The Project Gutenberg EBook of Das Kloster bei Sendomir, by Franz Grillparzer

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Title: Das Kloster bei Sendomir

Author: Franz Grillparzer

Release Date: September, 2005 [EBook #8999]
[Yes, we are more than one year ahead of schedule]
[This file was first posted on September 1, 2003]

Edition: 10

Language: German

Character set encoding: ISO Latin-1

*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DAS KLOSTER BEI SENDOMIR ***




Produced by Mike Pullen and Delphine Lettau




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DAS KLOSTER BEI SENDOMIR

von FRANZ GRILLPARZER


Erzaehlung

Nach einer als wahr ueberlieferten Begebenheit


Die Strahlen der untergehenden Sonne vergoldeten die Abhaenge eines der
reizendsten Taeler der Woiwodschaft Sendomir. Wie zum Scheidekuss
ruhten sie auf den Mauern des an der Ostseite fensterreich und
wohnlich prangenden Klosters, als eben zwei Reiter, von wenigen
Dienern begleitet, den Saum der gegenueberliegenden Huegelkette
erreichten, und, von der Vesperglocke gemahnt, nach kurzem,
betrachtendem Verweilen, ihre Pferde in schaerfern Trott setzten,
taleinwaerts, dem Kloster zu.

Die Kleidung der spaeten Gaeste bezeichnete die Fremden. Breitgedrueckte,
befiederte Huete, das Elenkoller vom dunklen Brustharnisch gedrueckt,
die straffanliegenden Unterkleider und hohen Stulpstiefeln erlaubten
nicht, sie fuer eingeborne Polen zu halten. Und so war es auch. Als
Boten des deutschen Kaisers zogen sie, selbst Deutsche, an den Hof des
kriegerischen Johann Sobiesky, und, vom Abend ueberrascht, suchten sie
Nachtlager in dem vor ihnen liegenden Kloster.

Das bereits abendlich verschlossene Tor ward den Einlassheischenden
geoeffnet, und der Pfoertner hiess sie eintreten in die geraeumige
Gaststube, wo Erfrischung und Nachtruhe ihrer warte; obgleich, wie er
entschuldigend hinzusetzte, der Abt und die Konventualen, bereits zur
Vesper im Chor versammelt, sich fuer heute die Bewillkommnung so werter
Gaeste versagen muessten. Die Angabe des etwas misstrauisch blickenden
Mannes ward durch den eintoenigen Zusammenklang halb sprechend, halb
singend erhobener Stimmen bekraeftigt, die, aus daempfender Ferne durch
die hallenden Gewoelbe sich hinwindend, den Chorgesang einer
geistlichen Gemeine deutlich genug bezeichneten.

Die beiden Fremden traten in das angewiesene Gemach, welches, obgleich,
wie das ganze Kloster, offenbar erst seit kurzem erbaut, doch
altertuemliche Spitzformen mit absichtlicher Genauigkeit nachahmte.
Weniges, doch anstaendiges Geraete war rings an den Waenden verteilt.
Die hohen Bogenfenster gingen ins Freie, wo der in Osten aufsteigende
Mond, mit der letzten Abendhelle kaempfend, nur sparsame Schimmer auf
die Erhoehungen des hueglichten Bodens warf, indes in den Falten der
Taeler und unter den Baeumen des Forstes sich allgemach die Nacht mit
ihrem dunkeln Gefolge lagerte, und stille Ruhe, hold vermischend,
ihren Schleier ueber Belebtes und Unbelebtes ausbreitete.

Die eigenen Diener der Ritter trugen Wein auf und Abendkost. Ein
derbgefuegter Tisch, in die Bruestung des geoeffneten Bogenfensters
gerueckt, empfing die ermuedeten Gaeste, die, auf hohe Armstuehle gelagert,
sich bald an dem zauberischen Spiele des Mondlichtes ergoetzten, bald,
zu Wein und Speise zurueckkehrend, den Koerper fuer die Reise des
naechsten Tages staerkten.

Eine Stunde mochte auf diese Art vergangen sein. Die Nacht war
vollends eingebrochen, Glockenklang und Chorgesang laengst verstummt.
Die zur Ruhe gesendeten Diener hatten eine duesterbrennende Ampel, in
der Mitte des Gemaches haengend, angezuendet, und noch immer sassen die
beiden Ritter am Fenster, im eifrigen Gespraech; vielleicht vom Zweck
ihrer Reise, offenbar von Wichtigem. Da pochte es mit kraeftigem
Finger an die Tuere des Gemaches, und ehe man noch, ungern die Rede
unterbrechend, mit einem: Herein! geantwortet, oeffnete sich diese, und
eine seltsame Menschengestalt trat ein, mit der Frage: ob sie Feuer
beduerften?

Der Eingetretene war in ein abgetragenes, an mehreren Stellen
geflicktes Moenchskleid gehuellt, das sonderbar genug gegen den derben,
gedrungenen Koerperbau abstach. Obgleich von Alter schon etwas gebeugt
und mehr unter als ueber der Mittelgroesse, war doch ein eigener Ausdruck
von Entschlossenheit und Kraft ueber sein ganzes Wesen verbreitet, so
dass, die Kleidung abgerechnet, der Beschauer den Mann eher fuer alles,
als fuer einen friedlichen Sohn der Kirche erkannt haette. Haar und
Bart, vormals augenscheinlich rabenschwarz, nun aber ueberwiegend mit
Grau gemischt und, trotz ihrer Laenge, stark gekraeuselt, draengten sich
in dichter Fuelle um Stirne, Mund und Kinn. Das Auge, kloesterlich
gesenkt, hob sich nur selten; wenn es aber aufging, traf es wie ein
Wetterschlag, so grauenhaft funkelten die schwarzen Sterne aus den
aschfahlen Wangen, und man fuehlte sich erleichtert, wenn die breiten
Lider sie wieder bedeckten. So beschaffen und so angetan, trat der
Moench, ein Buendel Holz unter dem Arme, vor die Fremden hin, mit der
Frage: ob sie Feuer beduerften?

Die beiden sahen sich an, erstaunt ob der seltsamen Erscheinung.
Indessen kniete der Moench am Kamine nieder und begann Feuer anzumachen,
liess sich auch durch die Bemerkung nicht stoeren, dass man gar nicht
friere, und seine Muehe ueberfluessig sei. Die Naechte wuerden schon rauh,
meinte er und fuhr in seiner Arbeit fort. Nachdem er sein Werk
vollendet, und das Feuer lustig brannte, blieb er ein paar Augenblicke
am Kamin stehen, die Haende waermend, dann, ohne sich scheinbar um die
Fremden zu bekuemmern, schritt er schweigend der Tuere zu.

Schon stand er an dieser und hatte die Klinke in der Hand, da sprach
einer der Fremden: "Nun Ihr einmal hier seid, ehrwuerdiger
Vater"-"Bruder!" fiel der Moench, wie unwillig, ein, und ohne sich
umzusehen, blieb er, die Stirn gegen die Tuere geneigt, am Eingange
stehen.

"Nun denn also, ehrwuerdiger Bruder!" fuhr der Fremde fort, "da Ihr
schon einmal hier seid, so gebt uns Aufschluss ueber einiges, das wir zu
wissen den Wunsch hegen."

"Fragt!" sprach, sich umwendend, der Moench.

"So wisst denn", sagte der Fremde, "dass uns die herrliche Lage und
Bauart Eures Klosters mit Bewunderung erfuellt hat, vor allem aber, dass
es so neu ist und vor kurzem erst aufgefuehrt zu sein scheint."

Die dunkeln Augen des Moenches hoben sich bei dieser Rede und hafteten
mit einer Art grimmigen Ausdruckes auf dem Sprechenden.

"Die Zeiten sind vorueber", fuhr dieser fort, wo die Errichtung solcher
Werke der Froemmigkeit nichts Seltenes war. Wie lange steht das
Kloster?"

"Wisst Ihr es vielleicht schon?" fragte, zu Boden blickend, der Moench,
"oder wisst Ihr es nicht?"

"Wenn das erstere, wuerde ich fragen?" entgegnete der Fremde.

"Es trifft sich zuweilen", murmelte jener. "Drei Jahre steht dies
Kloster. Dreissig Jahre!" fuegte er verbessernd hinzu und sah nicht auf
vom Boden.

"Wie aber hiess der Stifter?" fragte der Fremde weiter. "Welch
gottgeliebter Mann?"--Da brach der Moench in ein schmetterndes
Hohngelaechter aus. Die Stuhllehne, auf die er sich gestuetzt hatte,
brach krachend unter seinem Druck zusammen; eine Hoelle schien in dem
Blicke zu flammen, den er auf die Fremden richtete, und ploetzlich
gewendet, ging er schallenden Trittes zur Tuere hinaus.

Noch hatten sich die beiden von ihrem Erstaunen nicht erholt, da ging
die Tuere von neuem auf, und derselbe Moench trat ein. Als ob nichts
vorgefallen waere, schritt er auf den Kamin zu, lockerte mit dem
Stoereisen das Feuer auf, legte Holz zu, blies in die Flamme. Darauf
sich umwendend, sagte er: "Ich bin der mindeste von den Dienern dieses
Hauses. Die niedrigsten Dienste sind mir zugewiesen. Gegen Fremde
muss ich gefaellig sein, und antworten, wenn sie fragen. Ihr habt ja
auch gefragt? Was war es nur?"

