrucksmittel verwendet werden. Beide Arten der Regression
zielen aber auf die Kindheit und treffen zusammen in der Herstellung
eines infantilen Zustands des Sexuallebens.

Je tiefer Sie in die Pathogenese der nervsen Erkrankung eindringen,
desto mehr wird sich Ihnen der Zusammenhang der Neurosen mit anderen
Produktionen des menschlichen Seelenlebens, auch mit den wertvollsten
derselben, enthllen. Sie werden daran gemahnt, da wir Menschen mit den
hohen Ansprchen unserer Kultur und unter dem Drucke unserer inneren
Verdrngungen, die Wirklichkeit ganz allgemein unbefriedigend finden und
darum ein Phantasieleben unterhalten, in welchem wir durch Produktionen
von Wunscherfllungen die Mngel der Realitt auszugleichen lieben. In
diesen Phantasien ist sehr vieles von dem eigentlichen konstitutionellen
Wesen der Persnlichkeit und auch von ihren fr die Wirklichkeit
verdrngten Regungen enthalten. Der energische und erfolgreiche Mensch
ist der, dem es gelingt, durch Arbeit seine Wunschphantasien in Realitt
umzusetzen. Wo dies nicht gelingt infolge der Widerstnde der Auenwelt
und der Schwche des Individuums, da tritt die Abwendung von der
Realitt ein, das Individuum zieht sich in seine befriedigendere
Phantasiewelt zurck, deren Inhalt es im Falle der Erkrankung in
Symptome umsetzt. Unter gewissen gnstigen Bedingungen bleibt es ihm
noch mglich, von diesen Phantasien aus einen anderen Weg in die
Realitt zu finden, anstatt sich ihr durch Regression ins Infantile
dauernd zu entfremden. Wenn die mit der Realitt verfeindete Person im
Besitze der uns psychologisch noch rtselhaften _knstlerischen
Begabung_ ist, kann sie ihre Phantasien anstatt in Symptome in
knstlerische Schpfungen umsetzen, so dem Schicksal der Neurose
entgehen und die Beziehung zur Realitt auf diesem Umwege
wiedergewinnen.[18] Wo bei bestehender Auflehnung gegen die reale Welt
diese kostbare Begabung fehlt oder unzulnglich ist, da wird es wohl
unvermeidlich, da die Libido, der Herkunft der Phantasie folgend, auf
dem Wege der Regression zur Wiederbelebung der infantilen Wnsche und
somit zur Neurose gelangt. Die Neurose vertritt in unserer Zeit das
Kloster, in welches sich alle die Personen zurckzuziehen pflegten, die
das Leben enttuscht hatte, oder die sich fr das Leben zu schwach
fhlten.

     [18] Vgl. O. _Rank_, Der Knstler, H. Heller, Wien 1907.

Lassen Sie mich an dieser Stelle das Hauptergebnis einfgen, zu welchem
wir durch die psychoanalytische Untersuchung der Nervsen gelangt sind,
da die Neurosen keinen ihnen eigentmlichen psychischen Inhalt haben,
der nicht auch beim Gesunden zu finden wre, oder wie _C. G. Jung_ es
ausgedrckt hat, da sie an denselben Komplexen erkranken, mit denen
auch wir Gesunde kmpfen. Es hngt von quantitativen Verhltnissen, von
den Relationen der miteinander ringenden Krfte ab, ob der Kampf zur
Gesundheit, zur Neurose oder zur kompensierenden berleistung fhrt.