"Wir wollten ueber die Gruendung dieses Klosters Auskunft einholen",
sprach der aeltere der beiden Deutschen, "aber Eure sonderbare
Weigerung"-"Ja, ja!" sagte der Moench, "Ihr seid Fremde, und kennet Ort
und Leute noch nicht. Ich moechte gar zu gerne Eure toerichte Neugierde
unbefriedigt lassen, aber dann klagt Ihrs dem Abte, und der schilt
mich wieder, wie damals, als ich dem Palatin von Plozk an die Kehle
griff, weil er meiner Vaeter Namen schimpfte. Kommt Ihr von Warschau?"
fuhr er nach einer kleinen Weile fort.

"Wir gehen dahin", antwortete einer der Fremden.

"Das ist eine arge Stadt", sagte der Moench, indem er sich setzte.
"Aller Unfrieden geht von dort aus. Wenn der Stifter dieses Klosters
nicht nach Warschau kam, so stiftete er ueberhaupt kein Kloster, es
gaebe keine Moenche hier, und ich waere auch keiner. Da Ihr nicht von
dorther kommt, moegt Ihr rechtliche Leute sein, und, alles betrachtet,
will ich Euch die Geschichte erzaehlen. Aber unterbrecht mich nicht
und fragt nicht weiter, wenn ich aufhoere. Am Ende sprech ich selbst
gerne wieder einmal davon. Wenn nur nicht so viel Nebel dazwischen
laege, man sieht kaum das alte Stammschloss durchschimmern--und der Mond
scheint auch so truebe."--Die letzten Worte verloren sich in ein
unverstaendliches Gemurmel, und machten endlich einer tiefen Stille
Platz, waehrend welcher der Moench, die Haende in die weiten Aermel
gesteckt, das Haupt auf die Brust gesunken, unbeweglich da sass. Schon
glaubten die beiden, seine Zusage habe ihn gereut, und wollten
kopfschuettelnd sich entfernen; da richtete er sich ploetzlich mit einem
verstaerkten Atemzuge empor; die vorgesunkene Kapuze fiel zurueck; das
Auge, nicht mehr wild, strahlte in fast wehmuetigem Lichte; er stuetzte
das dem Mond entgegengewendete Haupt in die Hand und begann:

"Starschensky hiess der Mann, ein Graf seines Stammes, dem gehoerte die
weite Umgegend und der Platz, wo dies Kloster steht. Damals war aber
noch kein Kloster. Hier ging der Pflug; er selber hauste dort oben,
wo jetzt geborstene Mauern das Mondlicht zurueckwerfen. Der Graf war
nicht schlimm, wenn auch gerade nicht gut. Im Kriege hiess man ihn
tapfer; sonst lebte er still und abgeschieden im Schlosse seiner Vaeter.
Ueber eines wunderten sich die Leute am meisten: nie hatte man ihn
einem weiblichen Wesen mit Neigung zugetan gesehen, sichtlich vermied
er den Umgang mit Frauen. Er galt daher fuer einen Weiberfeind; doch
war er keiner. Ein von Natur schuechterner Sinn, und--lasst sehn ob
ichs treffe!" sagte der Moench, indem er sich aufrichtete--"ein ueber
alles gehendes Behagen am Besitz seiner selbst, hatte ihm bis dahin
keine Annaeherung erlaubt. Abwesenheit von Unlust war ihm Lust.--Habt
Ihr noch Wein uebrig? Gebt mir einen Becher! Der Graf war so schlimm
nicht."

Der Moench trank, dann fuhr er fort: "So lebte Starschensky, so
gedachte er zu sterben; doch war es ihm anders bestimmt. Ein
Reichstag rief ihn nach Warschau. Unwillig ueber die Verkehrtheit der
Menge, deren jeder nur sich wollte, wo es das Wohl des Ganzen galt,
ging er eines Abends durch die Strassen der Stadt; schwarze Regenwolken
hingen am Himmel, jeden Augenblick bereit, sich zu entladen, dichtes
Dunkel ringsum. Da hoerte er ploetzlich hinter sich eine weibliche
Stimme, die zitternd und schluchzend ihn anspricht: Wenn Ihr ein
Mensch seid, so erbarmt Euch eines Ungluecklichen! Rasch umgewendet,
erblickt der Graf ein Maedchen, das bittend ihm die Haende
entgegenstreckt. Die Kleidung schien aermlich, Hals und Arme
schimmerten weiss durch die Nacht. Der Graf folgt der Bittenden. Zehn
Schritte gegangen, tritt sie in eine Huette, Starschensky folgt, und
bald steht er mit ihr allein auf dem dunkeln Flur. Eine warme, weiche
Hand ergreift die seinige.--Seid Ihr Ordensritter?" unterbrach sich
der Moench, zu dem Juengeren der Fremden gewendet. "Was bedeutet das
Kreuz auf Eurem Mantel?"--"Ich bin Malteser", entgegnete dieser.--"Ihr
auch?" wendet der Moench sich zum zweiten.--"Keineswegs", war die
Antwort.--"Habt ihr Weib und Kinder?"--"Beides hatt' ich nie."--"Wie
alt seid Ihr?"--"Fuenfundvierzig."--"So! so!" murmelte kopfnickend der
Moench. Dann fuhr er fort:

"Ein bis dahin unbekanntes Gefuehl ergriff den Grafen bei der Beruehrung
der warmen Hand. Sie erzaehlen ein morgenlaendisches Maerchen von einem,
dem ploetzlich die Gabe verliehen ward, die Sprache der Voegel und
andern Naturwesen zu verstehen, und der nun, im Schatten liegend am
Bachesrand, mit freudigem Erstaunen rings um sich ueberall Wort und
Sinn vernahm, wo er vorher nur Geraeusch gehoert und Laute. So erging
es dem Grafen. Eine neue Welt stand vor ihm auf, und bebend folgte er
seiner Fuehrerin, die eine kleine Tuere oeffnete, und mit ihm in ein
niederes, schwacherleuchtetes Zimmer trat.

Der erste Strahl des Lichtes fiel auf das Maedchen. Starschenskys
innerstes Wesen jubelte auf, dass die Wirklichkeit gehalten, was die
Ahnung versprach. Das Maedchen war schoen, schoen in jedem Betracht.
Schwarze Locken ringelten sich um Stirn und Nacken, und erhoben, mit
der gleichgefaerbten Wimper, bis zum Sonderbaren den Reiz des hellblau
strahlenden Auges. Der Mund mit ueppig aufgeworfenen, beinahe zu
hochroten Lippen, ward keineswegs durch eine kleine Narbe entstellt,
die, als schmale, weisslich gefaerbte Linie schraeg abwaerts laufend, sich
in den Karmin der Oberlippe verlor. Gruebchen in Kinn und Wangen;
Stirn und Nase, wie vielleicht gerade der Maler sie nicht denkt, wie
sie aber meinen Landsmaenninnen wohl stehen, vollendeten den Ausdruck
des reizenden Koepfchens und standen in schoenem Einklange mit den
Formen eines zugleich schlank und voll gebauten Koerpers, dessen ueppige
Schoenheit die aermliche Huelle mehr erhob als verbarg.--Nicht wahr,
davon wisst Ihr nichts, Malteser? Ja, ja, bei dem alten Moench rappelts
einmal wieder! Lasst uns noch eins trinken!--So, und nun gut.

Der Graf stand verloren im Anschaun des Maedchens und bemerkte kaum,
dass in einem Winkel der Huette, auf moderndes Stroh gebettet, einen
zerrissenen Sattel statt des Kissens unter dem Kopfe, mit Lumpen
bedeckt, die Jammergestalt eines alten Mannes lag, der jetzt die Hand
aus seinen aermlichen Huellen hervorstreckte, und mit erloschener Stimme
fragte: Bist dus, Elga? Wen bringst du mir da?--Hier der Unglueckliche,
sprach das Maedchen zu Starschensky gewendet, fuer den ich, durch
aeusserste Not getrieben, Euer Mitleid ansprach. Er ist mein Vater, ein
Edelmann von altem Stamm und Adel, durch Verfolgung bis hierher
gebracht.--Damit ging sie hin, und am Lager des Greises niedergekauert,
suchte sie, durch Zurechtruecken und Ausbreiten, in die Lumpen, die
ihn bedeckten, einen Schein von Anstaendigkeit und Ordnung zu bringen.

Der Graf trat naeher. Er erfuhr die Geschichte. Der vor ihm lag, war
der Starost von Laschek. Er und seine zwei Soehne hatten sich in
politische Verbindungen eingelassen, die das Vaterland missbilligte.
Ihre Anschlaege wurden entdeckt. Die beiden Soehne samt einigen
Unvorsichtigen, die mit ihnen gemeinsame Sache gemacht, traf
Verbannung; der Vater, seiner Gueter beraubt, war im Elend.

Im ersten Augenblicke, als Starschensky den Namen Laschek hoerte, wusste
er auch schon, dass die Lage des Ungluecklichen nicht ganz unverschuldet
war. Denn, wenn er auch einer unmittelbaren Teilnahme an den
Anschlaegen seiner Soehne nicht geradezu ueberwiesen werden konnte, so
hatte er doch durch Leichtsinn in der Jugend und ueble Wirtschaft im
vorgerueckten Alter seinen Soehnen die rechtlichen Wege des Emporkommens
schwierig, und Wagnisse willkommen gemacht. All dies war dem Grafen
nicht verborgen. Aber es galt einen Ungluecklichen zu retten, und
Elgas Vater hatte den beredtesten Fuersprecher bei dem Entbrannten fuer
seine Tochter.

Laschek ward in eine anstaendige Wohnung gebracht, er und seine Tochter
mit dem Notwendigen versehen. Starschensky verwendete seinen Einfluss,
seine Verbindungen, er liess sich bis zu Geld und Geschenken herab, um
die Wiederherstellung des Entsetzten, die Rueckberufung der Verbannten
zu erwirken. Gluecklicherweise waren die aeusseren Verhaeltnisse laengst
vorueber, welche die Anschlaege jener Unvorsichtigen gefaehrlich gemacht
hatten. Verzeihung ward bewilligt; die Verwiesenen ruesteten sich zur
Heimkehr. Mehrere der Ungluecksgenossen hatten, ihrem Leichtsinne treu,
Dienste in fremden Landen genommen; nur Lascheks beide Soehne und ein
entfernter Verwandter des Hauses, Oginsky genannt, machten Gebrauch
von der schwer erlangten Erlaubnis. Taeglich erwartete man ihre
Ankunft.

Die Wiedergabe von Lascheks eingezogenen Guetern zeigte sich indes als
wenig Nutzen bringend. Taeglich erschienen neue Glaeubiger. Hauptstock
und rueckstaendige Zinsen verschlangen weit den Wert des vorhandenen
Unbeweglichen. Starschensky trat ins Mittel, bezahlte, verschuldete
seine eigenen Gueter und konnte dennoch kaum einen geringen Rest der
Stamm-Besitzungen, als ein Pfropfreis fuer die Zukunft, retten.

Gluecklicher schien er mittlerweile in seinen Bewerbungen um Elgas Herz.
Als das Maedchen sich zum erstenmale wieder in anstaendigen Kleidern
erblickte, flog sie ihm beim Eintritte aufschreiend entgegen, und ein
lange nachgefuehlter Kuss von ihren brennenden Lippen lohnte seine
Vorsorge, sein Bemuehn. Dieser erste Kuss blieb freilich vorderhand
auch der letzte, nichtsdestoweniger durfte sich aber doch Starschensky
mit der Hoffnung schmeicheln, ihrem Herzen nicht gleichgueltig zu sein.
Sie war gern in seiner Gesellschaft, sie bemerkte und empfand seine
Abwesenheit. Oft ueberraschte er ihr Auge, das gedankenvoll und
betrachtend auf ihn geheftet war; ja einigemale konnte er nur durch
schnelles Zurueckziehen verhindern, dass nicht ein Kuss, den er gar zu
gerne seinen Lippen gegoennt haette, auf seine Hand gedrueckt wurde. Er
war voll der schoensten Hoffnungen. Doch mit einemmale aenderte sich
die Szene. Elga ward duester und nachdenkend. Wenn sonst ihre Neigung
fuer Zerstreuungen, fuer Kleiderzier und Lebensgenuss sich aufs
bestimmteste aussprach, und manchmal hart an die Grenzen des Zuviel zu
streifen schien, so mied sie jetzt die Gesellschaft. Streitende
Gedanken jagten ihre Wolken ueber die schoengeglaettete Stirne; das
getruebte Auge sprach von Traenen, und nicht selten draengte sich ein
einzelner der stoerenden Gaeste unter der schnellgesenkten Wimper hervor.
Starschensky bemerkte, wie der Vater sie dann ernst, beinahe drohend
anblickte, und eine erkuenstelte Heiterkeit das Bestreben des Maedchens
bezeichnete, einen heimlichen Kummer zu unterdruecken. Einmal, rasch
durchs Vorgemach auf die Tuere des Empfangszimmers zuschreitend, hoerte
Starschensky die Stimme des Starosten, der aufs heftigste erzuernt
schien und sich sogar ziemlich gemeiner Ausdruecke bediente. Der Graf
oeffnete die Tuere und sah ringsum, erblickte aber kein drittes; nur die
Tochter, die nicht weinend und hoechst erhitzt, vom Vater abgekehrt, im
Fenster stand. Ihr mussten jene Scheltworte gegolten haben. Da ward
es fester Entschluss in der Seele des Grafen, durch eine rasche Werbung
um Elgas Hand, der marternden Ungewissheit des Verhaeltnisses ein Ende
zu machen.

Waehrend er sich kurze Frist zur Ausfuehrung dieses Vorsatzes nahm und
Elgas vorige Heiterkeit nach und nach zurueckkehrte, langten die aus
der Verbannung heimberufenen Angehoerigen an. Elga schien weniger
Freude ueber den Wiederbesitz der so lange entbehrten Brueder zu
empfinden, als der Graf vorausgesetzt hatte. Am auffallendsten aber
war ihre schroffe Kaelte, um es nicht Haerte zu nennen, gegen den
Gefaehrten von ihrer Brueder Schuld und Strafe, den armen Vetter Oginsky,
den sie kaum eines Blickes wuerdigte. Gut gebaut und wohl aussehend,
wie er war, schien er eine solche Abneigung durch nichts zu verdienen;
vielmehr war in seinem beinahe zu unterwuerfigen Benehmen das Streben
sichtbar, sich um die gute Meinung von jedermann zu bewerben. Keine
Haerte konnte ihn aufbringen; nur schien ihm freilich jede Gelegenheit
erwuenscht, sich der beinahe veraechtlichen Behandlung Elgas zu
entziehen. Zuletzt verschwand er ganz, und niemand wusste, wo er
hingekommen war.

Nun endlich trat der Graf mit seiner Bewerbung hervor, der alte
Starost weinte Freudentraenen, Elga sank schamerroetend und sprachlos in
seine Arme, und der Bund war geschlossen. Laute Feste verkuendeten der
Hauptstadt Starschenskys Glueck, und wiederholte, zahlreich besuchte
Feste versicherten ihn der allgemeinen Teilnahme. Durch eine
Ehrenbedienstung am Hofe festgehalten, lernte er bald sich in Geraeusch
und Glanz fuegen, ja wohl gar daran Vergnuegen finden, wenigstens
insoweit Elga es fand, deren Geschmack fuer rauschende Lustbarkeiten
sich immer bestimmter aussprach. Aber war sie nicht jung, war sie
nicht schoen? Hatte nicht, nach langen Unfaellen, jede Lust fuer sie den
doppelten Reiz, als Lust und als neu? Der Graf gewaehrte und war
gluecklich. Nur eines fehlte, um ihn ganz selig zu machen: schon war
ein volles Jahr seit seiner Vermaehlung verstrichen, und Elga gab noch
keine Hoffnung Mutter zu werden.

Doch ploetzlich ward der Rausch des Gluecklichen auf eine noch weit
empfindlichere Weise gestoert. Starschenskys Hausverwalter, ein als
redlich erprobter Mann, erschien, truebe Wolken auf der gefurchten
Stirn. Man schloss sich ein, man rechnete, man verglich, und es zeigte
sich bald nur zu deutlich, dass durch das, was fuer Elgas Verwandte
geschehen war, durch den schrankenlosen Aufwand der letzten Zeit, des
Grafen Vermoegensstand erschuettert war und schleunige Vorsorge
erheischte. Das Schlimmste zu dieser Verwirrung hatten Elgas Brueder
getan. Wie denn ueberhaupt das Unglueck nur Besserungsfaehige bessert,
so war die alles verschlingende Genussliebe des leichtfertigen Paares
durch die lange Entbehrung nur noch gieriger geworden. Auf die Kasse
des Grafen mit ihrem Unterhalte angewiesen, hatten sie den
ueberschwenglichsten Gebrauch von dieser Zugestehung gemacht, und
nachdem der in Seligkeit schwimmende Graf auf die ersten Anfragen
seiner besorgten Geschaeftsleute ungeduldig die Antwort erteilt hatte:
man solle es nicht zu genau nehmen und seinen Schwaegern geben was sie
bedurften, war bald des Forderns und Nehmens kein Ende.

Der Graf uebersah mit einem Blicke das Bedenkliche seiner Lage und,
ordnungsliebend wie er war, hatte fuer ihn ein rasches Umkehren von dem
eingeschlagenen Taumelpfade nichts Beaengstigendes. Nur der Gedanke an
Elga machte ihm bange. Wird das heitere, in unbefangenem Frohsinn so
gern hinschwebende Wesen--? Aber es musste sein, und der Graf tat, was
er musste. Mit klopfendem Herzen trat er in Elgas Gemach. Aber wie
angenehm ward er ueberrascht, als, da er kaum die Verhaeltnisse
auseinandergesetzt und die Notwendigkeit geschildert hatte, die Stadt
zu verlassen, um auf eigener Scholle den Leichtsinn der
letztverflossenen Zeit wieder gut zu machen, als bei der ersten
Andeutung schon Elga an seine Brust stuerzte, und sich bereitwillig und
erfreut erklaerte. Was er wolle, was er gebiete, sie werde nur
gehorsam sein! Dabei stuerzten Traenen aus ihren Augen, und sie waere zu
seinen Fuessen gefallen, wenn er es nicht verhindert, sie nicht
emporgehoben haette zu einer langen, Zeit und Aussenwelt aufhebenden
Umarmung.

Alle Anstalten zur Abreise wurden gemacht. Starschensky, der, von
Jugend auf an Einsamkeit gewohnt, alle Freuden des Hofes und der Stadt
nur in der Freude, die seine Gattin daran zeigte, genossen hatte,
segnete beinahe die Unfaelle, die ihn zwangen, in den Schoss seiner
laendlichen Heimat zurueckzukehren. Elga packte und sorgte, und in den
ersten Nachmittagsstunden eines warmen Maientages war man mit Kisten
und Paecken in dem altertuemlichen Stammschlosse angekommen, das, neu
eingerichtet, und aufs beste in Stand gesetzt, durch Nachtigallenschlag
und Bluetenduft wetteifernd ersetzte, was ein verwoehnter Geschmack in
Vergleich mit den Palaesten der Staedte, allenfalls haette vermissen
koennen.