Meine Damen und Herren! Ich habe Ihnen die wichtigste Erfahrung noch
vorenthalten, welche unsere Annahme von den sexuellen Triebkrften der
Neurose besttigt. Jedesmal wenn wir einen Nervsen psychoanalytisch
behandeln, tritt bei ihm das befremdende Phnomens der sogenannten
_bertragung_ auf, d. h. er wendet dem Arzt ein Ausma von zrtlichen,
oft genug mit Feindseligkeit vermengten Regungen zu, welches in keiner
realen Beziehung begrndet ist und nach allen Einzelheiten seines
Auftretens von den alten und unbewut gewordenen Phantasiewnschen des
Kranken abgeleitet werden mu. Jenes Stck seines Gefhlslebens, das er
sich nicht mehr in die Erinnerung zurckrufen kann, erlebt der Kranke
also in seinem Verhltnisse zum Arzte wieder, und erst durch solches
Wiedererleben in der bertragung wird er von der Existenz wie von der
Macht dieser unbewuten sexuellen Regungen berzeugt. Die Symptome,
welche, um ein Gleichnis aus der Chemie zu gebrauchen, die Niederschlge
von frheren Liebeserlebnissen (im weitesten Sinne) sind, knnen auch
nur in der erhhten Temperatur des bertragungserlebnisses gelst und in
andere psychische Produkte bergefhrt werden. Der Arzt spielt bei
dieser Reaktion nach einem vortrefflichen Worte von S. _Ferenczi_[19]
die Rolle eines _katalytischen Ferments_, das die bei dem Prozesse frei
werdenden Affekte zeitweilig an sich reit. Das Studium der bertragung
kann Ihnen auch den Schlssel zum Verstndnis der hypnotischen
Suggestion geben, deren wir uns anfnglich als technisches Mittel zur
Erforschung des Unbewuten bei unseren Kranken bedient hatten. Die
Hypnose erwies sich damals als eine therapeutische Hilfe, aber als ein
Hindernis der wissenschaftlichen Erkenntnis des Sachverhaltes, indem sie
die psychischen Widerstnde aus einem gewissen Gebiet wegrumte, um sie
an den Grenzen desselben zu einem unbersteigbaren Wall aufzutrmen.
Glauben Sie brigens nicht, da das Phnomen der bertragung, ber das
ich Ihnen leider hier nur zu wenig sagen kann, durch die
psychoanalytische Beeinflussung geschaffen wird. Die bertragung stellt
sich in allen menschlichen Beziehungen ebenso wie im Verhltnis des
Kranken zum Arzte spontan her, sie ist berall der eigentliche Trger
der therapeutischen Beeinflussung, und sie wirkt um so strker, je
weniger man ihr Vorhandensein ahnt. Die Psychoanalyse schafft sie also
nicht, sie deckt sie blo dem Bewutsein auf, und bemchtigt sich ihrer,
um die psychischen Vorgnge nach dem erwnschten Ziele zu lenken. Ich
kann aber das Thema der bertragung nicht verlassen, ohne hervorzuheben,
da dieses Phnomen nicht nur fr die berzeugung des Kranken, sondern
auch fr die des Arztes entscheidend in Betracht kommt. Ich wei, da
alle meine Anhnger erst durch ihre Erfahrungen mit der bertragung von
der Richtigkeit meiner Behauptungen ber die Pathogenese der Neurosen
berzeugt worden sind, und kann sehr wohl begreifen, da man eine solche
Sicherheit des Urteils nicht gewinnt, solange man selbst keine
Psychoanalysen gemacht, also nicht selbst die Wirkungen der bertragung
beobachtet hat.

     [19] S. _Ferenczi_, Introjektion und bertragung. Jahrb. f.
     psychoanal. u. psychopath. Forschungen, I. 2. 1909.

Meine Damen und Herren! Ich meine, es sind von der Seite des Intellekts
besonders zwei Hindernisse gegen die Anerkennung der psychoanalytischen
Gedankengnge zu wrdigen: Erstens die Ungewohnheit, mit der strengen
und ausnahmslos geltenden Determinierung des seelischen Lebens zu
rechnen, und zweitens die Unkenntnis der Eigentmlichkeiten, durch
welche sich unbewute seelische Vorgnge von den uns vertrauten bewuten
unterscheiden. Einer der verbreitetsten Widerstnde gegen die
psychoanalytische Arbeit -- bei Kranken wie bei Gesunden -- fhrt sich
auf das letztere der beiden Momente zurck. Man frchtet durch die
Psychoanalyse zu schaden, man hat Angst davor, die verdrngten sexuellen
Triebe ins Bewutsein des Kranken zu rufen, als ob damit die Gefahr
verbunden wre, da sie dann die hheren ethischen Strebungen bei ihm
berwltigen und ihn seiner kulturellen Errungenschaften berauben
knnten. Man merkt, da der Kranke wunde Stellen in seinem Seelenleben
hat, aber man scheut sich dieselben zu berhren, damit sein Leiden nicht
noch gesteigert werde. Wir knnen diese Analogie annehmen. Es ist
freilich schonender, kranke Stellen nicht zu berhren, wenn man dadurch
nichts anderes als Schmerz zu bereiten wei. Aber der Chirurg lt sich
bekanntlich von der Untersuchung und Hantierung am Krankheitsherd nicht
abhalten, wenn er einen Eingriff beabsichtigt, welcher dauernde Heilung
bringen soll. Niemand denkt mehr daran, ihm die unvermeidlichen
Beschwerden der Untersuchung oder die Reaktionserscheinungen der
Operation zur Last zu legen, wenn diese nur ihre Absicht erreicht, und
der Kranke durch die zeitweilige Verschlimmerung seines Zustands eine
endgltige Hebung desselben erwirbt. hnlich liegen die Verhltnisse fr
die Psychoanalyse; sie darf dieselben Ansprche erheben wie die
Chirurgie; der Zuwachs an Beschwerden, den sie dem Kranken whrend der
Behandlung zumutet, ist bei guter Technik ungleich geringer, als was der
Chirurg ihm auferlegt, und berhaupt gegen die Schwere des Grundleidens
zu vernachlssigen. Der gefrchtete Endausgang aber einer Zerstrung des
kulturellen Charakters durch die von der Verdrngung befreiten Triebe
ist ganz unmglich, denn diese ngstlichkeit zieht nicht in Betracht,
was uns unsere Erfahrungen mit Sicherheit gelehrt haben, da die
seelische und somatische Macht einer Wunschregung, wenn deren
Verdrngung einmal milungen ist, ungleich strker ausfllt, wenn sie
unbewut, als wenn sie bewut ist, so da sie durch das Bewutmachen nur
geschwcht werden kann. Der unbewute Wunsch ist nicht zu beeinflussen,
von allen Gegenstrebungen unabhngig, whrend der bewute durch alles
gleichfalls Bewute und ihm Widerstrebende gehemmt wird. Die
psychoanalytische Arbeit stellt sich also als ein besserer Ersatz fr
die erfolglose Verdrngung geradezu in den Dienst der hchsten und
wertvollsten kulturellen Strebungen.