Bald nach der Ankunft schien sich zum Teile aufzuklaeren, warum Elgan
die Aenderung der bisherigen Lebensweise so leicht geworden war. Sie
stand in den ersten Monaten einer bis jetzt verheimlichten
Schwangerschaft, und Starschensky, mit der Erfuellung aller seiner
Wuensche ueberschuettet, kannte keine Grenzen seines Gluecks.

Fruehling und Sommer verstrichen unter laendlichen Ergoetzlichkeiten,
ordnenden Einrichtungen und frohen Erwartungen. Als das Laub gefallen
war und rauhe Stuerme, die ersten Boten des Winters, an den Fenstern
des Schlosses ruettelten, nahte Elgan die ersehnte und gefuerchtete
Stunde, sie gebar, und ein engelschoenes, kleines Maedchen ward in die
Arme des Grafen gelegt, der die Tochter mit segnenden Traenen benetzte.
Leicht ueberstanden, wie die Geburt, waren die Folgen, und Elga bluehte
bald wieder einer Rose gleich.

Soviel guenstige Vorfaelle wurden leider durch unangenehme Nachrichten
aus der Hauptstadt unterbrochen. Der alte Starost, Elgas Vater, war
gestorben, und hatte seine Umstaende in der groessten Zerruettung
hinterlassen. Die beiden Soehne, in ihrer tollen Verschwendung nicht
mehr von ihrem bedaechtlicher gewordenen Schwager unterstuetzt, haeuften
Schulden auf Schulden, und ihre Glaeubiger, die in der Hoffnung auf den
Nachlass des alten Vaters zugewartet hatten, sahen sich zum Teile in
ihrer Erwartung dadurch getaeuscht, dass in dem Testamente des Starosten
eine betraechtliche Summe, in Folge einer frueher geschehenen foermlichen
Schenkung, an jenen armen Vetter Oginsky ueberging. Dieser Vetter war,
wie bekannt, seit laengerer Zeit verschwunden. Er musste aber doch noch
leben, und sein Aufenthalt nicht jedermann ein Geheimnis sein, denn
die ihm bestimmte Summe ward gefordert, uebernommen, und die Sache
blieb abgetan.

Zu den Verschwendungen der beiden Laschek gesellten sich ueberdies noch
Geruechte, als ob sie neuerdings verbotene Anschlaege hegten und
Parteigaenger fuer landesschaedliche Neuerungen wuerben. Starschensky sah
sich aufs ueberlaestigste von seinen Schwaegern und ihren Glaeubigern
bestuermt, er wies aber, nachdem er getan, was in seinen Kraeften stand,
alle weitere Anforderung standhaft von sich, und hatte das Vergnuegen,
Elgan in ihren Gesinnungen mit den seinigen ganz uebereinstimmen zu
sehen. Ja, als die Brueder, gleichsam zum letzten Versuch, sich auf
dem Schlosse des Grafen einfanden, sahen sie sich von der Schwester
mit Vorwuerf en ueberhaeuft, und man schied beinahe in Feindschaft.

So gingen mehr als zwei Jahre vorueber, und der Friede des Hauses
bluehte, nach ueberstandenen Stuermen, nur um so schoener empor. Sah sich
gleich der Graf in seinen Wuenschen nach einem maennlichen Stammhalter
fortwaehrend getaeuscht, so wendete sich dafuer eine um so groessere, eine
ungeteilte Liebe auf das teure, einzige Kind.

Kaum konnte aber auch etwas Reizenderes gedacht werden, als das kleine,
rasch sich entwickelnde Maedchen. In allen schon angekuendigten Formen
der Mutter Abbild, schien sich die schaffende Natur bei dem holden
Koepfchen in einem seltsamen Spiele gefallen zu haben. Wenn Elga bei
der Schwaerze ihrer Haare und Brauen durch ein hellblaues Auge auf eine
eigene Art reizend ansprach, so war bei dem Kinde diese Verkehrung des
Gewoehnlichen nachgeahmt, aber wieder verkehrt; denn goldene Locken
ringelten sich um das zierliche Haeuptchen, und unter den langen
blonden Wimpern barg sich, wie ein Raeuber vor der Sonne, das grosse
schwarzrollende Auge. Der Graf scherzte oft ueber diese, wie er es
nannte, auf den Kopf gestellte Aehnlichkeit, und Elga drueckte dann das
Kind inniger an sich und ihre Lippen hafteten auf den gleichgeschwellten,
strahlenden von gleichem Rot.

Der Graf widmete alle Stunden, die er nicht den haeuslichen Freuden
schenkte, einzig der Wiederherstellung seiner, durch die unueberlegte
Freigebigkeit an Elgas Verwandte herabgekommenen Vermoegensumstaende und
der Verbesserung seiner Gueter. Tagelang durchging er Meierhoefe und
Fruchtscheuern, Saatfelder und Holzschlaege, immer von seinem
Hausverwalter begleitet, einem alten, redlichen Manne, der, vom Vater
auf den Sohn vererbt, dessen ganzes Vertrauen besass. Schon seit
laengerer Zeit bemerkte Starschensky eine auffallende Duesterheit in den
Zuegen des Alten. Wenn er unvermutet sich nach ihm umwendete,
ueberraschte er das sonst immer heitere Auge beinahe wehmuetig auf sich
geheftet. Doch schwieg der Mann.

Einst, als beide die Hitze eines brennenden Vormittages mit den
Schnittern geteilt hatten und der Graf, im Schatten eines Erlenbusches
gelagert, mit Behagen einen Trunk frischen Wassers aus der Hand seines
alten Dieners empfing, da rief dieser losbrechend aus: Wie herrlich
Gottes Segen auf den Feldern steht! Wie gluecklich sich der Besitzer
von dem allen fuehlen muss! Das tut er auch, entgegnete, kopfnickend
und zu wiederholtem Trinken ansetzend, der Graf. Es begreift sich
allenfalls noch, fuhr der Alte fort, wie es in den Staedten
Unzufriedene gibt, die an Staat und Ordnung ruetteln, und denen die
Gewalt nichts zu Danke machen kann, aber auf dem Lande, in Wald und
Feld, fuehlt mans deutlich, dass doch am Ende Gott allein alles regiert;
und der hats noch immer gut gemacht bis auf diesen Augenblick. Aber
die Ruhestoerer haben keine Rast, bis sie alles verwirrt und zerruettet,
Vater und Bruder in ihr Netz gezogen, Schwester und Schwaeger. Gottes
Verderben ueber sie!--Der Graf war aufgestanden. Ich merke wohl,
sprach er, dass du auf meiner Frau Brueder zielst. Hast du etwa
neuerlich von ihnen gehoert? Da fiel der alte Mann ploetzlich zu
Starschenskys Fuessen, und in heisse Traenen ausbrechend, rief er: Herr,
lasst Euch nicht verlocken! Denkt an Weib und Kind! An so manches,
was Ihr besitzt! An Eurer Vaeter ruhmwuerdigen Namen!--Was kommt dir
an? zuernte der Graf.--Herr, rief der Alte, Eure Schwaeger sinnen Boeses,
und Ihr wisst um ihr Vorhaben!--Spricht der Wahnsinn aus dir? schrie
Starschensky.--Ich weiss was ich sage, entgegnete der Alte. Ein
Vertrauter Eurer Schwaeger kommt zu Euch heimlich aufs Schloss.
Heimlich wird er eingelassen. Tagelang liegt er in der halbverfallenen
Warte am westlichen Ende der Tiergartenmauer verborgen. --Wer sagt das?
--Ich, der ich ihn selbst gesehen habe.--Heimlich aufs Schloss kommend?
--Heimlich aufs Schloss!--Wann?--Oft!--Ein Vertrauter meiner Schwaeger?
--In Warschau sah ich ihn an ihrer Seite.--Weisst du seinen Namen?--Euch
ist wohlbekannt, dass ich nur einmal in Warschau war, und da hatte ich
Wichtigeres in Eurem Dienste zu schaffen, als mich um die Namen von
Eurer Schwaeger zahlreichen Zechgesellen zu bekuemmern. Aber, dass ich ihn
mit ihnen sah, des bin ich gewiss.--Zu welchen Stunden sahst du ihn aufs
Schloss kommen?--Nachts! --Starschensky schauderte unwillkuerlich zusammen
bei dieser letzten Antwort, obgleich eine kurze Besinnung ihm so viele
moegliche Erklaerungsarten dieser raetselhaften Besuche darbot, dass er bei
seiner Nachhausekunft schon wieder beinahe ganz ruhig war. Nur fragte er
wie im Vorbeigehen Elgan: ob sie schon lange keine Nachricht von ihren
Bruedern erhalten habe? Seit sie zuletzt selbst hier waren, keine,
entgegnete sie ganz unbefangen. Der Graf gebot dem alten
Hausverwalter, dem er seine patriotischen Besorgnisse leicht
ausgeredet hatte, das tiefste Stillschweigen ueber die ganze Sache,
beschloss aber doch, wo moeglich, naeher auf den Grund zu sehen.

Einige Zeit verstrich, da war er eines Nachmittags zu Pferde gestiegen,
um eine seiner entferntern Besitzungen zu besuchen, wo er mehrere
Tage zubringen wollte. Schon hatte er einen guten Teil des Weges
gemacht, und der Abend fing an einzubrechen, da hoerte er hinter sich
laut und aengstlich seinen Namen rufen. Umblickend, erkannte er den
alten Hausverwalter, der auf einem abgetriebenen Pferde keuchend und
atemlos ihn einzuholen sich bestrebte und mit Rufen und Haendewinken
anzuhalten und ihn zu erwarten bat. Der Graf zog den Zuegel seines
Rosses an und hielt. Angelangt, draengte der Alte sich hart an seinen
Herrn und stammelte ihm keuchend seine Kunde ins Ohr. Der Veranlasser
jener Besorgnisse, der raetselhafte Unbekannte war wieder in der Naehe
des Schlosses gesehen worden. Der Graf wandte sein Ross, und eines
Laufes sprengten sie den Weg zurueck, heimwaerts, mit Muehe von den
Dienern gefolgt. Eine gute Strecke vom Schlosse stiegen beide ab und
gaben die Pferde dem Diener, der angewiesen wurde, ihrer an einem
bezeichneten Platze zu harren. Durch Gestruepp und Dickicht gingen sie
jener Warte zu, wo der Fremde sich am oeftesten zeigen sollte. Es war
indes dunkel geworden, und der Mond zoegerte noch aufzugehen, obschon
bereits durch eine daemmernde Helle am Saum des Horizontes angekuendigt.
Da fiel ploetzlich durch die dicht verschlungenen Zweige ein Licht in
ihre Augen, in derselben Richtung, in der jene Warte liegen musste.
Sie beeilten sich, den Rand des Waldes zu erreichen, und waren nun am
Fusse des von Baeumen entbloesstem Huegels angekommen, auf dem die Warte
stand. Aber kein Licht blickte durch die ausgebroeckelten
Schussscharten; keine Spur eines menschlichen Wesens. Zwar wollte der
alte Verwalter bei dem Schein des eben aufgehenden Mondes frische
Fusstritte am Boden bemerken, auch war es keineswegs in der Ordnung,
die Tuere unverschlossen zu finden; aber das erste Anzeichen konnte
taeuschen, das andere liess sich so leicht aus einer Nachlaessigkeit des
Schlosswarts erklaeren.

Leichter atmend, ging der Graf mit seinem Begleiter den Huegel herab,
dem Schlosse zu. Der Mond warf sein Silber ueber die ruhig
schlummernde Gegend und verwandelte das vor ihnen liegende Schloss in
einen schimmernden Feenpalast. In der Seele Starschenskys ging,
reizender als je, das Bild seiner Gattin auf. Jetzt erst gestand er
sichs, dass ein Teil des in ihm auf keimenden Verdachtes ihr gegolten
hatte, und nun, im Gefuehle seines Unrechts, ihr Bild, wie sie sorglos
schlummernd im jungfraeulichen Bette lag, vor den Augen seiner Seele,
entstand eine Sehnsucht nach ihr in seinem Innern, wie er sie seit den
Tagen des ersten Begegnens, der braeutlichen Bewerbung kaum je
empfunden hatte.

So traeumte er, so ging er. Da fuehlte er sich ploetzlich angestossen.
Sein Begleiter wars; der zeigte mit dem Finger vor sich hin in das
hellerleuchtete Feld. Starschensky folgte der Richtung und sah eine
Mannsgestalt, welche, die vom Monde unerleuchtete, dunkle Seite ihnen
zugekehrt, uebers Feld dem Schlosse zuschlich. Der Graf war sein
selbst nicht maechtig. Mit einem lauten Ausruf, den gezueckten Saebel in
der Faust, stuerzte er auf die Gestalt los. Der Fremde, fruehzeitig
gewarnt, floh, vom Schlosse ab, den Baeumen zu. Schon im Begriffe, ihn
dahin zu verfolgen, ward der Graf durch eine zweite Erscheinung davon
abgehalten, die dicht an der Mauer des Schlosses sich hinschob. Diese
zweite ward bald erreicht und gab sich zitternd und bebend als Dortka,
der Graefin Kammermaedchen, kund. Auf die erste Frage: Was sie hier
gemacht? stotterte sie unzusammenhaengende Entschuldigungen; die zweite:
wie sie hierher gekommen? beantwortete an ihrer Statt das geoeffnete
Ausfallpfoertchen, das, gewoehnlich versperrt und verriegelt, nur auf
des Grafen Befehl mit einem Schluessel, den er selbst verwahrte,
geoeffnet werden konnte.

Alle Versuche, von dem Maedchen ein Gestaendnis zu erpressen, waren
vergeblich. Da ergriff sie der Graf hocherzuernt bei der Hand und
fuehrte sie gewaltsam durch die mannigfach verschlungenen Gaenge bis zu
den Zimmern seiner Gemahlin, die er noch erleuchtet und unverschlossen
fand. Elga selbst war wach und in Kleidern. Der Graf, stotternd vor
Wut, erzaehlte das Geschehene und verlangte, dass das Maedchen entweder
augenblicklich bekenne, oder auf der Stelle aus Dienst und Hause
entfernt werde. Dortka war auf die Kniee gefallen und zitterte und
weinte.

Starschensky hatte sich seine Gattin verlegen oder seinem gerechten
Zorne beistimmend gedacht. Keines von beiden geschah. Kalt und
teilnahmslos bat sie ihn anfangs, die Ruhe des Hauses nicht durch sein
lautes Schelten zu stoeren, und als er fortfuhr und die Entfernung des
Maedchens begehrte, da erklaerte sie mit steigender Waerme: Ihr gebuehre,
ueber das Verhalten ihrer Dienerinnen zu richten, sie selbst werde
untersuchen und entscheiden. Der Graf, ausser sich, zog das Maedchen
vom Boden auf, sie gewaltsam aus dem Zimmer zu bringen, aber Elga
sprang hinzu, ergriff des Maedchens andere Hand, riss sie zu sich, indem
sie ausrief: Nun denn, so stoss auch mich aus dem Hause, denn darauf
ist es doch wohl abgesehen! dass ich frueher dich so gekannt!
Unglueckliche, die ich bin! fuhr sie laut weinend fort; gekraenkt,
misshandelt! Aber schuldlose Diener sollen nicht um meinetwillen
leiden! Dabei zeigte sie dem Maedchen mit dem Finger auf die Tuere
ihres Schlafgemaches; diese verstand den stummen Befehl und ging eilig
hinein. Elga folgte und schloss die Tuere hinter sich ab.

Starschensky stand wie vom Donner getroffen. Einmal raffte er sich
empor und ging auf das Zimmer seiner Frau zu; halben Weges aber blieb
er stehen und versank neuerdings in dumpfes Staunen. Der alte
Hausverwalter trat zu ihm und sprach einige Worte; der Graf aber ging
ohne Antwort an ihm vorueber zur Tuere hinaus, ueber die Gaenge, auf sein
Gemach, das im entgegengesetzten Fluegel des Schlosses lag. An der
Schwelle wendete er sich um, durch eine Bewegung der Hand jede
Begleitung zurueckweisend, und die Tuere ging hinter ihm zu. Wie er die
Nacht zubrachte; wer kann es wissen? Der Diener, der des Morgens zu
ihm eintrat, fand ihn angekleidet, auf einem Stuhle sitzend. Er
schien zu schlafen, doch naeher besehen, standen die Augen offen und
starrten vor sich hin. Der Diener musste einigemal seinen Namen nennen,
bis er sich bewegte. Dann erst meldete jener seine Botschaft, indem
er ihn im Namen der Graefin bat, das Fruehstueck auf ihrem Zimmer
einzunehmen. Starschensky sah ihn staunend an, dann aber stand er auf
und folgte schweigend, wohin jener ihn, vortretend, geleitete.

Heiter und bluehend, als ob nichts vorgefallen waere, kam ihm Elga
entgegen; sie erwaehnte halb scherzend der Ereignisse der verflossenen
Nacht. Das Kammermaedchen ward eines heimlichen Liebeshandels
angeklagt, Dortka selbst gerufen, die ein unwahrscheinliches Maerchen
unbeholfen genug erzaehlte. Zuletzt bat sie um Verzeihung, welche die
Graefin, mit Ruecksicht auf sonst gezeigtes gutes Betragen, im eigenen
und in ihres Gatten Namen grossmuetig erteilte. Der Graf, am Schlusse
doch auch um seine Zustimmung befragt, erteilte diese kopfnickend, und
das Maedchen blieb im Hause.

Schweigend nahm Starschensky das Fruehstueck ein, stumm ging er aus dem
Schlosse. Der alte Hausverwalter, der ihm auf seinem Wege entgegenkam,
wagte, neben ihm hergehend, nicht, das Stillschweigen zu brechen, und
suchte nur in den Zuegen seines Herrn Antwort auf seine
zurueckgehaltenen Fragen und Zweifel. So gingen sie, so verrichteten
sie ihre Geschaefte, wie sonst, wie immer. Der Graf bestrebte sich
nicht bloss, ueber die Vorfaelle des gestrigen Tages nichts zu denken, er
dachte wirklich nichts. Denn wenn der verfolgte Strauss sein Haupt
verbirgt und waehnt, sein Nichtsehen der Gefahr sei zugleich ein
Nichtdasein derselben, so tut der Mensch nicht anders. Unwillkuerlich
schliesst er sein Auge vor einem hereinbrechenden Unvermeidlichen, und
jedes Herz hat seine Geheimnisse, die es absichtlich verbirgt vor sich
selbst.