Welche sind berhaupt die Schicksale der durch die Psychoanalyse
freigelegten unbewuten Wnsche, auf welchen Wegen verstehen wir es, sie
fr das Leben des Individuums unschdlich zu machen? Dieser Wege sind
mehrere. Am hufigsten ist der Erfolg, da dieselben schon whrend der
Arbeit durch die korrekte seelische Ttigkeit der ihnen
entgegenstehenden besseren Regungen aufgezehrt werden. Die _Verdrngung_
wird durch eine mit den besten Mitteln durchgefhrte _Verurteilung_
ersetzt. Dies ist mglich, weil wir zum groen Teil nur Folgen aus
frheren Entwicklungsstadien des Ichs zu beseitigen haben. Das
Individuum brachte seinerzeit nur eine Verdrngung des unbrauchbaren
Triebes zu stande, weil es damals selbst noch unvollkommen organisiert
und schwchlich war; in seiner heutigen Reife und Strke kann es
vielleicht das ihm Feindliche tadellos beherrschen. Ein zweiter Ausgang
der psychoanalytischen Arbeit ist der, da die aufgedeckten unbewuten
Triebe nun jener zweckmigen Verwendung zugefhrt werden knnen, die
sie bei ungestrter Entwicklung schon frher htten finden sollen. Die
Ausrottung der infantilen Wunschregungen ist nmlich keineswegs das
ideale Ziel der Entwicklung. Der Neurotiker hat durch seine
Verdrngungen viele Quellen seelischer Energie eingebt, deren Zuflsse
fr seine Charakterbildung und Bettigung im Leben sehr wertvoll gewesen
wren. Wir kennen einen weit zweckmigeren Vorgang der Entwicklung, die
sogenannte _Sublimierung_, durch welchen die Energie infantiler
Wunschregungen nicht abgesperrt wird, sondern verwertet bleibt, indem
den einzelnen Regungen statt des unbrauchbaren ein hheres, eventuell
nicht mehr sexuelles Ziel gesetzt wird. Gerade die Komponenten des
Sexualtriebes sind durch solche Fhigkeit zur Sublimierung, zur
Vertauschung ihres Sexualzieles mit einem entlegeneren und sozial
wertvolleren besonders ausgezeichnet. Den auf solche Weise gewonnenen
Energiebeitrgen zu unseren seelischen Leistungen verdanken wir
wahrscheinlich die hchsten kulturellen Erfolge. Eine frhzeitig
vorgefallene Verdrngung schliet die Sublimierung des verdrngten
Triebes aus; nach Aufhebung der Verdrngung ist der Weg zur Sublimierung
wieder frei.