Einige Tage darauf wollte Starschensky eintreten bei seiner Gemahlin.
Es hiess, sie sei im Bade; doch hoerte er die Stimme seines Kindes im
naechsten Gemache, und er ging hinein. Da fand er die Kleine am Boden
sitzend, mitten in einer argen Verwirrung, die sie angerichtet. Elgas
Schmuck und Kleinodien lagen rings um das Kind zerstreut, und das
offene, umgestuerzte Schmuckkaestchen nebst dem herabgezogenen Teppich
des daneben stehenden Putztisches zeigte deutlich die Art, wie es sich
das kostbare Spielzeug verschafft hatte. Starschensky trat gutmuetig
scheltend hinzu, stritt dem Kinde Stueck fuer Stueck seinen Raub ab, und
versuchte nun die glaenzenden Steine wieder an ihre Stelle zu legen.
Der Deckel des Schmuckkaestchens, augenscheinlich ein doppelter, war
durch den Sturz vom Tische aus den Fugen gewichen, und da der Graf
versuchte, ihn, mit dem Finger drueckend, wieder zurueckzupressen, fiel
der innere Teil der doppelten Verkleidung auf den Boden und zeigte in
dem rueckgebliebenen hohlen Raume ein Portraet, das, schwach eingefuegt,
leicht von der Stelle wich und das nun der Graf hielt in der
zitternden Hand.

Es war das Bild eines Mannes in polnischer Nationaltracht. Das Gefuehl
einer entsetzlichen Aehnlichkeit ueberfiel den Grafen wie ein
Gewappneter. Da war das oft besprochene Naturspiel mit den schwarzen
Augen und blondem Haare, wie--bei seinem Kinde.--Er sah das Maedchen an,
dann wieder das Bild.--Diese Zuege hatte er sonst schon irgend gesehen;
aber wann? wo?--Schauer ueberliefen ihn.--Er blickte wieder hin. Da
schaute ihn sein Kind mit schwarzen Schlangenaugen an, und die blonden
Haare loderten wie Flammen, und die Erinnerung an jenen verschmaehten
Vetter in Warschau ging graesslich in ihm auf.--Oginsky! schrie er und
hielt sich am Tische, und die Zaehne seines Mundes schlugen klappernd
aneinander.

Ein Geraeusch im Nebenzimmer schreckte ihn empor. Er befestigte den
Deckel an seine Stelle, schloss das Kaestchen, das Bild hatte er in
seinen Busen gesteckt; so floh er, wie ein Moerder.

Diesen Tag ward er im Schlosse nicht mehr gesehen. Sein Platz blieb
leer am Mittagstische. Gegen Abend kam er ins Zimmer der Waerterin und
verlangte nach dem Kinde. Das nahm er bei der Hand und fuehrte es in
den Garten, der einsam gelegenen Mooshuette zu. Dort fand ihn nach
einer Stunde der suchende Hausverwalter, in eine Ruhebank
zurueckgelehnt. Das Kind stand zwischen seinen Knieen, er selbst hielt
ein Bild in der Hand, abwechselnd auf dieses, dann auf die Kleine
blickend, wie einer, der vergleicht, meinte der alte Mann.

Am folgenden Morgen war Starschensky verreist, niemand wusste wohin.
Er aber war in Warschau; dort forschte er, zu spaet! nach Elgas
frueheren Verhaeltnissen. Er erfuhr, dass sie und Oginsky, der in des
alten Starosten Hause erzogen war, sich schon fruehzeitig geliebt, dass,
aus Besorgnis vor der wachsenden Vertraulichkeit, der aussichtslose
Vetter entfernt wurde; dass, aus seiner Verbannung zurueckkehrend, kurz
vor Starschenskys Vermaehlung, er seine Ansprueche erneuert habe und
jene bedeutende Summe Geldes, die in des alten Laschek letztem Willen
ihm zugedacht war, zum Teil der Preis seines Ruecktrittes war; dass Elga
sich nur schwer von ihm getrennt und seine Armut und Starschenskys
Reichtum, verbunden mit dem Andringen ihrer Verwandten, der Hauptgrund
ihrer Einwilligung zur Verbindung mit dem Grafen gewesen war. All
diese Geheimnisse soll einer von Elgas Bruedern, gegen den er sich zur
rechten Zeit freigebig zeigte, dem Grafen fuer Geld verraten und ihm
zugleich den Ort angezeigt haben, wo Oginsky, einem geleisteten Schwur
zufolge, sich verborgen hielt.

Auf dem Schlosse herrschte unterdessen Unruhe und Besorgnis. Elga
selbst war uebrigens augenscheinlich die Ruhigste von allen. Sie
schien das befremdliche Betragen ihres Gatten noch auf Rechnung jener
naechtlichen Ueberraschung zu schieben, ueber die, da durchaus niemandem
etwas Bestimmtes zur Last gelegt werden konnte, der Graf, wie sie
hoffte, sich am Ende wohl selbst beruhigen werde. Jenes Kammermaedchen
war noch immer in ihren Diensten.

Unvermutet erschien nach einiger Zeit der Graf auf der Grenze seiner
Besitzung, in seinem Gefolge ein verschlossener Wagen, von dessen
Inhalt niemand wusste. Eine verhuellte Gestalt, vielleicht durch Knebel
am Sprechen verhindert, ward herausgehoben und dem durch Briefe im
voraus an die Grenze beschiedenen Hausverwalter uebergeben. Die alte
Warte an der Westseite des Tiergartens, seitdem sorgfaeltig
verschlossen, nahm die sonderbare Erscheinung in ihren Gewahrsam, und
dunkle Geruechte verbreiteten sich unter den Bewohnern der Umgegend.

Der Graf ging auf sein Schloss. Laut jubelnd kam ihm Elga entgegen,
das Kind an ihrer Hand. Er hoerte, wie unruhig man ueber seine
ploetzliche Abreise gewesen, wie sehnlich man ihn zurueckerwartet. Der
Kleinen Fortschritte wurden geruehmt, einige Proben der erlangten
Geschicklichkeit auf der Stelle abgelegt. Da die Zeit des Abendessens
gekommen war, erklaerte Starschensky sich unpass und ermuedet von der
Reise. Er ging, trotz aller Gegenvorstellungen, allein auf sein
Zimmer, wo er sich einschloss. Doch war sein Beduerfnis nach Ruhe nur
vorgegeben, denn nachts verliess er sein Gemach und ging allein nach
der Warte, wo er bis zum grauenden Morgen blieb.

Am darauf folgenden Tage war Elga verdruesslich, schmollend. Des Grafen
naechtlicher Gang war nicht unbemerkt geblieben. Elga fand sich
vernachlaessigt und zeigte ihre Unzufriedenheit darueber. Starschensky
unterbrach ihre missmutigen Aeusserungen, indem er von ihrer
beiderseitigen Lage zu sprechen anfing. Er bemerkte, dass bei seinem
jetzigen Aufenthalte in Warschau, bei dem erneuten Anblick der
Zerstreuungen jener genussliebenden Stadt es ihm klar geworden, wie ein
so reizendes, lebensfrohes Wesen, als Elga, auf dem Lande gar nicht an
ihrer Stelle sei. Er fragte sie, ob sie den Aufenthalt in der
Hauptstadt vorziehen wuerde? An seiner Seite, entgegnete sie.--Er
selbst, versicherte der Graf, werde durch seine Geschaefte auf den
Guetern festgehalten; seine Vermoegensumstaende seien schlimmer, als man
geglaubt, er muesse bleiben. Dann bleibe auch sie, sagte Elga. An
seiner Seite wolle sie leben und sterben. Nun verwuenschte sie die
beiden Brueder, die durch ihre unverschaemten Forderungen den allzu
guten Gatten in so manche Verlegenheit gestuerzt. Sie versicherte, nun
aber auch jeden Rest von Liebe fuer sie abgelegt zu haben. Wenn ihre
Brueder bettelnd vor der Tuere staenden, sie wuerde nicht oeffnen, sagte
sie. Der Graf uebernahm zum Teil die Verteidigung seiner Schwaeger. Er
habe sie in Warschau gesprochen. Es war einer ihrer Verbannungsgefaehrten
bei ihnen--wie hiess er doch?--Elga sann gleichfalls nach.--Oginsky!
rief der Graf und blickte sie rasch an. Sie veraenderte nicht eine Miene
und sagte: Die Genossen meiner Brueder sind alle schlecht, dieser aber
ist der schlechteste!--Welcher?--Den du nanntest!--Welcher war das?
--Nun, Oginsky! antwortete sie, und ein leichtes Zucken in ihren Zuegen
verriet eine voruebergehende Bewegung.

Der Graf war ans Fenster getreten und blickte hinaus. Elga folgte ihm,
sie lehnte den Arm auf seine Schulter. Der Graf stand unbeweglich.
Starschensky, sagte sie, ich bemerke eine ungeheure Veraenderung in
deinem Wesen. Du liebst mich nicht, wie sonst. Du verschweigst mir
manches. Der Graf wendete sich um und sagte: Nun denn, so lass uns
reden, weil du Rede willst. Du kennst die Zerruettung meiner
Vermoegensumstaende, du kennst deren Ursache. Was noch sonst mich
drueckt, weiss nur ich. Wenn nun diese Ereignisse schwer auf mir liegen,
so martert nicht weniger der Gedanke, dass ich die Ursache wohl gar
selbst herbeigefuehrt habe. Gewiss war der Leichtsinn tadelnswert, mit
dem ich das Erbe meiner Vaeter verwaltete; vielleicht war ich aber
sogar damals strafbar, als ich, der Stoerrische, an Abgeschiedenheit
Gewohnte, um die Hand des lebensfrohen Maedchens warb, unbekuemmert ueber
die Richtung ihrer Gefuehle und Neigungen, unbekuemmert, ob ich sie,
meine Frau geworden, zu einer Lebensart verdammte, deren Einfoermigkeit
ihr unertraeglich werden musste.--Starschensky! sagte Elga und sah ihn
mit schmeichelndem Vorwurfe an.--Man hat mir fremde Dienste angeboten,
fuhr Starschensky fort, und genau besehen, ist es vielleicht am besten,
ich meide fuer einige, vielleicht fuer laengere Zeit das Land meiner
Vaeter. Gestern noch waren meine Entschluesse finsterer. Aber die
Ueberlegung der heutigen Nacht zeigte mir diesen Entschluss als den
besten. Heute nacht, versetzte Elga misstrauisch, heute nacht hast du
ueberlegt? Und wo? Auf jener Warte etwa? Und da Starschensky
betroffen zurueckfuhr: Hab ich dich?--fuhr sie fort. Von dort her
holst du deine Besorgnisse? Von dorther deinen Wunsch zu reisen? Und
die Reisegefaehrtin wohl auch? Durch das Geruecht musste ich erfahren,
wie eine verhuellte Gestalt, wahrscheinlich eine gluecklichere Geliebte,
dort abgesetzt ward, zu der du nun allnaechtlich die Zaertlichkeit
traegst, die du an dem Altare mir zugeschworen. Ist das mein Lohn?
Komm! wendete sie sich zu dem danebenstehenden Kinde, komm! Wir sind
ihm zur Last! Er hat andere Freuden kennengelernt, als in dem Kreise
der Seinen! Damit wendete sie sich zum Gehen. Ein gellendes
Hohngelaechter entfuhr dem Munde des Grafen, ueber das er selbst
zusammenschrak, wie ueber das eines andern. Elga wendete sich um. Ich
wusste wohl, sagte sie, dass es nur Scherz war. Aber die Enthuellung des
Geheimnisses jener Warte ersparst du dir doch nicht. Ich muss selbst
schauen, was sie verbirgt. Versprichst du mir das? Der Graf war auf
ein Ruhebett gesunken und verhuellte das Gesicht in seine beiden Haende.
Da hoerte er eine Tuere gehen. Durch die Finger blickend, sah er das
Kammermaedchen seiner Frau, die eben mit ihrem Nachtzeuge eintreten
wollte, und Elgan, die mit einem listigen Gesichte ihr Entfernung
zuwinkte. Elga nahte hierauf dem Ruhebette und, sich neben ihren
Gatten hinsetzend, sprach sie: Komm, Starschensky, lass uns Frieden
schliessen! Wir haben uns ja doch schon so lange nicht ohne Zeugen
gesprochen. Damit neigte sie ihre Wange an die seinige und zog eine
seiner Haende an ihr klopfendes Herz. Ein Schauder ueberfiel den Grafen.
Hoellenschwarz stands vor ihm. Er stiess sein Weib zurueck und entfloh.

Mitternacht hatte geschlagen. Alles im Schlosse war stille. Elga
schlief in ihrem Zimmer. Da fuehlte sie sich angefasst und, aus dem
Schlafe emporfahrend, sah sie beim Schein der Nachtlampe ihren Gatten,
der, eine Blendlaterne in der Hand, sie aufstehen und sich ankleiden
hiess. Auf ihre Frage: wozu? entgegnete er: Sie habe Verlangen gezeigt,
die Geheimnisse jener Warte kennenzulernen. Am Tage ginge das nicht
an; wenn sie aber Finsternis und Nachtluft nicht scheue, so moege sie
ihm folgen. Aber hast du nichts Arges im Sinne? fragte die Graefin; du
warst gestern abends so sonderbar! Wenn du nicht folgen willst, so
bleibe, sprach Starschensky und war im Begriffe, sich zu entfernen.
Halt! rief Elga. Wenn Furchtsamkeit der Weiber allgemeines Erbteil
ist, so bin ich kein Weib. Auch muss dieser Zustand von Ungewissheit
enden. Vielleicht bist du in dich gegangen, hast erkannt.--Wenn du
dich ueberzeugen willst--sprach Starschensky, so steh auf und folge mir.
Elga war aus dem Bette gesprungen und hatte einen Schlafpelz
uebergeworfen. Sie wollte gehen. Aber indes war das Kind erwacht, das
in dem Bette ihr zur Seite schlief. Es fing an zu weinen. Dein Kind
wird die Bewohner des Schlosses wecken, sagte der Graf. Da, ohne ein
Wort zu sprechen, nahm Elga die Kleine empor, wickelte sie in ein
warmverhuellendes Tuch und, das Kind auf dem Arme, folgte sie dem
leitenden Gatten.

Die Nacht war kuehl und dunkel. Die Sterne zwar schimmerten
tausendfaeltig am trauergefaerbten Himmel, aber kein Mond beleuchtete
der Wandler einsamen Pfad, nur des Grafen Blendlaterne warf kurze
Streiflichte auf den Boden und die untersten Blaetter der mitternaechtig
schlummernden Gestraeuche.

So hatten sie den, von seiner ehemaligen Benuetzung so genannten
Tiergarten durchschritten und waren nun bei jener Warte angelangt, dem
eigentlichen Ziele ihrer Wanderung. Da wendete der Graf sich um zu
seiner Gattin und sprach: Du bist nun im Begriffe, das verborgenste
Geheimnis deines Gatten zu erforschen. Du willst ihn ueberraschen ueber
dem Bruche seiner ehelichen Treue, ihn beschaemen in Beisein einer
verworfenen Geliebten. Es ist billig, dass Gefahr und Vorteil auf
beiden Seiten gleich sei. Bevor du eintrittst, schwoere mir, dass du
selber nie eines gleichen Fehls dich schuldig gemacht, dass du rein
seist an dem Verbrechen, dessen du zeihst deinen Gatten. Du suchst
Ausfluechte, sprach Elga. Weib! fuhr der Graf fort, durchgeh in
Gedanken dein verflossenes Leben, und wenn du eine Makel, ich will
nicht sagen, ein Brandmal, darin entdeckst, so tritt nicht ein in
dieses Gemaeuer. Elga draengte sich am Grafen vorbei, dem Eingange zu.
Er stellte sich ihr von neuem in den Weg, indem er ausrief: Du gehst
nicht ein, bevor du mirs endlich versichert. Lege die Hand auf das
Haupt deines Kindes und schwoere! Da legte Elga die Rechte auf das
Haupt der schlummernden Kleinen und sprach: So ueberfluessig mir ein
solcher Schwur scheint, so gut du selbst davon ueberzeugt bist, wie
sehr er es sei, so bekraeftige ich doch!--Halt! schrie Starschensky, es
ist genug. Tritt ein und sieh!

Der Graf schloss auf. Sie stiegen eine schmale Wendeltreppe hinan, die
zu einer gleichfalls verschlossenen Tuere fuehrte. Der Graf oeffnete
auch diese, und nun traten sie in ein geraeumiges Gemach, dessen
innerer Teil durch einen dunklen Vorhang abgeschlossen war. Der Graf
setzte Stuehle an einem vorgeschobenen Tische zurecht, entzuendete an
dem Lichte seiner Blendlaterne zwei Wachskerzen in schweren, ehernen
Leuchtern, zog aus der Schublade des Tisches ein Heft Papiere hervor
und winkte seiner Frau, sich zu setzen, indem er sich gleichfalls
niederliess. Elga sah rings um sich her, bemerkte aber niemand. Sie
sass und hoerte.

Da begann der Graf, dem Lichte naeher rueckend, zu lesen aus den
Papieren, die er hielt: 'Auch bekenne ich mit der Tochter des
Starosten Laschek unerlaubte Gemeinschaft gepflogen zu haben; vor und
nach ihrer Vermaehlung mit dem Grafen Starschensky. Ihrer Ehre
einziges Kind--' Unerhoerte Verleumdung! schrie Elga und sprang auf.
Wer wagt es, mich solcher Dinge zu zeihen? Oginsky! rief der Graf.
Steh auf und bekraeftige deine Aussage! Bei diesen Worten hatte er den
Vorhang hinweggerissen, und eine Mannsgestalt zeigte sich, auf Stroh
liegend, mit Ketten an die Wand gefesselt. Wer ruft mir? fragte der
Gefangene. Elga ist hier, sagte der Graf, und fragt, ob es wahr sei,
dass du mit ihr gekost? Wie oft soll ichs noch wiederholen? sagte der
Mann, sich in seinen Ketten umkehrend.--Hoerst du? schrie der Graf zu
seiner Gattin, die bleich und erstarrt dastand. Nimm hier den
Schluessel und oeffne die Fesseln dieses Mannes! Elga zauderte. Da riss
der Graf seinen Saebel halb aus der Scheide, und sie ging. Klirrend
fielen die Ketten ab, und Oginsky trat vor. Was wollt Ihr von mir?
sagte er. Du hast mich am Tiefsten verletzt, sprach der Graf. Du
weisst, wie Maenner und Edelleute ihre Beleidigungen abtun. Hier nimm
diesen Stahl, fuhr er fort, indem er einen zweiten Saebel aus seinem
Oberrocke hervorzog, und stelle dich mir!--Ich mag nicht fechten!
sagte Oginsky. Du musst! schrie Starschensky und drang auf ihn ein.
Mittlerweile hoerte man Geraeusch auf der Treppe. Elga, die unbeweglich
dagestanden hatte, sprang jetzt der Tuere zu und versuchte diese zu
oeffnen, indem sie laut um Huelfe schrie. Starschensky ereilte sie, da
sie eben nach der Klinke griff, stiess das Weib zurueck und schloss die
Tuere ab. Die Zwischenzeit benuetzte Oginsky, und waehrend der Graf noch
am Eingange beschaeftigt war, riss er das Fenster auf und sprang hinab.
Der Fall war nicht tief; Oginsky erreichte unbeschaedigt den Boden, und
als der Graf von der Tuere weg zum Fenster eilte, verhallten bereits
die Fusstritte des Entflohenen in weiter Entfernung.