Wir drfen es nicht versumen, auch den dritten der mglichen Ausgnge
der psychoanalytischen Arbeit ins Auge zu fassen. Ein gewisser Anteil
der verdrngten libidinsen Regungen hat ein Anrecht auf direkte
Befriedigung und soll sie im Leben finden. Unsere Kulturansprche machen
fr die meisten der menschlichen Organisationen das Leben zu schwer,
frdern dadurch die Abwendung von der Realitt und die Entstehung der
Neurosen, ohne einen berschu von kulturellem Gewinn durch dies berma
von Sexualverdrngung zu erzielen. Wir sollten uns nicht so weit
berheben, da wir das ursprnglich Animalische unserer Natur vllig
vernachlssigen, drfen auch nicht daran vergessen, da die
Glcksbefriedigung des einzelnen nicht aus den Zielen unserer Kultur
gestrichen werden kann. Die Plastizitt der Sexualkomponenten, die sich
in ihrer Fhigkeit zur Sublimierung kundgibt, mag ja eine groe
Versuchung herstellen, durch deren immer weiter gehende Sublimierung
grere Kultureffekte zu erzielen. Aber so wenig wir darauf rechnen, bei
unseren Maschinen mehr als einen gewissen Bruchteil der aufgewendeten
Wrme in nutzbare mechanische Arbeit zu verwandeln, so wenig sollten
wir es anstreben, den Sexualtrieb in seinem ganzen Energieausma seinen
eigentlichen Zwecken zu entfremden. Es kann nicht gelingen, und wenn die
Einschrnkung der Sexualitt zu weit getrieben werden soll, mu es alle
Schdigungen eines Raubbaues mit sich bringen.

Ich wei nicht, ob Sie nicht Ihrerseits die Mahnung, mit welcher ich
schliee, als eine berhebung auffassen werden. Ich getraue mich nur der
indirekten Darstellung meiner berzeugung, indem ich Ihnen einen alten
Schwank erzhle, von dem Sie die Nutzanwendung machen sollen. Die
deutsche Literatur kennt ein Stdtchen _Schilda_, dessen Einwohnern alle
mglichen klugen Streiche nachgesagt werden. Die Schildbrger, so wird
erzhlt, besaen auch ein Pferd, mit dessen Kraftleistungen sie sehr
zufrieden waren, an dem sie nur eines auszusetzen hatten, da es soviel
teuern Hafer verzehrte. Sie beschlossen, ihm diese Unart schonend
abzugewhnen, indem sie seine Ration tglich um mehrere Halme
verringerten, bis sie es an die vllige Enthaltsamkeit gewhnt hatten.
Es ging eine Weile vortrefflich, das Pferd war bis auf einen Halm im Tag
entwhnt, am nchsten Tage sollte es endlich haferfrei arbeiten. Am
Morgen dieses Tages wurde das tckische Tier tot aufgefunden; die Brger
von Schilda konnten sich nicht erklren, woran es gestorben war.

Wir werden geneigt sein zu glauben, das Pferd sei verhungert, und ohne
eine gewisse Ration Hafer sei von einem Tier berhaupt keine
Arbeitsleistung zu erwarten.

Ich danke Ihnen fr die Berufung und fr die Aufmerksamkeit, die Sie mir
geschenkt haben.




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Seite 42: unbeanstndet -> unbeanstandet
Seite 57: Unbebewuten -> Unbewuten
Seite 61: urursprnglich -> ursprnglich




                          TRANSCRIBER'S NOTES


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electronic work or group of works on different terms than are set
forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark.  Contact the
Foundation as set forth in Section 3 below.

1.F.

1.F.1.  Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
collection.  Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
works, and the medium on which they may be stored, may contain
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property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a
computer virus, or computer codes that damage or cannot be read by
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Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
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LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
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TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
DAMAGE.

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receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a
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your written explanation.  The person or entity that provided you with
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opportunities to fix the problem.

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in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS' WITH NO OTHER
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1.F.5.  Some states do not allow disclaimers of certain implied
warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
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provision of this agreement shall not void the remaining provisions.

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providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance
with this agreement, and any volunteers associated with the production,
promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
that arise directly or indirectly from any of the following which you do
or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.


Section  2.  Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of computers
including obsolete, old, middle-aged and new computers.  It exists
because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need, is critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come.  In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.


Section 3.  Information about the Project Gutenberg Literary Archive
Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service.  The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541.  Its 501(c)(3) letter is posted at
http://pglaf.org/fundraising.  Contributions to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
permitted by U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
throughout numerous locations.  Its business office is located at
809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
business@pglaf.org.  Email contact links and up to date contact
information can be found at the Foundation's web site and official
page at http://pglaf.org

For additional contact information:
     Dr. Gregory B. Newby
     Chief Executive and Director
     gbnewby@pglaf.org


Section 4.  Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment.  Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States.  Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements.  We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance.  To
SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
particular state visit http://pglaf.org

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States.  U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses.  Donations are accepted in a number of other
ways including checks, online payments and credit card donations.
To donate, please visit: http://pglaf.org/donate


Section 5.  General Information About Project Gutenberg-tm electronic
works.

Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm
concept of a library of electronic works that could be freely shared
with anyone.  For thirty years, he produced and distributed Project
Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.


Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
unless a copyright notice is included.  Thus, we do not necessarily
keep eBooks in compliance with any particular paper edition.


Most people start at our Web site which has the main PG search facility:

     http://www.gutenberg.org

This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
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