Der Graf wendete sich nun zu seiner Gemahlin. Dein Mitschuldiger ist
entflohen, sagte er, aber du entgehst mir nicht. Kannst du jene
Verleumdung glauben? stammelte Elga. Ich glaube dem, was ich weiss,
sprach Starschensky, und dem Stempel der Aehnlichkeit in den Zuegen
dieses Kindes. Du musst sterben, sagte er, und zwar hier auf der
Stelle! Elga war auf die Kniee gefallen. Erbarme dich meines Lebens,
rief sie. Beginne mit mir, was du willst! Verbanne mich! verstosse
mich! heisse mich in einem Kloster, in einem Kerker den Rest meiner
Tage vollbringen, nur lass mich leben! leben! Der Graf bedachte sich
eine Weile, dann sprach er: Weil du denn dieses schmacherfuellte,
scheussliche Dasein schaetzest, ueber alles, so wisse: ein einziges
Mittel gibt es, dich zu retten. Nenn es, nenne es, wimmerte Elga.
Der Brandfleck meiner Ehre, sprach der Graf, ist dies Kind. Wenn
seine Augen der Tod schliesst, wer weiss, ob mein Grimm sich nicht legt.
Wir sind allein, niemand sieht uns, Nacht und Dunkel verhuellen die
Tat. Geh hin und toete das Kind!--Wie, ich? schrie Elga. Toeten? Mein
Kind? Unmenschlicher! Verruchter! Was sinnst du mir zu? Nun denn!
rief Starschensky und hob den weggeworfenen Saebel vom Boden auf. Halt!
schrie Elga, halt! Ich will! Sie stuerzte auf ihr Kind los und
presste es an ihren Busen, bedeckte es mit Traenen. Du zauderst? schrie
Starschensky und machte eine Bewegung gegen sie. Nein! nein! rief
Elga. Verzeihe mir Gott, was ich tun muss, was ich nicht lassen kann.
Verzeihe du mir, zum Unglueck Gebornes! Damit hatte sie das Kind
wiederholt an ihre Brust gedrueckt; mit weggewandtem Auge ergriff sie
eine grosse Nadel, die ihren Pelz zusammenhielt; das Werkzeug blinkt,
der bewaffnete Arm--Halt! schrie ploetzlich Starschensky. Dahin wollt
ich dich haben! sehen, ob noch eine Regung in dir, die wert des Tages.
Aber es ist schwarz und Nacht. Dein Kind soll nicht sterben, aber,
Schaendliche, du! und damit stiess er ihr den Saebel in die Seite, dass
das Blut in Stroemen emporsprang, und sie hinfiel ueber das unverletzte
Kind.

Dieselbe Nacht war eine des Schreckens fuer die Bewohner der
umliegenden Gegend. Von einer Feuerroete am Himmel aufgeschreckt,
liefen sie zu und sahen die alte Warte an der Westseite der
Tiergartenmauer von Starschenskys Schlosse in hellen Flammen. Alle
Versuche zu loeschen waren vergebens; bald standen nur schwarze Mauern
unter ausgebrannten rauchenden Truemmern. Man wollte den Grafen wecken;
er fehlte, mit ihm sein Weib, sein Kind. Die Brandstaette ward
durchsucht, und zwar allerdings menschliches Gebein aufgefunden, aber
sollten das die Reste dreier Menschen sein?

Beim Scheiden derselben Nacht aber fuehlte sich ein armes Koehlerweib im
Gebirge die gluecklichste aller Sterblichen. Denn als sie mit ihrem
Manne lag und schlief, pochte es an der Huettentuere. Sie stand auf und
oeffnete; da sah sie im Scheine des anbrechenden Morgens ein weinendes
Kind von etwa zwei Jahren vor sich stehen, statt aller Kleider in ein
weites Tuch gehuellt, ein Kaestchen neben sich. Geoeffnet, zeigte dieses
mehr Gold, als sich das arme Paar je beisammen getraeumt hatte. Ein
paar beigelegte Zeilen empfahlen das Kind der Vorsorge der beiden und
versprachen fernere Geldspenden in den Zukunft.

Nach zwei Tagen erschien der Graf wieder in der Mitte der Seinigen,
aber nur, um sich zu einer Reise nach Warschau zu bereiten. Dort
angelangt, suchte und erhielt er persoenliches Gehoer beim Koenige, nach
dessen Beendigung der Fuerst, sichtbar erschuettert, seinen Kanzler
holen liess und ihm offene Briefe auszufertigen befahl, welche dem
Grafen Starschensky, als letzten seines Stammes, die freie Verfuegung
ueber seine Lehengueter einraeumten.

Die Gueter selbst wurden teils verkauft und der Erloes zur Tilgung von
Schulden verwendet, teils als Stiftung einem Kloster zu Eigentume
gegeben, das man nicht fern von der Stelle zu bauen anfing, wo die
alte, abgebrannte Warte gestanden hatte. Das ist die Geschichte
dieses Klosters", endete der Moench.

"Der Graf selbst aber?"--fragte einer der Fremden.

"Ich habe Euch gleich anfangs gewarnt", sagte der Moench, "nicht weiter
zu fragen, wenn ich aufhoere, nun tut Ihrs aber doch! Zahlreiche
Seelmessen wurden gestiftet fuer die Ruhe derjenigen, die eine rasche
Gewalttat hinweggerafft in der Mitte ihrer Suenden; um Vergebung fuer
den Ungluecklichen, der in verdammlicher Uebereilung Verbrechen bestraft
durch Verbrechen. Der Graf war Moench geworden in dem von ihm
gestifteten Kloster. Anfangs fand er Trost in der Stille des
Klosterlebens, in der Einfoermigkeit der Bussuebungen. Die Zeit aber,
statt den Stachel abzustumpfen, zeigte ihm stets graesslicher seine Tat.
Ueber ihn kam seines Stammes tatenheischender Geist und die
Einsamkeit der Zelle ward ihm zur Folterqual. In Zweisprach mit
Geistern und gen sich selber wuetend, huetete man ihn als Wahnsinnigen
manches Jahr. Endlich geheilt, irrte er bei Tag umher; jedes Geschaeft
war ihm Erquickung, an den Baeumen des Forstes uebte er seine Kraft.
Nur nachts, um die Stunde, da die beklagenswerte Tat geschah, die
erste nach Mitternacht, wenn die Totenfeier beginnt"--So weit war er
in seiner Erzaehlung gekommen, da ward diese durch die ersten Toene
eines aus der Klosterkirche heruebertoenenden Chorgesanges unterbrochen;
zugleich schlug die Glocke ein Uhr.

Bei den ersten Lauten schuetterte der Moench zusammen. Seine Kniee
schlotterten, seine Zaehne schlugen aneinander, er schien hinsinken zu
wollen, als sich ploetzlich die Tuere oeffnete, und der Abt des Klosters
in hochaufgerichteter Stellung, das Kreuz seiner Wuerde funkelnd auf
der Brust, in die Schwelle trat. "Wo bleibst du, Starschensky?" rief
er. "Die Stunde deiner Busse ist gekommen." Da wimmerte der Moench und
zusammengekruemmt, wie ein verwundetes Tier, in weiten Kreisen, dem
Hunde gleich, der die Strafe fuerchtet, schob er sich der Tuere zu, die
der Abt, zuruecktretend, ihm freiliess. Dort angelangt, schoss er wie
ein Pfeil hinaus, der Abt, hinter ihm, schloss die Tuere.

Noch lange hoerten die Fremden dem Chorgesange zu, bis er verklang in
die Stille der Nacht und sie ihr Lager suchten zu kurzer Ruhe.

Am Morgen nahmen sie Abschied vom Abte, ihm dankend fuer die
gastfreundliche Bewirtung. Der juengere gewann es ueber sich, nach dem
Moenche der gestrigen Nacht zu fragen, worauf der Praelat, ohne zu
antworten, ihnen eine glueckliche Reise wuenschte.

Sie zogen nach Warschau und nahmen sich vor, auf der Rueckreise weitere
Kunde von dem Zustande des Moenches einzuziehen, in dem sie wohl den
ungluecklichen Starschensky erkannt hatten. Aber eine Aenderung in
ihren Geschaeften schrieb ihnen eine andere Strasse zur Rueckkehr vor,
und nie haben sie mehr etwas von dem Moenche und dem Kloster bei
Sendomir gehoert.


Ende dieses Projekt Gutenberg Etextes Das Kloster bei Sendomir, von
Franz Grillparzer.







End of Project Gutenberg's Das Kloster bei Sendomir, by Franz Grillparzer

*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DAS KLOSTER BEI SENDOMIR ***

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